# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 01 26_S64 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ternacht, und hieße ſie aufſtehen und uns Eſſen machen, ſo würde ſie willig und freundlich alles thun, was ich verlange.“ Die Geſellſchaft war unverſchämt genug, durch eine hohe Wette ihn zur Probe aufzufordern. Die Wette ward ge⸗ macht und die Geſellſchaft ging gerad zu Mit⸗ ternacht in ſein Haus. „Wo iſt die Frau?“ fragte der Mann, da ihm die Magd entgegen— kam. —„Sie liegt ſchon,“ war die Antwort. — „Rufe ſie, ſprach der Mann, und ſage, ſie ſoll gleich aufſtehen, und uns ein Abendbrod machen.“ Die Frau ſteht unverzüglich auf, kommt heraus, grüßt höflich und freundlich die Geſellſchaft und ſagt, ſie möchten ſich nur ein wenig gedul⸗ den, bald ſolle das Eſſen bereitet ſein. Es währte auch nicht lange, ſo ward das Eſſen aufgetragen, und die Frau bediente ihre Gäſte mit ſolcher Freundlichkeit, als wenn ſie von ihr geladen wären. Nach dem Eſſen konnte dieſe nicht länger ihre Verwunderung bergen: „Frau N., ſagte der Nüchternſte unter ihnen, Sie ſetzen uns in Erſtaunen;“ und darauf er⸗ zählte er, wie ſie mit ihrem Mann gewettet und nun die Wette verloren hätten. —„Sagen Sie Uns, fuhr er dann fort, wie haben Sie's dahin gebracht, daß Sie ſo freundlich können mit Leuten ſein, deren Geſinnung und Leben Sie doch, als eine fromme Frau, verabſcheuen müſ— ſen?“ —,„Liebe Freunde, erwiederte die Frau, mein Mann und ich, da wir uns heiratheten, lebten Beide im Sinne des Fleiſches. Es hat Gott gefallen, mich aus dieſem unſeligen Zu— ſtande zu erretten. Mein Mann aber wandelt noch auf dieſem Wege, und ich zittere für ſein künftiges Loos. Wenn er ſo, wie er jetzt iſt, ſtürbe, wie traurig müßte ſein Schickſal ſein! Da iſt es denn wohl meine Pflicht, ihm nicht ſchon ſein jetziges Leben zur Hölle zu machen.““ Die ganze Geſellſchaft war von dieſen Wor— ten geruͤhrt und ſie machten einen tiefen Ein⸗ druck auf den Mann. „Biſt du, liebes Weib, ſprach er, wirklich für mein ewiges Unglück be— ſorgt? Nun, ſo will ich mit Gottes Hülfe mich ändern.“ Und ſiehe, Gott gab auch Gnade, daß er ein anderer Menſch wurde. — „Wie und wodurch ſoll die Bekehrung geſchehen?“ Bekehrung der Seelen iſt, ſchreibt Luther, nicht ein erdichtet und falſch Ding, noch ge⸗ ſchiehet auf einen Schein oder mit der Zunge (wie ſich alſo viel bekehren), ſondern heißet, ſich herzlich und mit ganzem Ernſte bekehren und zu einem andern Menſchen werden, obgleich das Fleiſch und der äußerliche Menſch nicht aufhöret, darwider zu ſtreben und zu gelüſten. Und wird durch keine andere Weiſe und Arznei die Seele alſo verändert, und zum Geiſte be— kehrt (daß ſie ihr und allen ihren Gedanken feind wird, trachtet und dürſtet nach Gott, und nach dem, was Gottes iſt), denn durch die lieblichen Worte des Evangelii, die da ſind Worte der Gnaden und ſcharfe Pfeile des Starken, ſo da verwunden mit der Liebe, daß die fröhlich und frei werden, welche zuvor das Ge⸗ ſetz und die Luſt unwillig und zug Knechten, und derohalben zu Heuchlern und falſchen Be⸗ kehrten gemacht hatte. Daß alſo das Werk des Evangelii und Frucht des Worts die recht⸗ ſchaffene Veränderung und Bekehrung der Seele iſt. (Luthers Werke, Hall. IV, 2224.) Gewißheit des Glaubens. Der Vater des ſel. Myconius bezeugte kurz vor ſeinem Tode: „Wenn auch nur drei See⸗ len durchs Blut JIEſu ſelig würden, ſo wüßte er gewiß, er wärt mit darunter.“ Dies berichtet 64 Bogatzky in ſeinen Betrachtungen des Leidens Chriſti. W. Bergmann erzählt in ſeinen Be⸗ trachtungen der Todesſtunde etwas ähnliches, daß nehmlich ein alter chriſtlicher Herr, gewe— ſener Proviantmeiſter, mit Namen Wolf Georg von Schaplitz (geſtorben den 4. Sept. 1625), folgende glaubenskühne Aeußerung gethan habe: „Wenn der HErr JEſus Chriſtus nur für einen einigen Menſchen gelitten hätte, ſo gläub ich und bins gewiß in meinem Herzen, daß ich derſelbige Menſch bin. Darauf leb' ich, darauf ſterb' ich, darauf werd' ich ſelig.“ — Wer nichts vom wahren Glauben erfahren hat, wird ſolche Reden entweder für gottlos oder für ein Zeichen von Schwärmerei halten. Wer etwas davon weiß, was „glauben“ heißt, wird ſie bewundern. Gott helfe uns glauben, daß wir mit unter die große Schaar der Gnaden— kinder Gottes gehören. Wie hoch Dr. Luther die guten Werke geachtet habe. Siehe, wie fein (die Wiedertäufer) von guten Werken lehren; ſprechen, ſie geben ihre guten Werke um einen Groſchen. Damit wollen ſie unſere Affen ſein und uns nachlehren, weil ſie gehört haben, daß wir lehren, gute Werke ma— chen nicht fromm, tilgen auch die Sünde nicht, verſöhnen auch Gott nicht. Ueber ſolches thut hie der Teufel ſeinen Zuſatz und veracht die guten Werk ſogar, daß er ſie alle um einen Groſchen verkaufen will. Da lobe ich Gott meinen HErrn, daß der Teufel ſich ſelbſt in ſei⸗ ner Klugheit ſo ſchändlich muß beſchmeißen und bethören. Wir lehren alſo, daß Gott verſöhnen, fromm machen, Sünde tilgen, ſei ſo hoch, groß herr— lich Werk, daß (es) allein Chriſtus, Gottes Sohn, thun müſſe, und ſei eigentlich ein lauter, bloß ſonderlich Werk des einigen rechten Gottes und ſeiner Gnade, darzu unſere Werke nichts ſind noch vermögen. Aber daß darum gute Werke ſollen nichts ſein, oder eines Groſchen werth ſein, wer hat das je gelehret oder gehöret? ohne aus dem Lügenmaul des Teufels. Ich wollte meiner Predigt eine, meiner Lection eine, meiner Schrift eine, meiner Vater Unſer eins, ja wie kleine Werke ich immer gethan oder noch thue, nicht vor der ganzen Welt Gü— ter geben; ja ich achte es theurer denn meines Leibes Leben, das doch einem jeglichen lieber iſt und ſein ſoll, denn die ganze Welk. Denn, iſt's ein gut Werk, ſo hat's Gott durch mich und in mir Pwaz Hats Gott gethan und iſt Gottes Werk, was iſt die ganze Welt gegen Gott und ſein Werk? Ob ich nun wohl durch ſolch Werk nicht fromm werde (denn das muß zuvor ge⸗ ſchehen durch Chriſti Blut und Gnade, ohne Werk), dennoch iſts Gott zu Lob und Ehren geſchehen, dem Nächſten zu Nutz und Heil, welches keines man mit der Welt Gut bezahlen oder vergleichen kann. Und dieſe feine Rotte nimmt einen Groſchen dafür. Ach wie fein hat ſich hier der Teufel verborgen! Wer könnte ihn doch hier nicht greifen! (L. W. XIV, 281. 282. In welchem Sinne ſagt die Schrift von Gott, daß er gewiſſe Menſchen verſtockt habe? Joh. 12, 37—41. Hierüber ſagt Luther: Gott braucht kein Werk, es iſt auch kein Werk oder That, ſondern eine Unterlaſſung des Werkes Gottes. Denn darum thun wir Böſes, weil er aufhört in uns zu wirken, und „läßt die Natur in ihrer Bos⸗ heit thun, was ſie thut.“ Sonſt, wo er ſelbſt wirkt, folgt nichts als lauter Gutes. Und dies Unterlaſſen Gottes nennt die Schrift ver⸗ ſtocken. Denn das Böſe kann nicht geſchehen, weil es nichts iſt, ſondern nur daher kommt, wenn nichts Gutes geſchieht oder verhindert wird. S. L. Werke. Hall. A. XV. Anhang. Seite 231. Die Kirchenpoſtille Dr. M. Luthers. Wir haben die Freude, unſern Leſern hier⸗ durch anzeigen zu können, daß ſich Herr Lud— wig entſchloſſen hat, um die Anſchaffung des genannten Werkes zu erleichtern, daſſelbe in Einem großen Bande von circa 1300 Seiten, ganz in der Ausſtattung der Hauspoſtille, für den Preis von $5,00 erſcheinen zu laſſen und mit dem Druck unverzüglich zu beginnen, ſo— bald ſich 1000 reelle Unterſchreiber gefunden haben werden. Wir können nicht umhin, hier— bei inſonderheit den Dienern der lutheriſchen Kirche dieſes Landes zu bedenken zu geben, von welchen unberechenbar geſegneten Folgen noch für die ſpäte Zukunft es ſein würde, wenn ſie es dahin bringen könnten, daß jenes unſchätz⸗ bare Predigtbuch wieder in den lutheriſchen Familien heimiſch würde und ſich auf Kinder und Enkel als ein Nachlaß der Väter vererbte. Laſſet uns, theure Brüder im Amte, überlegen, was wir vielleicht jetzt ſein würden, wären nicht noch die Zeugniſſe unſerer Väter in Druck⸗ ſchriften in unſeren Händen! Selbſt die we— nigen noch übrig gebliebenen treuen Luthera— ner wären dann vielleicht ſchon längſt von den neuen Afterlutheranern, oder von den Secten verſchlungen. Herr Ludwig ſchreibt uns: Die Subſcriben⸗ ten werden erſucht, ſich an die nächſt unten ſte⸗ henden Agenten zu wenden, oder für 10 oder mehrere Exemplare, an den Verleger, wenn ſolche an einem Orte wohnen, wo die Bücher leicht und ſicher hingeſchickt werden können. Doch bittet der Unternehmer einen jeden zu beherzigen, daß die Bezahlung ſchnell eingehen muß — oder lieber im voraus. Subſcriptionen werden angenommen bei: H. Ludwig, 70 & 72 Veſey⸗St., New⸗York. W. Radde, 322 Broadway „ „ Mentz und Rovoudt, No. 53 3. St., Philadel⸗ phia. Paſt. Wyneken, Baltimore. Paſt. C. F. W. Walther, St. Louis, Mo. Ehrw. C. Spielmann, Columbus, Ohio. Joh. G. Backofen, Pittsburg, Pa. Eggers & Wulkop, Cincinnati, O. J. J. Faſt, Canton, O. Dr. Sihler, Fort Wayne, Ind. David Georg und A., Milwaukie, Wis. P. Beyer. 7 77 Paſt. Grabau u. A., Buffalo, N. Y. E. H. Peaſe, Albany, N. Y. Bezahlt. 2. Jahrgang Hr. Ochs. 3. Jahrgang die Hrn. Herrling, Ochs, Paſt. Richmann. Erhalten für die Heidenmiſſion am Fluſſe Cass, Michigan, von den Hrn. Weiſe $1,00, Fried. Koch $2,00, D. Ameiß 81,00, Ch. Huber $0,50, Ungenannt 81,00. Gedruckt bei Weber und Olshauſen.