# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1857_S196 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 196 Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. der Creatur zukommenden Wollens und der Heiligkeit ihres Schöpfers, der auch keineswegs das Böse als Böses wirkt, weil bei Ihm Vorherwissen nicht trügen und Allwirken nicht feiern könnte. Wann Er hingegen der Einen Ende im Unglauben voraussehend, um ihr Gericht nicht schwerer zu machen, dacht, selig machen? Gleichwie leere Worte keine wirklich dargereichte Hülfe sind: so ist der vorgegebene Glaube nicht der wahre ächte, sondern unterscheidet sich von diesem, wie der todte Schall von der lebendigen Hand. (V. 15—17.) Der besser Unterrichtete wird zur Vertheidigung des rechten Begriffs vielmehr sagen: Gut, du hast Glauben, und ich habe Werke; zeige mir, wenn du kannst, deinen Glauben ohne deine Werke — (die richtige Lesart, nicht nach dem textus receptus: aus oder mit deinen Werken —) was freilich ebenso unmöglich sein wird, wie einen beseelten Leib zeigen wollen, wenn die Seele von ihm geschieden ist —, und ich will dir aus meiner Werkthätigkeit meinen lebenden Glauben zeigen; du glaubst, daß der Gott, welcher Vater, Sohn und Geist ist, Einer sei — das fühlen, verstehen und erinnern sich die Teufel selbst, die aber auch wegen der fürchterlichen Erwartung ewiger Qualen dabei zittern; willst du aber wissen, o Mensch, der du bloß mit leeren Großsprechereien umgehst, daß der Glaube ohne die Werke ein todter Leib ist? merke nur auf das, ist Abraham unser Vater nicht aus dem, so etwas Thätiges ist, — (der Apostel nennt es „Werke“, d. i. er setzt metonymisch die Wirkung statt der Ursache, wie wir ja oft in der Sprache des gewöhnlichen Lebens thun, weil die bei den Glaubenswerken zum Grunde liegende innere göttliche Kraft kein Heuchler und fleischlich Sicherer versteht, und erwähnt, sich nach eines solchen Fähigkeit richtend, zu seiner Ueberzeugung dessen, was von ihm leichter begriffen wird — wie denn ich vom gefärbten Glauben nur also reden kann: bist du gläubig, so mußt du Gutes thun, und alles, was im Gesetz gebräuchlich ist, hierher gehört — und auch in seinem Begriffe zugleich etwas, wodurch es gewirkt wird, voraussetzt, obschon jener allein das Vermögen sich zu zwingen, nicht aber den eignen Trieb zu den guten Werken hat —) gerecht worden, da er seinen Sohn in vollem Ernst des Gehorsams bereits auf den Altar hinlegte? siehest du, daß der Glaube thätig war bei ihm und derselbe mitwirkte, da Abraham und seine Werke wirkten, weil die seinigen nicht aus einem ungläubigen, sondern nur gläubigen Gemüthe kommen konnten, und aus den Werken wurde es der wahre, vollkommene Glaube? (d. h. ohne dieselben ist er ein Wahn, ein Schein ohne Wesen, wie er denn auch durch die Erweisung stärker, durch die Arbeit das Leben gesteigert und erhöht wird —) und die Schrift ist erfüllet, welche sagt, es glaubte Abraham Gott, und Er (nämlich Gott, nach dem Hebr. 1 Mos. 15, 6.; daher die Juden übersetzen: er, Abraham, rechnete es ihm, Gott, zur Gerechtigkeit d. i. als Gnade an, er erkannte es dankbar dafür; die Römischen: er, Abraham, rechnete es sich zur Gerechtigkeit, dadurch er den Lohn der Verheißung verdiente; das griechische Verbum bei Jacobus, wie den LXX, stehet impersonaliter: es wurde ihm gerechnet ꝛc., vgl. Röm. 4, 3.) rechnete es ihm zur Gerechtigkeit, denn die Bereitwilligkeit zum Opfer war gleichsam lauter wirkender Glaube, wie bei Pinehas, von dessen That Ps. 106, 31. ein Gleiches sagt, aber nicht in Ansehung des Werks, sondern es war, als ob er nichts Anderes sähe oder hörte vor Glauben, vor Brunst der Liebe und des Eifers, die Ehre seines Gottes zu retten, denn durch den Glauben wird Gott, wie Luther spricht, ein objectum amabile, der Glaube ist gleichsam eitel Werk und Wirken, und das Werk eitel Glauben; und Abraham ist Gottes Freund genennet worden. Also aus etwas Thätigem, aus einer lebendigen Kraft wird ein Mensch gerechtfertigt, und nicht aus einer leeren Abstraction allein, (die Glaube heißt mit demselben Rechte, als ein Bildniß eine dadurch vorgestellte lebende Person,) was der Glaube ohne die Werke ist, obschon er nicht insofern rechtfertigt, als er thätig seiner Natur nach ist, sondern insofern er den Segen aller Völker glaubt, welcher dem Empfangenden eine Gerechtigkeit, die Gottes ist, von Ihm gegeben wird und vor Ihm gilt, erworben hat. (V. 18 fgg.) Mit Ehrerbietung und Einfalt, ohne Abneigung und Verdrehung der Worte ist die Lehre der ersten Zeugen Jesu Christi als von Ihm und Seinem Geiste hergekommen aufzunehmen; denn es ist eine und dieselbe Wahrheit, welche sie alle auf eine ihrem hohen Berufe gezie⸗