# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1857_S223 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 223 über die neueste Generalsynode offen aussprechen. Sind die Kirchen seit 1808 noch nicht curirt, wo man sie mit den Theatern in eine Linie stellte? Ja man macht wohl Liturgie, aber keine Religion wieder. Das merkte schon der alte Fritz. Wehe unserer Zeit. — Der Oberkirchenrath hat eben ein Mitglied vom Ausland gewonnen, den bekannten Redner auf allen Kirchentagen, Dr. Wichern. Früher lutherischer Candidat ward er von der namen⸗lutherischen Kirche Hamburgs schändlich behandelt und verwahrlost; und so gründete er, da er zum geistlichen Amt nicht zugelassen wurde, auf eigene Hand das rauhe Haus für verwahrloste Kinder. Seine Kirche, selber verwahrlost, ließ ihn immer so stehen. Allmählig kam er in größere Nähe mit der Union Preußens, die ja mit großem Eifer in neuen Werken einhergeht. Längst also mit den Feinden der lutherischen Kirche verbündet, ist er durch diesen Schritt von derselben auch äußerlich abgefallen. Um einen Mann mit solchen Gaben muß es uns leid sein. Wie hätte er der Kirche seiner Väter dienen können, wenn er zu rechter Zeit die rechte Pflege gehabt hätte! — Erlangen und Rostock. So schreibt der Pilger aus Sachsen: Dr. v. Hofmann, Professor in Erlangen, glaubt „eine neue Weise alte Wahrheit zu lehren“ erfunden zu haben, und doch ist seine Weise nichts anderes, als: die alte Wahrheit zu leugnen. Denn er leugnet, daß das Blut des Sohnes Gottes dem Zorne Gottes als Lösegeld gezahlt worden ist, daß unser Herr und Heiland Jesus Christus die Schuld und Strafe unserer Sünden auf sich genommen und in seinem Tode gebüßt, und daß uns demnach Vergebung der Sünden oder Rechtfertigung nur dadurch zu Theil werde, daß wir im Glauben das allerheiligste, vollgültige Verdienst unsers Herrn ergreifen. — Professor v. Hofmann hat immer für einen rechtgläubigen Theologen gegolten, bis nun Professor Dr. Philippi in Rostock ihm seine Abweichungen von der alten Wahrheit der lutherischen Kirche und der heiligen Schrift vorgehalten; das hat ihm Professor Hofmann übel genommen und sich nicht gescheut, ohne Fug ihn mit bittern Worten zu schelten; das kommt daher, daß Professor Hofmann wohl nicht möchte abtrünnig sein, er möchte wohl gern die alte Wahrheit behalten und bekennen, wenn es gewisse gelehrte Verkehrtheit zuließe. Da hat nun die theologische Facultät der Universität zu Dorpat, welcher Dr. Philippi früher angehörte, eine Erklärung in Dr. Kliefoths kirchlicher Zeitschrift abgegeben, in welcher sie Dr. Philippi gegen Hofmanns Scheltworte deckt, ihm das Zeugniß eines treuen Knechtes gibt, der in reichgesegneter Wirksamkeit als einen recht lutherischen Theologen sich erwiesen, das geistliche Leben und die Liebe zur lutherischen Kirche und Bekenntniß reichlich gefördert und entzündet und große Schaaren dem rechtfertigenden Glauben an die Gnade Gottes in Christo zugeführt habe. Zugleich ermahnen jene fünf Dorpater Professoren den Dr. Hofmann zur Besinnung im Hinblick auf den wahren Frieden der Kirche, dessen Erhaltung ja vor allen den Lehrern der Kirche obliegt. Und auch Dr. Hengstenberg warnt: In unserer Zeit ist das herrschende weltliche Princip der Rationalismus. Aus diesem hat die kirchliche Theologie sich mühsam emporgerungen, dieser macht stets erneuerte Versuche, sich wieder in sie einzudrängen, und wenn diesen Versuchen nicht kräftig begegnet wird, so ist die traurige Folge die, daß das Ende zum Anfang zurückkehrt und daß uns das wahre Sprüchwort in 2 Petr. 2, 22. widerfährt! Thüringen. Der „Freimund“ berichtet daher Folgendes: Man kann ganze Jahrgänge der Zeitungen aus frühern Jahrzehnten durchsuchen, ohne auf eine Andeutung darüber zu stoßen, ob Religion und Kirche in einem Volke sei oder nicht, — die Kirche glich einem Todtenfelde. — Es ist, Gott sei Dank, anders geworden; wohin wir blicken in deutschen Landen, ist kirchliches Leben zu spüren, treten die kirchlichen Interessen in den Vordergrund, so daß selbst die politischen Blätter genöthigt werden, bisweilen das Ansehen von Kirchenzeitungen anzunehmen. Die Todtenbeine sind lebendig geworden, — gebe Gott, daß sie recht bald mit Adern und Fleisch umkleidet werden! Selbst in Thüringen, das kürzlich in der Evangelischen Kirchenzeitung mit etwas Uebertreibung „das heidnische Galiläa Deutschlands“ genannt wurde, regt sichs an allen Ecken. Um bei der äußersten Ecke anzufangen, die kaum mehr zu Thüringen gehört, sondern