# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1857_S227 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet und erzogen? 227 meinde, die ja nur aus den Einzelnen besteht, nur daß eben derselbe Glaube des Herzens in Allen und die daraus erfolgende gliedliche Gemeinschaft mit Christo sie innerlich, dasselbe Lautwerden des Glaubens aber im Bekenntniß des Mundes und dasselbe Thatwerden dieses Glaubens in den Werken der Liebe, sei es die brüderliche oder allgemeine, sie äußerlich verbindet und demgemäß das Gemeindeleben erzeugt. Nun ist dies freilich nicht also zu verstehen, als ob dieses neue geistliche Leben in jedem Einzelnen der durch das Evangelium Berufenen sein müsse, widrigenfalls z. B. in dieser und jener Ortsgemeinde, wo Wort und Sacrament im Schwange gehen, gar kein Gemeindeleben vorhanden sei; denn daß jeder Berufene auch von Herzen an Christum gläubig gewesen sei, hat niemals in der Gemeinde der Berufenen stattgefunden, von der ersten Zeit derselben an in Adams Hause, bis auf unsere Tage; denn da finden wir z. B. Kain, Ismael, Esau, Hophni und Pinehas, Saul, Judas, Ananias und Sapphira neben und wider Abel, Isaak, Jacob, Samuel, David, die andern Apostel und die Glieder der Pfingstgemeinde, also daß in der Gemeinde der Berufenen allezeit gewesen, noch sind und sein werden bis an den jüngsten Tag neben und wider die wahrhaft an Christum Gläubigen Scheingläubige und Heuchler, Maul⸗ und Namenchristen, die wohl mit dem Munde bekennen, aber den wahren lebendigen Glauben an Christum und den heil. Geist nicht im Herzen haben und folglich auch in keiner geistlichen und gliedlichen Gemeinschaft mit Christo und den wahrhaft Gläubigen, sondern mit diesen nur in der äußerlichen Gemeinschaft des Bekenntnisses, des Gebrauchs der Gnadenmittel und des Gottesdienstes stehen, innerlich aber, durch böswilligen Unglauben, Gliedmaßen des Teufels sind, ohne daß sie diesen gerade in offenbarer Gottlosigkeit des Wandels beweisen. Gleichwohl wird dennoch, trotz dieses Unkrauts unter dem Weizen, dieser faulen Fische im Netze, da das Gemeindeleben nicht fehlen, wo das rechtgläubige Predigtamt im Schwange geht, und im rechten Zusammenwirken mit diesem das Häuflein der Gläubigen, wenn es auch nicht die Ueberzahl hätte, doch das Uebergewicht hat und das neue geistliche Leben kund thut im Bekenntniß des Mundes in und außer den öffentlichen gottesdienstlichen Versammlungen, im Wachen über die Reinheit der Lehre, im Urtheilen und Richten vorfallender Glaubens⸗ und Lehrstreitigkeiten nach dem Bekenntniß der Kirche und in Aufrichtung der Kirchenzucht nach Matth. 18, 15—17., im Handeln ordentlicher Kirchengerichte und, wo nöthig, in Verhängung des Bannes, in Anordnung schrift⸗ und bekenntnißmäßiger Gottesdienste, in Einrichtung heilsamer Ordnungen, in gemeinsamen Werken der christlichen Liebe für die Erhaltung und Ausbreitung der Kirche, in der Geduld des Kreuzes bei gemeiner Plage und sonderlichen Heimsuchungen, im gegenseitigen brüderlichen Strafen und Trösten, im stetigen Trachten, immer völliger zu werden, eben auch als Gemeinde vornämlich in gründlicher Heils⸗ und Selbsterkenntniß, im wahren lebendigen Glauben und im fröhlichen Bekennen der reinen und Bekämpfen der falschen Lehre und in der thätigen Liebe.