# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 01 26_S63 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) den einigen, daß der heil. Geiſt rechter Gott wäre. Was halfs ihn und die Seinen? Es war ihm doch ſo viel, als glaubte er keinen (Artikel). Und ob er ſie mit dem Maul gleich ausſpräche und nennte, ſo hat er doch keinen Gott, weil er den heil. Geiſt für keinen Gott hält; darum hat er auch keinen Schöpfer Him— mels und der Erden; da iſt ſeine Taufe nichts mehr, keine Vergebung der Sünden, kein Sa— erament, kein ewiges Leben. Und ob er ſtreng lebt und ein ſcheinbarlich chriſtlich Leben führt, noch iſt er kein rechter Chriſt, ſondern ein großer Heuchler, wäre ihm viel beſſer, daß er kein Chriſt wäre, noch den chriſtlichen Namen ſo mißbrauchte undfälſchlich führte, das iſt, ſo ver— dammlich führete und ehrete. Alſo Neſtorius auch, Biſchof zu Con— ſtantinopel, war mit den Seinen ein ſtrenger Mann in allen Artikeln, aber in dem einigen war er ein Ketzer, daß Gottes Sohn, Chriſtus, nicht wäre von Maria der Jungfran geboren und Maria wäre nicht, könnte auch nicht ſein, eine Mutter Gottes. Damit wurden ihm die andern Artikel alle auch zu nichte, ohne was er ſie mit dem Maul nennen und mißbrauchen mochte.†) Daher auch aus dieſen dreien Ketzern zuletzt viel mehr Ketzerei herausbrachen, und an Tag ſich gaben (denn ſie ſteckten zuvor drinnen ver— borgen), bis daß der leidige Mahomet her⸗ aus kommen iſt; denn alle Hiſtorien zeugen, Mahomet ſei aus den Arianern, Macedoniern und Neſtoriten kommen, in welchen er auch zeitlich und von Anfang geſteckt hat. Und woher iſt der Pabſt ſo voll Ketzerei worden, und hat immer eine Ketzerei nach der andern in die Welt bracht, bis ſie nun zu Rom, ſonderlich in des Pabſtes Hofe eitel Epicurer und Spötter des chriſtlichen Glaubens ſind? Nämlich daher, daß ſie vom Glauben Chriſti auf die Werke gefallen ſind, das iſt, auf ihre eigene Gerechtigkeit. Was iſt ihm da nütze blieben von allen andern Artikeln? Was hilfts ihn, daß er mit dem Maul hoch rühmet den rech— ten Gott, den Vater, Sohn und heil. Geiſt, und trefflichen Schein vorwendet eines chriſtlichen Lebens? Gleichwohl iſt und bleibt er der größte Feind Chriſti und der rechteAntichriſt, hat ſich ſelbſt zum Haupt der Chriſtenheit gemacht, .. dadurch ſo viel Greuel der Meſſen, Möncherei, Unzucht, in die Welt geſchmiſſen iſt, bis ſo lange auch die Mönche durch ihr lauſigten Kap— pen den ſterbenden Chriſten gen Himmel hulfen. Alſo wirds die Schwärmer nichts helfen, daß ſie bei dem Sacrament ſehr groß Gewäſch treiben, von dem geiſtlichen Eſſen und Trinken des Leibs und Bluts Chriſti und von der Liebe und Einigkeit der Chriſten. Denn das ſind eitel Feigenblätter, da ſich Adam und Eva mit decken und ſchmücken wollten, daß Gott ihre Schande und Sünde nicht merken ſollte. Viel⸗ weniger wird ſie helfen ihre große Arbeit mit Lehren und Schreiben, mit ernſtem züchtigen 1) Was würde wohl hiernach Luther ſagen, wenn er wieder käme und ſähe, wie die ſich hier nach ſeinem Namen nennende „Generalſynode“ mit der ihr anvertrauten Beilage der reinen Lehre umgeht, wie ſie nicht nur Einen Artikel (den vom heil. Abendm ahl) wegwirft, ja verläſtert, ſondern nicht an Einem feſthält?. 63 Wandel; das iſt noch alles heidniſch Ding. Dazu auch dies verloren iſt, daß ſie Gott den Vater, Sohn und heil. Geiſt, und Chriſtum den Heiland glauben. Alles, ſage ich, iſts ver— loren, mit allen Artikeln, wie recht und unſträf— lich ſie dieſelben mit dem falſchen Läſtermaul nennen oder geben, darum, daß ſie dieſen eini⸗ gen Artikel leugnen und Lügen ſtrafen, da im Sacrament Chriſtus ſpricht: „Nehmet (das Brod) und eſſet, das iſt mein Leib, der für euch gegeben wird“ꝛe. Denn was ſie vom geiſtli⸗ chen Eſſen und von der Liebe plaudern, iſt alles dahin gericht, daß ſie ſolchen Schaden und Gift zudecken und ſchmücken wollen, daß man denſelben nicht achten, noch ſehen, ſondern ſie als die ſonderlichen und beſten Chriſten achten ſolle. Das heißt auf deutſch, ein Teufelsge— ſpenſt vor die Augen ſtellen, und den finſteren Teufel (wie St. Paulus lehret 2 Cor. 11, 14.) mit dem hellen Kleid der lichten Engel ſchmücken. Darum iſt ihr groß Rühmen und viel Arbeit, weil ſie in dieſem einigen Artikel nicht wollen Chriſten ſein, verloren. Davon redet der HErr Lucä 11, 35: „Siehe zu, daß das Licht in dir nicht Finſterniß ſei. So nun dein Körper ganz licht iſt und kein Stück Finſterniß hat, ſo wird er ganz licht ſein.“ Da ſieheſt du, daß der HErr will, es ſolle alles licht in uns ſein und kein Stück der Finſterniß darunter ſein. Wie auch Matth. 6, 23.: „So das Licht, das in dir iſt, finſter iſt, wie groß wird das Finſterniß ſelbſt ſein?“ und Paulus Gal. 5, 3.: „Ich bezeuge einem jeden Menſchen, wer ſich beſchneiden läßt, (welches Ein Stück⸗ lein war.) der iſt von Chriſto und von der Gnade gefallen und iſt ſchuldig des ganzen Ge— ſetzes zu halten.“ Daher kommen iſt der Spruch Jacobi 2, 10.: „Wer das ganze Geſetz hält und ſündigt in Einem Stück, der iſt in allen Stücken ſchuldig; denn der geboten hat: Du ſollſt nicht ehebrechen, der hat auch geboten: Du ſollſt nicht tödten“ꝛc. Es iſt Ein, Gott, der alles geboten hat; wer den in Einem erzürnet, mit dem zürnen wiederum alle Creaturen und alle Gebote Gottes, auch ſeine eigenen guten Werke, die er nach den andern Geboten ver— meint gethan zu haben, denn ſie ſind nicht im rechten Gehorſam Gottes, noch im Glauben Chriſti gethan ꝛc. Möchteſt du ſagen: Ach lieber Luther, es iſt zu hoffen, oder je nicht zu beſorgen, daß Gott ſo ſehr heftig und grauſam geſtrenge ſein ſollte, daß er die Menſchen um Eines Artikels willen verdammen wolle, wenn ſie ſonſt andere alle Artikel treulich halten und glauben! Denn alſo tröſten ſich nicht allein die Ketzer, ſondern auch andere Sünder, wie Sirach 7, 9. ſchreibt, als werde Gott ihre anderen guten Werke anſehen und gnädig ſein; wie auch der König Saul ſeinen Ungehorſam mit ſeiner Andacht und Opfer ſchmücken wollte, 1 Sam 15, 15. Ge— hen alſo dahin fein ſicher und gewiß, als hätte es keine Noth mit ihnen; die viel große Werk und Arbeit, ſo ſie ſonſt thun, werden ein eini⸗ ges Stück überwägen. Dagegen iſt zu ſagen, daß Gott viel weniger hoffen noch ſich verſehen kann, daß ſeine arme, elende, blinde Creatur ſo toll und ſtolz ſein ſollte wider ihren Schöp⸗ fer und HErrn, daß ſie ſein göttlich Wort leug⸗ nen, lügen ſtrafen und läſtern würde; ſondern alſo iſt ihm zu hoffen, daß ſeine demüthige, unterthänige, gehorſame Creatur nicht ein eini⸗ ges Wort leugnen und läſtern, ſondern alle und ein jegliches inſonderheit herzlich annehmen, und mit allen Freuden danken werde, daß ſie werth iſt, ein einiges Wort zu hören von ihrem lieben Gott; ja ſo ſtehts Gott an, zu gedenken. Nun aber thun die Ketzer nichts anders mit Gottes Wort, denn als wäre es Menſchenwort oder eines Narren Wort, welches ſie verachten, ſpotten und läſtern möchten, und alles beſſer machen könnten nach ihrem eigen ſchöͤnen Dün— kel. Wollen ſich dazu nicht weiſen laſſen. Da iſt alles verloren. Und werden hie die großen viel gute Werke und Arbeit das einige böſe Stück nicht überwiegen. Denn da iſt weder viel noch wenig, weder kleine noch große gute Werke, ſondern eitel nichtige, böſe, verdammte Werke; denn der Unglaube oder Gottesläſte⸗ rung macht auch die guten (wie ſie es nennen) Werke zu nicht und verdammt. Ja, ärger ſind ſolche gute Werke, weder ſonſt die ſchlechten Sünden ſind, weil ſie gehen und geſchehen in Gottes Namens und Worts Läſterung und halsſtarriger Verleugnung, daß gar viel beſſer und zu wünſchen wäre, ſie thäten dafür Sünde und böſe Werke, ſo erkennten ſie doch und wüßten, was ſie thäten. Nun gehts ihnen nach dem Spruch Salomonis Pred. 5, 1: „Bewahre deinen Fuß, wenn du zum Hauſe Gottes ge— heſt, und komm herzu, daß du höreſt; das iſt beſſer, denn der Narren Opfer, die nichts wiſ⸗ ſen, wie böſe ihre Werke ſind.“ Opfer iſt ja ein gut Werk, noch heißts böſe, wenns die Narren, die nicht hören wollen, (das iſt, die Gottloſen oder Ketzer) thun. Aber viel ſchär— fer wird ſie dermaleins richten und ſchneiden der Spruch Pſalm 50, 16.: „Gott ſpricht zum Gottloſen: Warum nimmſt du mein Wort in deinen Mund?“ Davon genug; wer nicht hö⸗ ren will, der fahre hin. (L. W. Hall. A. XX., 2214. ff.) Den in dieſer und in der vorigen Nummer mitgetheilten „merkwürdigen Brief der Frau von Reibnitz“ haben wir in Pamphlet⸗ Format abziehen laſſen. Derſelbe dürfte ſich zu einem Geſchenke für Katechumenen beſon⸗ ders gut eignen. Er iſt zu haben bei dem Her⸗ ausgeber, geheftet im Umſchlag das Stück zu 5 Cents, das Dutzend zu einem halben Dollar. Muſterhaftes Verhalten einer Chri⸗ ſtin gegen ihren feindſeligen Mann. Eine Ehefrau, die in dem Glauben an den Sohn Gottes als wahre Chriſtin lebte, hatte einen Mann, welcher ein Feind des Chriſten- thums und ein Knecht der Sünde war. Einſt, da er in Geſellſchaft ſeiner Sündengenoſſen bei einem Trinkgelage war, wo unter anderem die Rede auf die Weiber fiel, lobte er ſeine Frau als ein muſterhaftes Weib, nur daß ſie ö ſo gar viel bete und in der Bibel leſe. „Aber,“ ſetzte er hinzu, „bei allem dem iſt ſie ganz Herr über ſich, und wenn ich mit euch käme zu Mit⸗