# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1857_S191 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 191 die göttliche Einsetzung der Sonntagsfeier werde darin geleugnet, die Wiedergeburt durch die Taufe und die wahre Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im heiligen Abendmahl darin gelehrt, andere hingegen dies in Abrede stellten. Herr Kurtz hat diese Beweisführung, wie es scheint, von den Römischen gelernt, denn gerade so erweisen diese, daß die Bibel nicht alleinige Regel und Richtschnur des Glaubens und Lebens sei. II. Ausland. Es starb am 13. Jan. d. J. in Halle an der Lungenschwindsucht der Justizrath Heinrich Aug. Quinque, früher in Naumburg, im 70. Jahre. An ihm verliert die Preußisch-lutherische Kirche ein treues und thätiges Glied. Süd⸗Australien. Aus Ehlers' Kirchenblatt erfahren wir, daß in Süd⸗Australien ein gewisser F. A. Altmann darum Bewegungen innerhalb der lutherischen Kirche dortselbst veranlaßt hat, weil er jegliche Stellung der Kirche zum Staate verwirft und nicht will, daß in der Kirche das Predigtamt eine die Kirche und ihre Angelegenheiten leitende Stellung habe. Es ist traurig genug, daß so wenige die rechte Mitte zwischen Cäsareopapie, Hierarchie und Ochlocratie zu finden wissen. (Vom seligen Quinque, dies notiren wir beiläufig, heißt es in der denselben betreffenden Todesanzeige: „Er glaubte, daß es das gesunde, richtige Verhältniß von Staat und Kirche zu einander sei, wenn solche Fürsten, welche Glieder der Kirche wären, das Kirchen⸗Regiment führten (!); so mußte ihm das als ein Schade erscheinen, was den Chiliastisch-Gesinnten (?) ein Gewinn scheint, daß wir in Preußen durch das Festhalten am Bekenntniß des landeskirchlichen Kirchen⸗Regiments beraubt sind.“ Wir gestehen, es würde uns interessant sein, den Nachweis für die seltsame Behauptung zu hören, daß man Chiliast sein müsse, um überzeugt zu werden, daß es eine Abnormität, ein trauriger Nothstand, wenn nicht etwas ärgeres ist, wenn die weltlichen Fürsten „das Kirchen⸗Regiment führen.“) Stade. Hier bildet sich ein lutherischer Verein, der die Tendenz des Gustav⸗Adolphs⸗Vereins ohne dessen Syncretismus verfolgt, nehmlich Sammlungen veranstalten will für bedrängte lutherische Gemeinden, besonders unter römisch-katholischer Bevölkerung. Die Aufforderung zu Bildung eines solchen Vereins erging am 10. Dec. v. J. von den Pastoren Schöttler in Twielenfleth, Vogelsang in Stade, Wolff in Hollern und von Collaborator Dieckmann und Peters und vom Oberschulinspector Eickenrodt in Stade. Dänemark. Pastor Grundtvig hat neulich ein Institut unter dem Namen „Volkshochschule“ begründet. Zweck und Ziel sind geheimnißvoll; als Schüler scheinen ältere Bauern vorgezogen zu werden, die hier in nordischer Geschichte, nordischer Götterlehre und nordischer Naturkunde unterwiesen werden sollen. Die Schule ist besetzt mit einem Candidaten und zwei Seminaristen. Wie diese Lehrer in Grundtvig's Gedanken eingegangen sind, zeigt sich in der Aeußerung des einen dieser Seminaristen: der Unterricht in den Naturwissenschaften brauche nicht weiter zu gehen, als daß die Jugend mit den dänischen Naturgesetzen bekannt gemacht würde. Die achte westphälische Provinzialsynode. Dieselbe wurde vom 16. Aug. bis 1. Sept. v. J. zu Schwelm gehalten. Aus einem Bericht über die Verhandlungen derselben, der sich im Decemberheft der Ev. Kirchenzeitung Dr. Hengstenberg's findet, geht klar hervor, daß auch in diesem District der preußisch-unirten Kirche lutherischer Glaube und lutherisches Leben die morschen Philisterstricke des elenden Unionsmachwerks zu zerreißen droht. Namentlich haben die Minden-Ravensbergischen, die so gern ihr lutherisches Gewissen innerhalb der Landeskirche retten möchten, der armen Synode ziemlich heiß gemacht. Endlich haben aber alle Lutherischseinwollenden sich durch die Erklärung beruhigen lassen, daß durch die bestätigten, freilich wirklich unirten Synodalbeschlüsse, die in der Allerhöchsten Cabinets⸗Order von 1834 der Confession sanctionirte Berechtigung nicht beeinträchtigt werden solle. Wenn es nur den Lutherischseinwollenden innerhalb der unirten Kirche nicht geht, wie dem Simson, der zwar den Götzentempel niederriß, aber unter dessen Trümmern seinen Tod fand!