# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1857_S192 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 192 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Die Evangelische Allianz wird vom 10. bis 16. Sept. d. J. zu Berlin abgehalten werden und Hofprediger Dr. Krummacher von Potsdam wird dabei die Eröffnungspredigt halten. Im Decemberheft der Evangelischen Kirchen⸗Zeitung von Hengstenberg findet sich ein Aufsatz, in welchem dieser mit großem Pomp angekündigten Versammlung, die angeblich die ganze evangelische Christenheit dem Pabstthum gegenüber repräsentiren soll, ihr Nimbus genommen. Hengstenberg bemerkt zu dem aus Norddeutschland eingesandten Artikel: „Es thut dem Herausgeber leid, eine Polemik gegen eine Vereinigung von Männern eröffnen zu müssen, mit denen er sich in dem Glauben an Christum als den Heiland der Sünder eins weiß. Er hat es geflissentlich vermieden, so lange sie sich von unsern Grenzen fern hielten. Jetzt aber, da sie ihre Wirksamkeit auch auf Deutschland ausdehnen wollen, wird es die unabweisbare Pflicht kirchlicher Blätter, vor ihren bedenklichen Tendenzen zu warnen. Sie haben gewußt, daß dieser Kampf, der in der That nur Nothwehr ist, ihrer wartete, aber sie haben deshalb von ihrem Vorhaben nicht abstehen wollen. So mögen sie nun auch in christlicher Liebe und Milde das Unvermeidliche hinnehmen. Es gilt für uns des eigentlichen Gutes deutscher Reformation, das uns als ein Depositum zu treuen Händen anvertraut worden ist.“ In dem Artikel selbst wird aus dem Berichte eines nicht puseyitischen Engländers u. A. Folgendes über den evangelischen Bund citirt: „Das Band, welches ihre Glieder unter einander verbindet, ist auf der einen, der positiven Seite ein engherziger, bigotter Calvinismus und zwar nicht in der Gestalt, in der Calvin selbst oder irgend eine der Bekenntnißschriften des 16. Jahrhunderts das System uns darstellen, sondern als ein süßlich sentimentaler Antinomianismus, — nach der andern negativen Seite hin ist das wirklich zur Schau getragene und lebendige Band ein eingewurzelter Widerspruchsgeist gegen alle kirchliche Ordnung, gegen jeglichen Grundsatz sacramentaler Gnade, gegen Alles, was das lutherische System vom Calvinistischen unterscheidet.“ Pabstthum in Frankreich. So wird dem römisch⸗katholischen „Wahrheitsfreund“ unter dem 8. April aus Paris geschrieben: „Kaiser Louis Napoleon hat eine dem Geiste und dem Gebrauche der Kirche entgegengesetzte Stellung angenommen; der Staatsrath entschied gegen den Bischof von Moulins auf Mißbrauch seiner Macht und gründete diese Entscheidung auf Gesetze, welche von Napoleon I. als integrirender Theil des Concordats mit dem heiligen Stuhle veröffentlicht wurden, von denen aber der Pabst nicht eher etwas sah oder hörte, als sie im Moniteur erschienen. Daß der Bischof gegen diese Gesetze, das Product des Betrugs und der Gewalt, sich verging, leugnet niemand, gegentheils, die französische Kirche hat sie nie anerkannt oder befolgt. Mehr als die Hälfte aller Bischöfe Frankreichs hat sich desselben Vergehens schuldig gemacht . . Die Männer des Staatsraths haben systematisch dahin gearbeitet, die Autorität der Kirche zu vernichten.“ — Worin das Verbrechen gegen die „heiligen Rechte“ der „heiligen Kirche“ bestehe, wird nicht gesagt. Wahrscheinlich betrifft es wieder — das liebe Geld und zeitliche Gut. Schweden. Der „Wahrheitsfreund“ spricht sich sehr ungehalten darüber aus, daß derjenige schwedische Gerichtshof, welcher die Toleranzgrundsätze des dermaligen „freisinnigen“ schwedischen Königs verwirklichen soll, sammt Geistlichkeit und Adel keine Lust dazu zeigt. Wenn Römische den Lutheranern Toleranz predigen, fällt uns die Fabel vom Fuchs ein, der umherzog und den Hühnern die frohe Botschaft brachte, daß im ganzen Thierreiche ein ewiger Friede geschlossen sei, und daher den guten Hühnern Muth dazu einsprach, aus ihren Zufluchtsörtern in seine Arme zu kommen, damit er sie zur Friedensfestfeier an sein Herz drücken könne. So herzlich wir Religionsfreiheit allenthalben jedem gegeben zu sehen wünschen, auch in Schweden, so macht es doch einen seltsamen und einen dem beabsichtigten entgegengesetzten Eindruck, wenn selbst das Pabstthum, während es noch sein von protestantischem Christenblut triefendes Maul leckt, zur Duldung auffordert.