# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 01 26_S62 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) iſt u. ſ. w.““ Als daher die Katechumenen (die ſich zur Taufe gemeldet hatten) ſich dem gekreu⸗ zigten Chriſtus übergaben, wurde ihre Stirn und Bruſt zum Zeichen des Glaubens und Be⸗ kenntniſſes Chriſti mit dem Creuze bezeichnet. Von der Taufe der Katechumenen ging das Zeichen des Creuzes, wie die meiſten anderen Ceremonien, auf die Kindertaufe über.“ (Loc. theol. Bapt. § 261.) „Kann,“ ſchreibt Ger— hard an einer andern Stelle, „die Bildung des Creuzeszeichens über dem Brod und dem Kelche (im heil. Abendmahl) gemißbilligt werden? Antwort: Es iſt dies eine freie Ceremonie, wenn ſie als ein Zeichen der Segnung und Weihung gebraucht, ihr aber durchaus keine geiſtliche Kraft zugeſchrieben wird, ... man erneuert damit das Andenken an das Creuz Chriſti, das iſt, an das Leiden Chriſti am Creuze, welches die Quelle alles Segens iſt, ſo wie die Auflegung der Hände bei der Abſolution und kirchlichen Ordination als ein äußerliches Zeichen gebraucht wird. Chryſoſtomus (Hom. 55. in Matth.*) und Auguſtinus (Tract 118. in Joh.) erwähnen, daß das Zeichen des Creu⸗ zes bei der Feier des heil. Abendmahls einſt gebraucht wurde.“ (Loc. th. S. Coena. § 156.) — Dies wird hoffentlich genug ſein, einen jeden Unparteiiſchen zu überzeugen, daß die Bezeich⸗ nung mit dem heil. Creuz nichts weniger als etwas Papiſtiſches iſt. (Fortſetzung folgt.) Wer Einen Glaubensartikel verwirft, der verwirft ſie alle und macht alles, was er ſonſt Gutes thut, verwerflich. (Aus Luthers letztem kurzen Bekenntniß vom heil. Abend⸗ mahl, vom Jahre 1544.) O lieber Menſch! wer nicht will glauben den Artikel im Abendmahl, wie will er doch immer mehr glauben den Artikel von der Gottheit und Menſchheit Chriſti in Einer Perſon? Und fich⸗ tet dich an, daß du den Leib Chriſti mündlich empfäheſt, wenn du das Brod vom Altar iſſeſt, item das Blut Chriſti empfäheſt mündlich, wenn du den Wein trinkeſt im Abendmahl, ſo muß dich gewißlich viel mehr anfechten, (ſonderlich wenn das Stündlein kommt,) wie die unend⸗ liche und unbegreifliche Gottheit ſo allenthalben weſentlich iſt und ſein muß, und leiblich be⸗ ſchloſſen und begriffen werde in der Menſchheit und in der Jungfrauen Leibe, wie St. Paulus ſagt Col. 1, 19.: „In ihm wohnet die ganze Fülle der Gottheit leiblich.“ Und wie iſts möglich, daß du ſollteſt glauben, wie allein der Sohn ſei Menſch worden, nicht der Vater, noch heilige Geiſt, ſo doch die drei ·*) Die Worte lauten in Chryſoſtomus alſo: „Alles, was zu unſerm Heile beiträgt, wird vermittelſt deſſelben (des Creu- zes) vollbracht; 90 wenn wir (in der Taufe) wiedergeboren werden, ſo iſt das Creuz des HErrn da; wenn wir mit der allerheiligſten Speiſe genährt werden (im heil. Abendmahle), wenn wir zum Predigtamte verordnet werden: überall und immer iſt uns dieſes Siegeszeichen zur Seite. Damit man aber nicht meine, Chryſoſtomus ſchreibe dem äußerlichen Zei⸗ chen an ſich eine Kraft zu im papiſtiſchen Aberglauben, ſo ſetzt er hinzu: „Etwas Köſtliches hat der Apoſtel das Creuz ge⸗ nannt, welches man nicht bloß mit den Fingern über den Leib/ ſondern freillch mit großem Glauben über das Gemüth ma⸗ chen muß.“ 62 Perſonen nichts anders ſind, denn der einige Gott im allereinigſten Weſen und Natur der einigen Gottheit. Wie kann ſichs reimen? Wie iſts möglich, daß die einige ganze vollkommene Gottheit des Sohnes ſich alſo ſollte trennen oder theilen, daß ſie zugleich iſt vereinigt mit der Menſchheit und dieſelbige einige Gottheit des Vaters und heil. Geiſtes nicht vereinigt iſt in der Menſchheit? Und iſt zugleich einerlei Gottheit in Chriſto mit der Menſchheit Eine Perſon, und nicht der Vater oder heil. Geiſt. O wie ſollen ſie allererſt recht ſchwärmen, tau- meln und poltern, wenn ſie hieher kommen! Da ſollen ſie zu deuten finden; wie ich höre, daß ſie bereitan getroſt und weidlich hinan gehen mit Eutycherei und Neſtorei*). Denn das dachte ich wohl, hab's auch geſagt, ſie müßten hieher kommen; der Teufel kann nicht feiern; wo er eine Ketzerei ſtiftet, da muß er mehr ſtiften, und bleibt kein Irrthum al⸗ lein. Wenn der Ring an einem Orte ent— zwei iſt, ſo iſt er nicht mehr ein Ring, hält nicht mehr, und bricht immer fort. Und wenn ſie gleich viel rühmen, daß ſie die— ſen Artikel von Chriſti Perſon glauben, und viel davon plaudern, ſo ſollſt du es nicht glau— ben, ſie lügen gewißlich alles, was ſie hiervon ſagen; mit dem Munde ſagen ſie es wohl (wie die Teufel im Evangelio auch den HErrn nen— nen Gottes Sohn, Mare. 5, 7.), aber das Herz iſt weit davon (Matth. 15, 8.); das iſt gewiß. Gleichwie die Juden ſchwuren bei dem leben— digen Gott, aber ſchwuren doch fälſchlich, ſpricht der Prophet. Der Türke rühmt auch den Na⸗ men Gottes, aber im Sterben finden ſie, wer ihr Gott ſei. Denn gewiß iſt's, wer Einen Artikel nicht recht glaubt oder nicht will (nachdem er vermahnet und unterrichtet iſt) der glaubt gewiß keinen im Enn ſt und rechtem Glauben. Und wer ſo kühn iſt, daß er darf Gott leugenen oder lügen ſtrafen in einem Wort, und thut ſolches muthwillig wider und über das, ſo er eins oder zweimal vermahnet oder unterweiſet iſt, der darf auch (thut's auch ge⸗ wißlich) Gott in allen ſeinen Worten leugnen und lügen ſtrafen. Darum heißt's, rund und rein, ganz und alles geglaubt. Der heil. Geiſt läßt ſich nicht trennen noch theilen. Ohne wo Schwache ſind, die bereit ſind, ſich unterrichten zu laſſen und nicht halſtarriglich zu widerſprechen. Sonſt, wo das ſollte gelten, daß einem jeden ohne Schaden ſein müßte, ſo er einen Artikel möchte leugnen, weil er die andern alle für recht hielte *) Unter Neſtorei iſt zu verſtehen die Ketzerei des Neſtorius, eines Patriarchen von Conſtantinopel, welcher lehrte, daß die Gottheit und Menſchheit in Chriſto nicht in einer Perſon vereinigt ſei, und der daher leugnete, daß die Maria eine Mutter Gottes ſei. Dieſe Ketzerei wurde auf der dritten all⸗ gemeinen Kirchenverſammlung zu Epheſus im Jahr 431öf⸗ fentlich verdammt. Die Reformirten aber haben dieſe Ketze⸗ rei wieder angenommen, indem ſie auch wie Neſtorius die Gottheit und Menſchheit Chriſti trennen. — Unter Eutycherei iſt zu verſtehen die Ketzerei des Eutyches von Conſtantinopel, daß in Chriſto die Gottheit und Menſchbeit zu Einer Natur zuſammengeſchmolzen ſei. Während Neſtorius die Naturen trennte, ſo vermiſchte ſie Eutyches, und andere Schwärmer ſind wieder in die eutychianiſche Ketzerei gefallen, die aber be reits auf der vierten allgemeinen Kirchenverſammlung zu Chalcedon im Jahre 451 verdammt worden iſt. D. H. (wiewohl im Grund ſolches unmöglich iſt), ſo würde kein Ketzer nimmermehr verdammt, würde auch kein Ketzer ſein können auf Erden. Denn alle Ketzer ſind dieſer Art, daß ſie erſtlich an Einem Artikel anfahen, darnach müſſen ſie alle hernach und alleſammt verleugnet ſein; gleichwie der Ring, der eine Borſte oder Riß kriegt, taugt er ganz und gar nicht mehr, und wo die Glocke an einem Ort berſtet, klingt ſie auch nicht mehr, und iſt ganz untüchtig. Solches laß dich die Exempel lehren. Arius nahm dieſen einigen Artikel vor, daß Chriſtus nicht Gott, ſondern eine Creatur wäre; die andren Artikel alle, und ſonderlich, daß Gott der Vater ein einiger Gott wäre, Schöpfer Himmels und der Erden, daß Chriſtus für unſere Sünde geſtorben wäre, daß die Taufe, Sacra⸗ ment, Schlüſſel, Auferſtehung der Todten und ewiges Leben wäre, glaubte er wohl andächti⸗ ger (wie ſeine Worte lauten), denn die rechten Chriſten glauben: noch ſteht da die heil. Schrift und zeuget, er habe keinen Artikel geglaubt. Denn ſo ſpricht St. Johannes J, 2, 23.: „Wer den Sohn verleugnet, der hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennet, der hat auch den Vater“ꝛc. Hat nun Arius den Sohn und Vater nicht, ſo hat er auch keinen Gott, noch Schöpfer Himmels und der Erden, das iſt, es hilft ihn nicht, daß er mit ſeinem Maul Gott den Vater Schöpfer Himmels und der Erden nennet und hoch preiſet, obwohl kein an⸗ derer Gott iſt Schöpfer Himmels und der Er— den, denn der, ſo Arius nennet mit ſeinem Lü⸗ genmaul; noch iſt er ihm, dem Ario, nicht ein Gott, darum, daß er ſeinen einigen Sohn Chriſtum verleugnet und läſtert, daß er nicht Gott ſei.†) Alſo iſt ihm die Taufe keine Taufe mehr, Vergebung der Sünden keine Vergebung der Sünden mehr, Sacrament kein Sacrament mehr, das iſt, es nützt ihm nicht mehr, ob er wohl zuvor recht getauft iſt, rechte Vergebung, recht Sacrament empfangen hatte. Alſo hat er alle Artikel des Glaubens verloren, weil er den rechten Gott des Glaubens, Chriſtum, verleug— net, und iſt ihm kein Artikel nichts nütze, und er kann auch keinen Artikel mit rechtem Ernſt glauben, ſondern muß derſelben alleſammt brauchen zu ſeiner Verdammniß, wie das an⸗ dere Gebot ſagt: „Du ſollſt den Namen deines Gottes nicht mißbrauchen.“ 2 Moſ. 20, 7. Da höreſt du, daß auch der rechte heil. Name Gottes nichts hilft, ſondern ſchadet denen, die nicht recht glauben, ſondern des mißbrauchen, Daher auch die Väter disputirt haben, ob der Arianer Taufe auch rechte Taufe wäre. Alſo kommt immer ein Unglück aus dem andern. Macedonius, Biſchof zu Conſtantino⸗ pel, der Ketzer, glaubte auch alle Artikel, ohne 1) Auch in America (und unter andern auch in hieſiger Stadt) gibt es Prediger, die die Gottheit Chriſti leugnen, und die doch Zuhörer finden, welche ſie für chriſtliche Prediger hal⸗ ten. O Blinddeit! Wer Chriſtum nicht für den wahrhaffi⸗ gen Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren, hält, iſt nach der Schrift ein Atheiſt, mag ein ſolcher gottloſer Bauchpfaffe noch ſo viel vom „lieben Vater im Himmel“ ſalbadern, ſoiches Gewäſch im Prieſterrock iſt nur das Narrenſeil, an welchem ein ſolcher Beutelſchneider ſeine armen Zuhörer am Sonntag führt, damit er von ihnen Geld bekomme, ſeinem wahren Gott, dem Bierkrug, während der Werktage zu dienen. D *