# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1857_S209 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber Bunsens Idee von Gewissens⸗, Religions⸗ und Kirchenfreiheit. 209 in der „Vertrauensperiode“, seit 1848 aber herrscht das Mißtrauen gegen alle transfossanen Beglückseligungspläne. Ueberlisten und beschwatzen läßt sich jetzt so leicht niemand mehr; beim ersten Schritte zur Einführung jener „Bekenntniß⸗Union“ würde die Losung: Hier Christ, dort Mameluck! laut genug erklingen. Bunsen scheint auch auf eine gütliche Durchführung seiner Pläne schon von vornherein verzichtet zu haben; die „Zeichen der Zeit“ wissen nur von gewaltthätigen Mitteln. Sie beklagen die „bis ins Kleinste gehende Bevormundung des Volkes im Namen des Staates, welche durchaus keine selbstständige Sphäre neben sich anerkennt und insbesondere alle gemeindliche Selbstständigkeit ausschließt.“ „Ein solches Beamtenthum“, sagen sie, „ist nirgends unpassender und gefährlicher, als in kirchlichen Verhältnissen und in allen Beziehungen mit der Geistlichkeit. Sobald sich ein religiös⸗kirchlicher Sinn regt, zieht die Regierung den Kürzern. Was einst eine schützende Bevormundung schien oder auch wirklich war, wird jetzt als drückende Fiscalität empfunden. Das Beamtenthum der Fürsten sollte im despotischen Staate die Gemeinde ersetzen und ihre Rechte „im Namen des Staates“ ausüben; das war die Auskunft des vorigen Jahrhunderts: gut, wenn nothwendig, als Dictatur, verderblich, mit wirklichem Unrecht belastet und also mit dem Keime des Todes, wenn als bleibendes Recht gedacht und behandelt. Und nun — in unserer Zeit! bei der gegenwärtigen Lage der Dinge in Europa!“ (I. 158 ff.) Sie klagen darüber, weil dies System, sobald es sich um Religionsangelegenheiten handelt, „die Staatsgewalt mehr schwächt als stärkt.“ Um der Staatsgewalt die erforderliche Stärke zu durchgreifenden religiösen Maßregeln zu geben, verlangen die „Zeichen der Zeit“ eine organisirte Gemeinde, der das Odium etwaiger Glaubensverfolgungen aufgebürdet werden könnte. Nur mit Hilfe einer solchen Gemeinde getraut Bunsen sich die Gegner der Union zu überwältigen, namentlich die so bitter gehaßten Lutheraner, von denen er, wohl nicht ohne Grund, einen Strich durch seine ganze Rechnung befürchten mag und die er darum auch gewiß nicht eben säuberlich, oder ganz nach den Grundsätzen der Luther⸗Barklay'schen Toleranz zu behandeln gemeint ist. Die gewaltthätige Durchführung seiner Unionspläne, vor allem durch Ausrottung der Lutheraner, ist die Summa der „Zeichen der Zeit“, wie wir schon oben aus Stahl's Munde gehört haben; — wer dem nicht glaubt, nun, der belausche nur selbst die hinter den Bunsen'schen Zeilen versteckten Geister, — er wird sie überall und in allen Tonweisen singen hören: Ha! Schimpf und Schande, Deutschland, dir und deiner nervenschwachen Ruh! In Trümmer sinkt die Union, und müssig gähnend schaust du zu. Des Doppelglaubens heil'ger Geist, er ward der Lutheraner Spott; doch du verräthst aus Toleranz, ein weicher Judas, deinen Gott. Mein Lied heißt: Fluch und Untergang der Wittenberger Nachtigall! Vor allen Thronen singe ich's, bis daß es finde Wiederhall; durch Deutschlands Gauen soll es ziehn, durch seine Völker, früh und spat, und werben für den heil'gen Kampf, wie einst der Mönch von Amiens that. Aufwecken soll es aus dem Grab die Zeit 14