# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1857_S219 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 219 nach Jena, gleich als hätte es an seiner rationalistischen theologischen Facultät noch nicht genug, noch ein Professor der Philosophie berufen worden, welcher dem erklärtesten Pantheismus und Atheismus huldigt und das Kreuz nicht höher achtet, als den Halbmond, Dr. Kuno Fischer, Verfasser der Geschichte der neueren Philosophie (vgl. Th. 1, S. 215. Th. 2, S. 421. 22.). Freuen wir uns, daß dieser die Weisheit von oben hassende, mit glatter Rede ausgerüstete Weltweise in Jena den Katheder bestiegen hat, wo nicht viel mehr zu zerstören sein mag, und nicht in Berlin.. Die auswärtigen Theologie Studirenden meiden Jena mehr und mehr (sie haben sich bis auf etwa 30 von dort verzogen) und nur der Zwang kann die Hörsäle der dortigen, wie ebenso auch der Gießener Theologen, vor völliger Verödung schützen. Es ist das u. A. ein Beweis dafür, daß unter den Studirenden der Theologie jetzt mehr gesunde Vernunft ist, wie früher. Denn die allein muß schon lehren, daß ein künftiger Diener der Kirche widersinnig handelt, wenn er Stätten des Rationalismus aufsucht und sich geflissentlich verführen läßt von dem Glauben, den er predigen will. „Unirte“ Gerechtigkeit. Herr Professor Schenkel schreibt in seiner Schrift „Für Bunsen wider Stahl“, in welcher er es sich zum Zweck setzt, für Religionsfreiheit einzustehen, u. A. Folgendes: „So viel ist sicher, daß auch auf dem Standpuncte der unbedingten Gewissensfreiheit nur solche Religionsgenossenschaften Anspruch auf Anerkennung machen können, welche nicht gegen die Gesetze des Staates vorgehen und deren Diener zuwarten, bis ihre Angelegenheiten staatsgesetzlich geordnet sind.“ (Seite 44.) Das ist die Theorie „unirter“ Freiheitsherolde, mit der sie die fatale „Concordienformel⸗Secte“ von ihren liberalen Tischen mit Hundepeitschen abzuweisen verstehen und doch den Ruhm der Weitherzigkeit glänzend retten. Gewiß ein Kunststück, dessen selbst der verschmitteste Jesuit sich nicht zu schämen hätte. Ströbel setzt hinzu: „Herr Professor Schenkel muß seine Mitmenschen wirklich für mehr als erzdumm halten, daß er überhaupt nur versucht, ihnen die juristisch motivirte Formel der religiösen Verfolgungssucht als den „„Standpunct der unbedingten Gewissensfreiheit““ zu verkaufen. Daß diese Toleranz ihre Abkunft auf die Herodese, Diocletiane, Innocenze u. a. altberühmte Ahnen zurückführt, die „„auf dem Standpunct der unbedingten Gewissensfreiheit““ stehend, von den damaligen „„lutherischen““ Sectirern auch nichts weiter verlangten, als „„zuzuwarten““, bis ihre religio illicita das polizeiliche Placet erhalten hätte, und die nur darum gegen einen Stephanus, Jacobus, Ignatius, Huß und ähnliche Ruhestörer einzuschreiten genöthigt wurden, weil diese das Evangelium von Christo verkündigten, ehe noch „„ihre Angelegenheiten staatsgesetzlich geordnet““ waren, und sich noch obendrein zum Theil gegen alle gütliche Mittel und Wege, namentlich gegen die höchst liberal angebotenen Opfer⸗ und Weihrauchscheine, Interimsreligionen und dergleichen halsstarrig auf ihr angebliches nur lutheranisch sein wollendes Gewissen beriefen, mit welcher Berufung sie offenbar „„gegen die Gesetze des Staats vorgingen““ und jeden „„Anspruch auf Anerkennung““ verwirkten.“ — Aehnlich wie Schenkel schreibt Herr Bunsen in seinen „Zeichen der Zeit“: „Duldung für alles, auch für die Unduldsamen, aber nicht für die grundsätzliche Unduldsamkeit der Ausschließlichen.“ (II, 249.) Dazu macht Ströbel die richtige Bemerkung: „Unglücklicher Weise fliegt aber die „„Unduldsamkeit““ nicht wie die Heuschrecken in der Luft herum, sondern steckt in den „„Unduldsamen““ und ist von ihnen unzertrennlich; darum fragt sich immer wieder: soll sie mit den Unduldsamen geduldet, oder sollen diese mit ihr verfolgt werden? — Die ganze Bunsen'sche mit sammt der ganzen Schenkel'schen Toleranz, Gewissens⸗ und Religionsfreiheit trägt eine fliegende Mücke auf dem Schwanze davon, — nein, sie trägt sie nicht fort, weil überhaupt in diesem Puncte bei den Herren gar nichts fortgetragen werden kann.“ Lauenburg. Wie wir aus der Evangelischen Kirchenzeitung sehen, richtet der Feind gegen die Kirche dieses Ländchens nun endlich auch seine ernster gemeinten Angriffe. „Die lauenburgische Kirche, lesen wir dort der Wahrheit gemäß, hat durch Gottes Gnade Güter, welche sie sich nicht wird nehmen oder verkümmern lassen. Sie hat eine Kirchenordnung,