# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1857_S194 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 194 Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. aber streitet wider einen Fundamentalartikel, die Allgemeinheit der göttlichen Berufung, und ihren Zusammenhang mit den wichtigsten Grundlehren das calvinische, niemals durch eine Schrift Luthers auf ähnliche Weise, auch nur in Augustins aus dem decreto absoluto die göttliche Kausalität der Sünde Liebe theilt mit, breitet und gießt sich aus —, insofern er Christum, dessen Gerechtigkeit ergreift und bauend auf die Verheißung Seiner verdienstlichen Hinwegnahme der Sünden Aller allein besitzt. Wenn nun Paulus ermahnt: „So ziehet nun an als die Auserwählten Gottes, Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen ꝛc. Wandelt im Geist, so werdet“ ꝛc., vgl. 1 Thess. 4, 1. ꝛc., so fordert er damit Solches nicht vom Glauben, der Christum den neuen Menschen, von der Jungfrau Maria geboren, welcher die Liebe ist und in dem Gläubigen geistlich empfangen und gezeuget wird, die Fülle des Lebens und Alles, was zum göttlichen Wandel dienet, schon hat, 2 Petr. 1, 3 fg.; sondern es ist Vorhalten der gegenständlichen Norm des christlichen Lebens an die Persönlichkeit, wo sich die Mächte des Geistes und Fleisches einander begegnen, in derselben als den Geboten des Herrn ihres Gottes und guten Werken das Leben erfinden zu lassen, wiewohl aus dem Glauben, nicht aus dem Trieb des Gesetzes. Dessen Lehre, Allen — Bekehrten, wie Verkehrten — gesagt, „glaube, ringe, bete, wache im Glauben und werde immer völliger,“ bleibt auch Gerechten, wie uns der Apostel damit zeiget, nöthig, nicht ihren Glauben, der die Aufrichtung und Erfüllung jenes ist, sondern sie zu reizen, aber nur als aus dem geglaubten Evangelio der Liebe heraus, den Dank des neuen Gehorsams daran zu erweisen. Der gottgewirkte Grund im Herzen strebt kräftig und läßt nicht ab, Gutes immerdar zu schaffen; er kann aber gehindert, ja ausgelöscht werden; denselben anzuschüren, die feurige Kohle zu erwecken d. h. Nahrung zu geben zu immer lebensvollerer Energie durch fleißige Uebung, weil der müssige Stahl rostet und die Lampe ohne Oel erlischt, werden die Gläubigen erinnert an das von Gott Gewollte (Röm. 15, 15., 2 Petr. 1, 12. 13., 3, 1.), wegen des blinden, faulen, nachlässigen, unwilligen, alten Adams, welcher ihnen anhängt bis in die Grube; darum auch weiterhin zu verhüten, daß sie nicht unter geistlichem Schein auf eigne Andacht und Heiligkeit gerathen oder gar sich einbilden Vollkommenheit ihrer Werke, welche doch durch das Fleisch geschwächet wird. Concordienform. S. 989 fgg. lat. 717 fgg. Die Hauptsumma des Gebots ist Liebe von reinem Herzen und von gutem Gewissen und von ungefärbtem Glauben. Denn Gott beschweret nicht, im Alten Testament war ein ganz anderer Zweck; Er, der gar Vieles von uns fordern könnte, begehret nur dies Eine, daß unser Geist, dessen Triebe also eingerichtet sind, daß er Etwas lieben muß — (daher das Object aller seiner Begierden zusammengenommen die ewige Glückseligkeit ist, und das Verlangen darnach aus dem ganzen Umfange jener entstehet, dasselbe aber im höchsten Grad verirrt sein muß, wenn der Mensch ein Scheingut, das von einem Triebe begehrt seinem Wollen zwar gemäß ihm dünket, nachgehends aber solche Folgen nach sich ziehet, die demselben ganz zuwider sind, dem sittlich Guten und also sich selbst oder die Creatur dem Willen des Schöpfers und eine beliebig erwählte Begierde dem Gehorsam gegen Ihn vorsetzt —), durch die Beweggründe der höchsten Liebe, welche das Evangelium darbietet und worauf das Gesetz seine Forderung gründet, gereizet werde, vor Allem und in Allem und mit Allem, was ich zu meines Gottes Ehre gedenken, sagen, thun mag, Ihn wieder zu lieben. In der Liebe ist die Einheit aller göttlichen Offenbarungen begriffen; nur zufälliger Weise wirken sie Haß und Feindschaft, gleichwie durch die Sonne der in der Erde liegende Same des giftigen, schädlichen Unkrauts aufgeschlossen wird; was heilig, gerecht und gut ist, fließt aus der Liebe. Sie wird auch in uns zum edelsten Affect, in ihr ist der Himmel, außer ihr nur das Gegentheil, alle Unseligkeit; Gott hat damit Sein eignes Herz abgebildet und das ewige Leben. Ich bin der Herr dein Gott, du sollst Mich als denselben haben, Ich will Mich damit dir zum Vater geben, alle Wege meiner allmächtigen und gnädigen Regierung und Vorsehung sollen dein sein, dir zu gut, und alle Dinge und Creaturen, die von Mir nur abhängen, dir zum Beßten; du sollst dich zu Meinem Namen wenden bei Allem, was dir widerfährt; er soll dir ein festes Schloß und Burg sein, woselbst Alles zu finden, was du von Hülfe brauchst;