# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1857_S210 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 210 Ueber Bunsens Idee von Gewissens⸗, Religions⸗ und Kirchenfreiheit. der Gottesthaten voll, wo, von der Union entflammt, hochwallend jeder Busen schwoll, wo man der Reformation, der heil'gen Schrift nicht mehr gedacht und gern der Glaubenseinigkeit Christum zum Opfer dargebracht; u. s. w. u. s. w Der neue Kreuzzug ist glücklicherweise nur ein papierner; sonst aber geht dabei alles so zu, wie bei den alten. Wie man damals die Verfolgungswuth erst an den Juden einübte, um sie dann desto kräftiger an den Sarazenen ausüben zu können, so wird hier auch erst der Religionshaß gegen die Papisten angestachelt (I. 1—318.), damit er nachher mit aller Wucht auf die unglücklichen Lutheraner fallen könne. Dieser letztere, also der Haupttheil der ganzen Expedition, ist das Geschäft des zweiten Bandes. Wir schlagen dessen drei erste Blätter um, siehe da, gleich hinter Titel und Dedication — wie Juda's Wolkensäule zieht das Kreuz den Streitern hochvoran! — natürlich nicht das Kreuz vom Berge Golgatha, an dem einfachen J. N. R. J. kenntlich, sondern, wie uns die prunkende Ueber⸗, Auf⸗ und Unterschrift belehrt, das Kreuz vom „Standpuncte der unbedingten Gewissens⸗Freiheit“, das Symbol des „ewigen Friedens“ auf der Achselklappe aller geharnischten Helden jener classischen Toleranz, die sich unter sorgfältig verborgenem Zähnknirschen in den Bart murmelt: O daß doch alle Lutheraner nur Einen Hals hätten! „In hoc signo non vinces.“ Als Werbegeld für die alten Kreuzzüge theilte man mit vollen Händen Ablaß aus, der dem Geber nichts kostete und dem Empfänger nichts half; die Lust zum jetzigen Kreuzzuge wird durch zeitgemäße Ablässe, durch Freiheitsversprechungen, geweckt, die ganz den Werth jener alten haben. Die eine, die „Gewissensfreiheit“, kennen wir nun schon zu mehr als übersättigender Genüge; die anderen von politischer Natur mögen wir nicht untersuchen; sie werden wohl auch nur Sodomsäpfel und taube Nüsse sein, mit Flittergold überklebt. „Wer da jetzt Freiheit verkündigt“, sagt Stahl, S. 38, „der sehe wohl zu, daß er sie in der Gebundenheit verkünde, sonst verfällt er dem Dienst der Mächte des Abgrundes. Wie so ganz für unsere Zeit geschrieben sind die Worte des Apostels: denn sie reden stolze Worte, da nichts hinter ist, und verheißen Freiheit, so sie selbst Knechte des Verderbens sind.“ — Es bliebe also nur noch die letzte Kreuzzüglerfreiheit übrig: „das Recht der christlichen Gemeinde“; — diesen dritten Ablaßbrief wollen wir einmal genauer ansehen. Das eben Entwickelte hielten wir nun auch beim Lesen der Zeitzeichen fest im Auge, überall genau nachforschend, wohinaus des Verfassers Meinung zuletzt laufe. Sollen wir kurz den unter vielen Verhüllungen liegenden Kern seiner Ansicht von dem Gemeinderechte darlegen, so ließe sich alles, was er von Rechten für die christliche Gemeine in Anspruch nimmt, am knappsten so zusammenfassen: Sie wird gelenkt vom Staate am Drahte. Deutlich genug spielte schon oben Stahl auf Bunsen's Territorialismus an; die „Zeichen der Zeit“ predigen in Wahrheit nichts anderes, als das traurige Cujus regio, ejus religio. Zwar gegen Stahl's „christlichen Staat“ treten sie mit aller Entschiedenheit auf; aber nur weil er ihrem „christlichen Staate“