# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1857_S217 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 217 das Bewußtsein der Gemeine“ zur einzigen „Norm“ und „Glaubensregel“ diene; — daß aber (und hier möge sich ja niemand lichtfreundlichen *) Täuschungen hingeben!) unter dem „Geiste und Bewußtsein der Gemeine“ durchaus nicht etwa die subjective Meinung der Einzelnen, oder die religiöse Ansicht der Localgemeinden, sondern lediglich die Ueberzeugung der „großen christlichen Gemeinde, des Staats“, d. h. des politischen Kirchenregiments, zu denken ist; daß somit das „Pfaffenthum“ nicht etwa aufhört, sondern nur von der „Hierarchie“ auf die Büreaukratie übergeht; daß das jedesmalige Kirchenregiment, je nach der Verschiedenheit der Zeitumstände, die Religion dictirt, und daß diese Dictate die bereits erwähnte dritte Auflage der Japhetsbibel bilden werden. Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. Amerika. Methodistischer bedenklicher Rückfall. Wir haben seit einiger Zeit mit Vergnügen mehrere öffentliche Aeußerungen mitgetheilt, welche zu bekunden scheinen, daß die Methodisten anfangen, zur Selbsterkenntniß d. i. zur Erkenntniß ihrer großen, sie vor anderen Gemeinschaften auszeichnenden Gebrechen zu kommen. In der Nummer des „Apologeten“ vom 7. Mai finden wir, daß die Genesung keinen stetigen Fortgang hat, daß vielmehr bedenkliche Rückfälle eintreten. Darin findet sich die Fortsetzung eines Artikels mit der Ueberschrift: „Die Methodistenkirche — die Kirche der Zukunft.“ Zwar sind nun unsere Erwartungen für die „Kirche der Zukunft“ nach den Weissagungen der Schrift keinesweges sehr tröstlich, allein, wie die Methodisten nebst allen Unionisten und Chiliasten die „Kirche der Zukunft“ sich träumen lassen, setzt es doch einen ziemlichen Partikel Hochmuth voraus, wenn die Methodistengesellschaft sich für Eine Taube und für die schönste Braut Christi hält, der alles endlich sich zu Füßen legen werde. Der Apologet meint, die größten Gelehrten und frömmsten Forscher seien bei ihren Forschungen endlich auf methodistische Grundsätze gekommen, z. B. Julius Müller, der schlagend nachgewiesen habe, daß Römer 7. gar nicht von den Wiedergeborenen handle. Es scheint, der Schreiber weiß nicht, daß dahin nicht nur fast alle Pietisten, sondern auch alle Arminianer und vollen Rationalisten gekommen sind. Drollig nimmt sich dabei auch die Erklärung aus: „Es ist wohl das größte Glück, das Deutschland widerfahren konnte, daß der Methodismus es zu seinem Augenmerk machte und Missionen dort anlegte.“ Wahrscheinlich haben also die methodistischen Missionäre den „größten Gelehrten“ auch jene großen exegetischen und dogmatischen Erfindungen heimlich verrathen und denselben gutmüthig die Erlaubniß gegeben, dieselben für Resultate eigener Forschungen auszugeben. Merkwürdiger Weise finden wir, daß die Albrechtsleute in derselben Weise Deutschland selig preisen, daß sie diesem mit Finsterniß bedeckten Lande einige ihrer großen Kirchenlichter abgegeben haben. Die Generalsynode war am 14. Mai und folgende Tage in Reading, Pa., ver⸗ *) Schrecken wie Jubel über diese gemeindegeistliche regula fidei sind gleich voreilig. Man bedenke, daß es sich 1) um das Gemeindebewußtsein innerhalb einer Staatskirche, und 2) darum handelt, wer in vorkommenden Fällen als kirchenrechtlicher Repräsentant und Dolmetscher dieses staatskirchlichen Gemeindegeistes anzusehen sei. Wer ist wohl der legitimirte Träger des Bunsen'schen Staatskirchengeistes? Hinz und Kunz? Der beschränkte Unterthanenverstand? Gewiß nicht! Die Synode? Aber die Synode einer Staatskirche ist factisch stets nur das Echo der über ihr stehenden Staatsgewalt.