# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1857_S224 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 224 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. eigentlich zum Voigtlande, so hat vor kurzem das geistliche Ministerium in Greiz durch einen öffentlichen Erlaß zu erkennen gegeben, daß es der bisherigen Religionsmengerei entgegen treten wolle. Die Stadt und das Land sind evangelisch⸗lutherisch. Die wenigen Reformirten sind seit langen Jahren zu dem Sacramente der lutherischen Altäre gekommen, und da ohne weiteres zugelassen worden. Das ist eine Gleichgültigkeit gegen die reine Lehre, und eine unverantwortliche kirchliche Unordnung. Das geistliche Ministerium will dergleichen nicht mehr dulden. Es verlangt, daß diejenigen Reformirten, die wirklich das heil. Abendmahl nach lutherischem Ritus begehren, vorher ihren förmlichen Uebertritt zur lutherischen Kirche erklären; damit aber die, die sich von Herzen zur reformirten Abendmahlslehre bekennen, sich nicht beklagen können, soll von Zeit zu Zeit ein reformirter Geistlicher nach Greiz kommen und das Sacrament nach Anordnung seiner Kirche verwalten. — Die Mehrzahl der Zeitungen nennt das Rückschritt und Intoleranz, wir aber begrüßen es als ehrliche Maßregel, die beiden Theilen gerecht wird und der kirchlichen Verwirrung entgegen gearbeitet, die immer mehr überhand nimmt und einen völligen babylonischen Thurmbau aufführt. Wir wünschen, daß die übrigen kleinen Länder Mitteldeutschlands, in denen zwar nicht die Union eingeführt ist, aber dafür Confusion herrscht, diesem Beispiele nachfolgen mögen. Weimar hat vor kurzem wenigstens einen Schritt zu diesem Ziele hin gethan. Es hat nämlich endlich einen Mann in seine oberste Kirchenbehörde, in den Großherzoglichen Kirchenrath, berufen, der sich zur lutherischen Lehre bekennt. Seit Menschengedenken hat auf den Bänken dieser Behörde kein solcher gesessen, wohl aber gar viele bittere Feinde dieses Bekenntnisses. Es ist das der Superintendent zu Weida, Nicolai, ein lieber, begabter, ernster und doch milder Mann, der so recht dazu geeignet scheint, wenn auch nicht ein neues aufzuführen, doch dem Umsturze des noch bestehenden zu wehren, und eine bessere Zeit für die Kirche des Landes vorzubereiten. Der HErr wolle sein Wirken segnen! Hessen⸗Darmstadt. Der „Freimund“ gibt von diesem Lande folgende statistische Notizen: Die Bevölkerung des Großherzogthums Hessen beträgt nach der Aufnahme im December 1855: Lutheraner 405,146. Reformirte 29,041. Unirte (Protestanten) 154,404. Römische Katholiken 216,115. Mennoniten, Separatisten ꝛc. 3469. Juden 28,249. Je die siebente Geburt ist seit einigen Jahren eine uneheliche. Die Gesammtbevölkerung beträgt: 836,424. Es sind also nahezu die Hälfte Lutheraner. Dazu ist der Landesfürst Lutheraner, aus einem ernst lutherischen Fürstenhaus. Auch unter den Unirten sind viele, die meinen, sie wären noch lutherisch. In der That sind es ihre Vorfahren sämmtlich gewesen, wie auch die Vorfahren der Reformirten. Und trotz alledem regiert ein unirtes Oberconsistorium im Namen des lutherischen Landesherrn über die Lutheraner, und will sie jetzt zwingen, in ihren Gottesdiensten Collecten für reformirte Zwecke zu erheben. Das muß freilich anders werden, wie noch manches andere.