# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1857_S208 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 208 Ueber Bunsens Idee von Gewissens⸗, Religions⸗ und Kirchenfreiheit. bewegt, welche nach der Einigkeit mit der unzweifelhaften lutherischen Kirche im Lande verlangt. Dies Verlangen vor allem war es, welches uns in großer Anfechtung und vielem Zagen dennoch zu unserer Seele sagen hieß: „Nur frisch hinein, es wird so tief nicht sein!“ Mit diesem Verlangen trösteten wir uns dessen, der darum sterben sollte, „daß Er die Kinder Gottes, die zerstreut waren, zusammenbrächte“ und dankbar für das, was seine Gnade an uns bis auf diese Stunde gethan hat, rufen wir Ihn heute um Hilfe an, daß Er den Geist desselbigen Verlangens nach der Wiedervereinigung mit der lutherischen Kirche in vieler Herzen sende. Wie wollten wir Ihn preisen, wenn wir den Tag noch sehen sollten, da wir an Einem Altar knieten mit denen, welche jetzt noch kirchlich geschieden von uns, doch ihre Kniee beugen in dem Namen ihres und unseres Heilandes JEsus Christus! Nun Er, der überschwänglich thun kann über alles, was wir bitten oder verstehen nach der Kraft, die da in uns wirket, wolle selber diese Sache, als Seines Reiches Sache, herrlich hinausführen zu Seines großen Namens Ehre und Seines Volkes Freude! Amen. Ueber Bunsens Idee von Gewissens⸗, Religions⸗ und Kirchenfreiheit. In einer Recension der Schrift Bunsens: „Die Zeichen der Zeit“; Stahl's: „Wider Bunsen“; Schenkel's: „Für Bunsen wider Stahl“, schreibt der Licentiat K. Ströbel in der Rudelbach⸗Guericke'schen Zeitschrift (2. Heft des laufenden Jahrgangs) u. A. Folgendes: Ueberall erhebt sich die „Confession“ mit frischer, ganz unerwarteter Kraft; ihre eigenen Kinder verleugnen die unirte Mutter und suchen sie zu sprengen; soll sie erhalten werden, so muß ein kühner Schritt geschehen. Dieser birgt sich zwar noch nothdürftig unter der Hülle der von Stahl ebenso entschieden bekämpften, als von Bunsen geforderten „Bekenntniß⸗Union“, und beiden Streitern scheint vor der Enthüllung zu grauen; es ist aber durch den Character unserer Zeit vollständig dafür gesorgt, daß die Hülle fallen muß, und dann wird die Bunsen'sche „Bekenntniß⸗Union“ als das erkannt und aufgenommen werden, was sie ist: eine scharf ausgeprägte Apostasie, ein Abfall vom Christenthum zur „Mamelucken“⸗Religion (wie sich unsere Väter unübertrefflich significant auszudrücken pflegten) und ihrem Alcoran, der Japhets⸗Bibel. Ob wohl Bunsen diese Religionsveränderung auf gütlichem und friedlichem Wege bewirken zu können hofft? Schwerlich! Er hat sich schon bei den bisherigen Unionshändeln überzeugen müssen, wie stark noch die Lebenskraft der lutherischen Confession ist; eine religiöse Veränderung, wie die in Rede stehende „Bekenntniß⸗Union“, die dem Uebergange zum Islam überall nichts an Größe nachgiebt, hat nicht die entfernteste Aussicht auf heimliche Einschmuggelung oder gütliche Annahme. So etwas war nur möglich