# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1857_S222 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 222 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. confessionellen Kreisen, auch denen der Hauptstadt zu erkennen. Auf der großen Naugarter Pastoralconferenz, die aus solchen Pastoren besteht, die mehr wie anderwärts ihre Gemeinden hinter sich haben, hat der Vorsitzende im Blicke auf unsere Conferenz schon offen von der Möglichkeit des Herübergedrängtwerdens zu den separirten Lutheranern geredet. Treibe man die Sache weiter, so handelt es sich nicht um den Austritt von Zehn⸗ und Zwanzigtausenden, wie man wohl gemeint hat, sondern um ganz andere Zahlverhältnisse. Weit empfindlicher aber, als der numerische Verlust, würde das sein, daß die Einbuße sich gerade auf die lebendigsten Glieder und die edelsten Kräfte vorzugweise beziehen würde.“ — Es ist in der That räthselhaft, wie Männer, die eine solche Erkenntniß von dem miserabeln Stand der Unionskirche haben, dennoch darin wie in einem Pulverthurm mit sprühenden Brandern verbleiben. Absolution. Das bayerische Kirchenregiment beabsichtigt, einen neu erklärten Catechismus der ihm anvertrauten Kirche seiner Zeit in die Hände zu geben. Zu diesem Zwecke werden Vorarbeiten geliefert. Dazu gehört u. A. das Büchlein: „Dr. Martin Luther's kleiner Catechismus, erklärt von K. H. Caspari, evangelisch⸗lutherischer Pfarrer in München.“ Darin heißt es u. A.: „Wer vergibt also die Sünde? Der dreieinige Gott in der heil. christlichen Kirche durch Wort und Sacrament.“ Dies ist ohne Zweifel richtig. In der unmittelbar folgenden Frage mit Antwort aber heißt es: „Wie so? Durch allerlei Trostsprüche des Evangeliums wird sie uns angeboten, durch Absolution und Sacrament mitgetheilt und bestätigt.“ — Wieder ein Beispiel, daß mitten in der lutherischen Kirche die römische das Evangelium völlig neutralisirende Lehre von der Absolution Eingang gefunden hat. In der Erlanger Zeitschrift wird dies jedoch gerügt. Bayern. Der Pilger aus Sachsen schreibt: „Der Erfolg, welchen das unsinnige Lästern und Toben der bayerischen Protestanten gegen ihr treues Oberconsistorium gehabt, ist keineswegs dazu angethan, die Feinde des Evangeliums (man muß frei heraussagen: die Feinde Christi) zu entmuthigen, sondern im Gegentheil haben sie aus dem nicht zu leugnenden Zurückgange des Münchener Oberconsistoriums aller Orten große Zuversicht gewonnen, und es ist jedem lutherischen Kirchenregiment nun noch schwerer gemacht, eine Besserung der Kirche auf dem Wege heilsamer Verordnungen zu wollen.“ Dänemark. Der Allgemeinen Zeitung schreibt man aus Kopenhagen unter dem 18. März: So eben ist das vom Reichstag in letzter Session angenommene Gesetz mit königlicher Sanction versehen und veröffentlicht worden, wonach kein Däne seine Kinder mehr taufen zu lassen braucht. Doch sollen die Eltern gehalten sein, vor Ablauf des ersten Jahres den Namen des Kindes in die Kirchenbücher (!) eintragen zu lassen. Wie's scheint, sollen die Kinder, wenn auch nicht in die christliche, doch in die dänische Staatskirche aufgenommen werden. Weimar. Am 13. Februar d. J. starb der Herausgeber des Organs der lutherischen Partei hier zu Lande, des „Weimarischen Sonntagsboten“, der sich durch Gottes Gnade bald einen zahlreichen und weiten Leserkreis erworben hatte, Pfarrer G. A. Thälden in Buttelstedt, einem kleinen Weimarischen Städtchen. Berlin. Folgendes entnehmen wir der „Luth. Dorfkirchenzeitung“: Vor Kurzem las man in der Kreuzzeitung: eines Abends sei im Dom lutherischer Gottesdienst gehalten. So wunderlich dies schien, ist es doch gar nicht verwunderlich, da ja der Domchor nicht auf eine Religion, sondern auf mehre sich einübt, und für guten Dank fürstlicher Personen auch griechisch⸗russischen Cultus aufführt. Sollte es nicht möglich, ja nicht ganz erhebend sein, auch einmal „Lutherischen“ Gottesdienst im unirten Dom aufzuführen? Nach etlichen Tagen wurde lutherisch für einen Druckfehler erklärt und dafür liturgisch gesetzt. Diese Verbesserung hat uns als eine ehrliche wohlgefallen; wollte man nur anerkennen, daß eigentlich in allen unirten Acten und Berichten das Wort lutherisch immer nur ein Druckfehler gewesen und daß es hätte dafür liturgisch heißen müssen. Es soll ja das sogenannte Lutherthum in der Union nur etwas Liturgisches sein, wie die Berathungen