# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1857_S190 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 190 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. Amerika. Die Methodisten beichten immer aufrichtiger. So schreibt z. B. der „Apologet“ vom 9. April d. J. in einem Aufsatz „Unsere Mängel und ihre Abhülfe“ Folgendes: „Wozu es uns verhehlen? Während Prediger wie Glieder gegen gelehrte Prediger sprachen und eiferten, haben wir als eine Kirche nur zu oft versucht, gelehrte Prediger zu bekommen, und deshalb oft von solchen quasi gelehrten Männern uns täuschen und betrügen lassen.“ Hier bewährt sich das alte Sprüchwort: Ars non habet osorem, nisi ignorantem.“ In der Fortsetzung des angezogenen Artikels wird ganz richtig auf den Einwurf, daß ausgebildete Prediger immer stolz seien, geantwortet: „Wenn irgendwo Gefahr ist, stolz und hochmüthig zu werden, ist es bei unserm bisherigen Verfahren. Aus einem vielleicht ganz gewöhnlichen Verhältniß im menschlichen Leben, vielleicht gar aus einer abhängigen Stellung von Andern sich auf einmal Aufseher und Leiter über die religiösen Angelegenheiten und Verhältnisse von oft Hunderten von Menschen zu wissen, welche auf ihn als Boten Gottes und den Hirten ihrer Seele blicken . . und diese Stelle auf einmal, ohne irgend eine, wenn auch noch so kurze Vorbereitung, einzunehmen, ist für Manche eine solche Veränderung, daß ein großes Maß des Geistes Christi dazu gehört, um nicht wenigstens eine Zeit lang in die Schlinge des Satans zu gerathen und mehr von sich zu halten, als er ein Recht hat zu thun.“ (S. Apologet vom 23. April.) „Historisches Zeitblatt und literarischer Anzeiger.“ So lautet der Titel einer neuen Zeitschrift, welche Buchhändler Herr C. Bär in Buffalo herauszugeben begonnen hat. Es soll das Blatt monatlich ein Mal erscheinen und namentlich kirchlich⸗zeitgeschichtliche Berichte und Bücheranzeigen enthalten. Der unirt-evangelische Verein des Westens. Aus dem „Friedensboten“ ersehen wir, daß am 6. März Inspector Binner sein Amt am Seminar des Vereins in Marthasville, Mo., sowie die Redaction des „Friedensboten“ niedergelegt hat. Tennessee⸗Synode. Im Aprilheft meldeten wir, daß die Tennessee⸗Synode das von einem Gliede derselben abgeforderte und nur auf dessen ausdrückliches Begehren veröffentlichte Urtheil unserer Synode westlichen Districts über das Brodbrechen im heiligen Abendmahl übel vermerkt und als eine unberechtigte Censur zurückgewiesen habe. Aus einem Artikel im „Luth. Standard“, unterzeichnet: „A member of Synod“, ersehen wir mit Freuden, daß die in dem letzten Bericht der Tennessee⸗Synode publicirte Gegenerklärung derselben nur in Folge eines Versehens in den Bericht gekommen ist, da dieselbe in Folge erhaltener Aufschlüsse über das von uns abgegebene Urtheil durch Beschluß der Synode ausgestrichen worden war. In derselben Nummer des „Luth. Standard“ (vom 29. April) befindet sich der erste Theil einer größeren Abhandlung, in welcher der theure Herr Pastor H. Weßel (Mount Solon, Va.) seine Uebereinstimmung mit dem Urtheil unserer Synode oder vielmehr der alten lutherischen Kirche über den bezeichneten Punct begründen zu wollen verspricht, und zunächst darthut, daß es unserer Synode nicht beigekommen ist, durch das von derselben veröffentlichte Urtheil sich das Amt eines Censors über die Tennessee⸗Synode anzumaßen und so das innige Band selbst zu lockern, welches bisher beide Schwestersynoden umschlungen hat. Herr Dr. Benjamin Kurtz scheint in nicht geringer Besorgniß zu sein, daß die nächsten am 14. Juni zu Reading beginnenden Verhandlungen der sogenannten lutherischen Generalsynode nicht das ihm erwünschte Resultat haben könnten. Es thut wenigstens derselbe in seinem „Luth. Observer“ sein Möglichstes, das Feuer des Hasses gegen die sogenannten Altlutheraner in den Gliedern des genannten Körpers in Zeiten anzublasen und in denselben das hochmüthige Herabsehen von Ignoranten und Indifferentisten auf das Bekenntniß der Kirche zu erzeugen. In der Nummer seines Blattes vom 8. Mai sucht er unter Anderem zu erweisen, daß die Augsburgische Confession unmöglich als eine definite Platform angenommen werden könne, da sie verschieden ausgelegt werde, da z. B. einige behaupteten,