# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1857_S221 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 221 stark hierarchische Zug trieb ihn zur Ueberschätzung der bischöflichen Verfassung, und dies ist der Punct gewesen, an dem Satan ihn gefaßt und in weitere Verblendung geführt hat. — Henrici hat aus seinem Pfarrort nicht eine Seele mit sich hinübergezogen, wohl aber der Sache des HErrn durch das Aergerniß Schaden gethan und dem Lästerer Raum gegeben.“ Dr. Philippi's Kampf wider Dr. von Hofmann. Hierüber fällt Hengstenberg folgendes auch für andere Verhältnisse anwendbares Urtheil: „Die Ansicht, daß man bei dem massenhaft gegenüber stehenden Unglauben solche ins Feine gehenden Streitigkeiten ruhen lassen sollte, können wir nicht theilen. Das Vorbild der Schrift spricht dagegen. Wie lebhaft bekämpft der heilige Paulus, ohne sich durch den Blick auf die große Masse der ungläubigen Juden irre machen zu lassen, die Irrthümer der Judaisten, z. B. in dem Brief an die Galater? Wie einschneidend ist die Polemik des heil. Johannes in den Briefen und in der Apocalypse gegen den aus heidnischen Einflüssen hervorgehenden aufkeimenden Gnosticismus. Die Männer Gottes nehmen diese Sachen sehr ernst, nicht obgleich, sondern gerade weil der außerkirchliche Irrthum ihnen so massenhaft gegenüber steht. Wird dem Eingange, den dieser in die Kirche zu gewinnen sucht, nicht von Anfang an energisch gewehrt, so ist die nothwendige Folge die, daß das eingedrungene weltliche Element nach und nach und in kaum merklichen Uebergängen das kirchliche verzehrt. In unserer Zeit ist das herrschende weltliche Princip der Rationalismus“ (es sollte hinzugesetzt werden: und Unionismus). „Aus diesem hat die kirchliche Theologie sich mühsam emporgerungen, dieser macht stets erneuerte Versuche, sich wieder in sie einzudrängen, und wenn diesen Versuchen nicht kräftig begegnet wird, so ist die traurige Folge die, daß das Ende zum Anfang zurückkehrt und daß uns das „„wahre Sprüchwort““ in 2 Pet. 2, 22. widerfährt.“ Die Stellung der preußischen unirten Kirche. Hierüber läßt sich Hengstenberg in seinem diesjährigen Vorwort also vernehmen: „Es wird nicht mit Grund bestritten werden können, daß uns die Alternative gestellt ist: entweder behalten die Bekenntnisse der Confessionskirchen ihre volle Gültigkeit oder die Kirche in Preußen hat gar kein Bekenntniß und ist auf den Sand subjectiver Ansichten gebaut.“ Da nun aber die preußische Kirche den Bekenntnissen nicht volle Gültigkeit zuerkennt, worauf ist sie sonach, nebst allen ähnlichen menschlichen babylonischen Bauwerken auch hier in Amerika, gebaut? — Auf Sand. — Als ferner auf der letzten „Evangelischen Conferenz“ die Frage gestellt worden war: ob die Berufung einer Landessynode zur Zeit angemessen erscheine — lautete die zuerst eingebrachte Motion: „Die Versammlung wolle an Se. Majestät den König den Antrag stellen, daß (für jetzt) von der Ausbildung der höheren Stufen des Synodalwesens Abstand genommen werde“, mit folgenden Motiven: „1. In einer in sich gespaltenen Kirche können Synoden die Verwirrung und das Aergerniß nur noch mehren. 2. Bei den unter uns vorliegenden Unklarheiten in Bezug auf den Bekenntnißstand würden die Synoden der nothwendigen Auctorität und Legitimation entbehren. 3. Das Kirchenregiment hat noch nicht diejenige feste Haltung und Sicherheit gewonnen, welche erforderlich ist, wenn es sich gegen die Synoden in seiner Stellung behaupten soll. 4. Die Ausbildung des Synodalwesens würde den demokratischen Verfassungsbestrebungen eine gefährliche Handhabe gewähren. 5. Die in sich gespaltenen Synoden würden keine Bedeutung gewinnen.“ Der Antragsteller weist auf die Conferenz selbst hin und spricht: „In allen irgend principiellen Fragen hat sich die Versammlung in zwei fast gleiche Theile getheilt.. Wenn man die Geister ferner unter so empfindlichen Verhältnissen so gewaltsam auf einander platzen läßt, wird das Ende in nicht gar ferner Zeit sein, daß die Kirche aus einander fährt, daß das Ungleichartige auch äußerlich sich trennt. Wer dies nicht will, sollte billig auch seinen synodalen Neigungen entsagen! Niemand sieht gewiß mit größerem Behagen den Keimen des Synodalwesens zu, als unsere durch eine äußere Scheidewand von uns getrennten lutherischen Brüder. Diese werden schon in Folge der Publication unserer Verhandlungen einen nicht unbedeutenden Zuwachs erhalten. Ja schon in diesem Augenblicke gibt sich eine Gährung in den