# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1857_S193 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang III. Juli 1857. No. 7. Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden Materien. (Von Past. O. Fürbringer.) (Schluß.) Semipelagianismus, nach welchem der Mensch sich vorzubereiten vermag zu der Gnade, die ein natürliches Vermögen zu glauben und mitzuwirken ermuntert und fördert, durch die höhern ihm wesentlichen Kräfte (das liberum arbitrium d. i. intellectus et voluntas), welche seit Verlust der nicht anerschaffen, sondern nur beigefügt gewesenen ursprünglichen Gerechtigkeit geschwächt worden sind — und die damit ihres goldnen Zügels beraubte, der Herrschaft jener sich entziehende Lust nicht eigentlich Sünde, wohl aber Zunder derselben ist, (vgl. Apol. S. 107 fg. lat. S. 52;) und Synergismus, welcher dem Willen im Zeitpunct, da er von der vorbereitenden oder zuvorkommenden Gnade erfaßt wird, nach seiner Beschaffenheit von Natur nicht bloß die Zurückstoßung, sondern auch das Folgegeben oder Beistimmen zuschreibt, sind darum seelengefährliche Häresien, weil sie die übriggebliebenen geistigen Kräfte soweit ausdehnen, daß sie ein gutes Werk des Menschen gegen Gott zu dessen Gabe des Glaubens in jenes Seele hinzubringen, und mithin Eph. 2, 8 fgg. geradezu widersprechen.*) Nicht weniger *) Anm. Glaube und Werk stehen sich in der christlichen Lehre einander gegenüber nach ihrer psychologischen Entwicklung, obschon der Glaube nichts Anders als der Keim ist, welcher die Frucht bereits in sich trägt. Der Glaube ist auch Werk, s. Luthers Sermon von guten Werken 1520. (Th. XVII. S. 394.) Vorrede zur Epistel an die Römer (Th. XII. S. 58.), die Saat in's Herz von Gott gepflanzt; daß der Same aufgeht, wirkt zusammt seiner dem creatürlichen Erkennen und Wollen zu eigen gewordenen geistlichen Kraft der Beistand von oben. Der Glaube rechtfertigt nicht als Werk, als göttliche Gnadenwirkung, denn dann könnte auch ebenso gut es von der Liebe gesagt werden, welche das himmlische Leben des Glaubens, wie Haß das ungöttliche des Mißtrauens ist; er thut dasselbe nicht als Wurzel der aus ihm folgenden christlichen Tugenden, denn diese ist er ja, wiefern er jenes ist, und darum kommen Werke, Tugend, Liebe nicht zum Glauben hinzu, sondern er erweist sich in denselben als seinen Entfaltungen; er ist aber in solchem Verhältniß nur die irdische, von Gott gewirkte, vergängliche Form, dagegen die Liebe vielmehr das wesentliche, ewig bleibende Element, vgl. 2 Cor. 5, 7. mit 1 Cor. 13, 8. Der Glaube rechtfertigt, insofern er die einzige Möglichkeit ist hinzunehmen, die Gewalt an sich zu reißen, Matth. 11, 12. — Denn die 13