# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1857_S195 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. 195 nicht folgernder Fassung behauptete Dogma von einer unwiderstehlichen Gnade, welche mit innerlich siegreicher Nothwendigkeit den verderbten Willen des Menschen von seiner Sclaverei entbinde; obschon wir gar nicht leugnen, daß geschehen müsse, was Gott versehen hat, aber unbeschadet des nur wie Feuer schrecklich dem, wer seiner mißbraucht; daraus fließen die Geschäfte der himmlischen Heerschaaren, Friede und Freude. Wer die Wohlthätigkeit erfand, hat auch jene starken, süßen Bande und Fesseln der Liebe erfunden. Er that es für uns, was thun wir für Ihn? wer sind wir, daß Er uns würdiget und heißet, Ihn zu lieben, und weil es das ungeheuerste Elend ist, Ihn nicht zu lieben, mit schweren Strafen droht? Die Gütigkeit und Treue, die kein Maß noch Ende hat und alle Morgen neu ist, die Dahingabe des Herrn Jesu, die unermüdete Barmherzigkeit an so viel tausend widerspenstigen Seelen, sie sind es, welche die Gegenflamme fordern, die andrerseits Geschenk und Wirkung des heil. Geistes ist, geboren in die Welt durch die vollbrachte Liebesthat des Sohnes und die von Ihm ausgehende Gemeinschaft; und weil die erkannte und geglaubte Liebe Gottes gegen uns die Liebe gegen Gott in unsere Herzen ausgießt, so heißt nun das Gebot der Liebe im Evangelio unsers Herrn Jesu Christi neu, das einige Gebot des Neuen Testaments, von allen levitischen, die ihm nicht gleichkommen, ausgesondert, das in und durch Ihn also angenehm und lieblich wird, daß Seine Jünger auch das Leben für die Brüder lassen (Joh. 13, 34., 1 Eph. 4, 10. 19. 11., 3, 16.); denn die Freiheit der Liebe als Befreiung von Schuld und Zwang, die an die Stelle der im Gesetz gebotenen tritt, geht, weil im innersten Grund auf Gott gerichtet, auch in der Mittheilung an den Nächsten durch Selbstverleugnung über die eigne Liebe hinaus. Es reimen und schicken sich also fein zusammen Glaube, Liebe, gute Werke; und doch ist's jener allein, welcher Segen und Gerechtigkeit empfängt von dem Gott des Heils, umsonst und aus lauter Gnaden, ohne daß im Geringsten auf ihn gesehen würde, insofern er ein Werk ist oder Werke hat, was nichts erwerben kann, vielmehr weil es durch ihn allein möglich ist, umsonst zu empfangen; und welcher doch nimmer und zu keiner Zeit allein, ohne die Werke ist, Concordienform. S. 955 fg. lat. 692. Nicht sie machen die Person erst fromm und Gott gefällig, sondern diese muß zuvor es sein durch den Glauben, ehe die Werke Gott gefallen können, der nicht um solcher willen die Person, sondern um dieser willen die Werke ansieht, 1 Mos. 4, 3. fgg. Besonders klar hebt dies in dem Brief an die Römer Cap. 4 die Anführung der ersten Strophen aus dem 32. Psalm hervor, indem sie darthut, daß, wenn David die Art und Weise, wie dem Menschen die Seligkeit angedeihen könne, erzählet, er durchaus der Werke nicht erwähne, denn das Stillschweigen der Schrift gibt sehr oft einen starken Beweisgrund ab; und doch hinwiederum der Psalm ausdrücklich gleich hinzusetzt: „in des Geist kein Falsch ist.“ Kein Verdienst der Werke ist darin enthalten; denn gesetzt auch, daß ein Dieb sein Verbrechen eingesteht und nicht heimtückisch leugnet, so verdient er doch damit die Verzeihung nicht. Der eigentliche Sinn der Worte V. 2 ist nach dem Grundtext dieser: Wohl dem Menschen, dem der Herr die Missethat nicht zurechnet, und nicht in seinem Geiste (ist) Betrug; das letztere ist also eine Fortsetzung des Prädicats, das von der Person, welche Absolution hat, ausgesagt wird; mit der Seligkeit, die aus der Vergebung der Sünden entsteht, ist unzertrennlich verknüpft die nicht betrügende, göttliche Gewißheit des Geistes; das ist der Glaube, der nicht die Art hat wie ein loser Bogen. Von diesem Grunde aus, daß er nie und in keinem Falle neben einem bösen Vorsatz und Entscheidung sein und bestehen könne, weisen Apologie und Concordienformel S. 956 fg. 208 fgg., lat. 693 fg. 107 fgg. auch die Uebereinstimmung des Jacobus mit dem Sinne Pauli nach. Dem erstern stehn nicht Glaube und Werk als zwei einander ergänzende Factoren da, ohne daß der Begriff der Rechtfertigung sie einigen könnte; er redet darum auch nicht von Werken, welche dem Glauben vorangehen oder die Rechtfertigung erst zum Vollzug bringen, sondern aus und nach dem rechtfertigenden Glauben folgen, ohne welche er seinen Sitz und das Sein nirgends hat. Was hilft's, so Jemand saget, er habe ihn, und hat doch jene nicht? (Jac. 2, 14. fgg.) Kann der Glaube, nämlich nicht als jene Kraft, die gute Werke wirket, ge⸗