# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 01 26_S60 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) den; da wurden meine Augen wahre Thränen⸗ bäche; da winſelte ich jämmerlich; ; alle Kraft war weg; aber der HErr erhielt mich und half ringen; und in der Macht ſeiner Stärke kämpfte ich, und ſiegte! Da ich ſchwach war, war ich ſtark. Ach gelobet ſei unſer Gott! — Die Kinder aber waren ſtark in Gott. Den 1. Juli kommt mein lieber Mann heraus zu dem Herrn Bürgermeiſter Günther, wohin zu kommen ich ihn gebeten. Als ich das vernahm, war Freude und Furcht ſo groß bei mir, daß ich ohne alles Beſinnen aus meiner Wohnung dahin eilte, ihm einen Fußfall that und ihm um Gnade und beſtändige Liebe bat. Das erlangte ich auch. Doch ſtellte er mir mit Ach und Weh das Elend vor, darein nun er und wir alle geſetzt werden würden. Er ſah freilich nur alles mit fleiſchlichen Augen an und ver⸗ langte inſtändig die Söhne, oder an des großen Sohnes Statt das kleine Mädchen. Da fielen die Kinder alle ihm zu Fuß und ſagten: „Her⸗ zenslieber Vater, Sie wollen nicht Luſt haben an unſerer Verdammniß! denn anders als auf der evangeliſchen Religion getrauen wir uns nicht ſelig zu werden!“π+) Ganz beſtürzt hörte er dies an, ſtellte mir aber meine Untreue be⸗ weglich vor. Ich mußte mich nun auf die Bibel berufen, und ſo Gelegenheit bekommen, ihm die heilige Schrift vorzutragen, und da— rans zu erweiſen, daß ich aus klarem Befehl meines Gottes, bei Verluſt meiner Seligkeit habe gehen müſſen, was ich mir alles in meiner Bibel unterſtrichen hatte. Dadurch wurde er ſehr gerührt, daß ich den Zug des werthen heil. Geiſtes deutlich an ihm wahrnahm. Er ver— langte hierauf ein Buch, das Andachten der heiligen Paſſion enthält, mit den Worten: „Daß ich auch meinen IEſum kann ſuchen, ihn finden, und mich ſeiner tröſten.“ Da ward ich getröſtet, und gab ihm ſolches, das er auch ganz ausgeleſen hat. „Ach, wie treu iſt Gott,“ ſagte ich zu ihm, „widerſtrebe nur nicht, ſo wirſt du, mein Herz, erfahren, welch ein Heil der HErr an uns thun wird.“ Ich redete ihm, ſo viel mir Gott verlieh, zu, was er alles wider ſeine Gewohnheit willig anhörte, mit viel Seufzen. Den 6. reiſte er wieder fort, kam den 15. wieder und ſagte mir, wie das Oberamt bei Sr. 1) Möchten doch hierbei alle diejenigen Leſer in ſich gehen, die dem jetzt immer allgemeiner werdenden Grundſatze huldi⸗ gen, daß es viele Wege zum Himmel gebe (Matth. 7, 13. 14. Joh. 14, 6.). daß alle Religionen einander gleich ſeien (Apoſt. 4, 12.) und daß man keinen Glauben verwerfen und ſeine Religion nicht verlaſſen ſolle, auch wenn ſie voll Irrthümer ſei (Epheſ. 6, 5.)3 die daher ſagen: Glaube, was du willſt, ſei nur ein guter Menſch, ſo wirſt du ſelig! — Möchten auch die jetzigen ſogenannten „Evangeliſchen,“ das heißt, die Unirten, ſich durch das Beiſpiel jener Kinder beſchämen laſſen, die, als ſie vom Geiſte Gottes zu ernſtlicher Sorge um das Selig- werden erweckt wurden. auch zugleich von demſelben Geiſte getrieben wurden, es nun mit der Wahrheit genau zu nehmen. Solche, die jetzt zwar unter der chriſtlichen, heidni⸗ ſchen und kürkiſchen Religion noch einen Unterſchied machen, aber alle Parteien in der Chriſtenheit, die noch zu Chriſto „HErr! HErr!“ ſagen, für gleich gut anſehen, die ſich daher mit allen Secten uniren wollen und ſagen: Glaube nur an den HErrn JEſum, ſo iſt es einerlei, ob du katholiſch, oder lutheriſch, oder reformirt, oder neuevangeliſch, oder methodi⸗ ſtiſch, oder wiedertäuferiſch ꝛc. biſt: ſolche würden freilich nicht um der Religion willen mit den Kindern der Frau v. Reibnitz alles verlaſſen haben und in das Exil gegangen ſein. 2 * 6⁰ daß ſein Weib und Kind ihm 9 2* 111 60 — +1 Majeſtät dem König in Polen auswirken Wolle, Manzitund Vater verabfolgt werden müßſtn. wollte er meine Gedanken wiſſen!? So habe ich ihn denn herzlich gebeten, er wolle doch das nicht thun, er würde mich damit nach Bran⸗ denburg jagen, ich hätte für einen ſolchen Fall ſchon Anſtalten getroffen ; dann bräche er den ehelichen Eid der Treue, wenn er mich ſo weit von ſich triebe, da wir hier in der Nähe zuſam⸗ menkommen könnten; er ſollte den Satan ken⸗ nen lernen, der ihn durch ſeine Werkzeuge dazu bewegen wolle. Den 1. Anguſt reiſte er tief bewegt von mir und kam den 5. ganz krank wieder heraus; ich bat ihn, hier den Doctor zu gebrauchen. Er that dies willig und blieb bis den 10. Sept. hier. Dann reiſte er weg, aber mit ſchwerem Herzen. Auch ward er wieder krank, daß er fürchtete, nicht mehr herauskommen zu können: er ſchrieb mir alle Wochen fleißig; ſeine Krank— heit nahm zu. Da war Leid wieder übergroß, wir ſchrieen aber herzlich zu Gott, er ſolle ſeine Seele retten und ihn herausbringen, damit auch ich ihm meine ſchuldige Pflicht erweiſen könne. Als ich nun ſo herzlich betrübt war, tröſtete mich Gott durch mein kleines Mädchen, welches ſagte: ich ſollte mich freuen, Gott würde den lieben Vater heraustragen, er müßte kommen und Evangeliſch werden. Dieſes ermunterte mich ſehr und ich glaubte feſt, Gott würde es thun, und unſer herzliches Seufzen erhören. Den 22. Octbr. brachte mir ihn Gott wirk— lich heraus, und ob er gleich ſehr krank war, ſo war die Freude doch bei uns allen ſehr groß, wir prieſen den großen Gott und ſeufzten in gläubigem Vertrauen für ſeine Seele. Er ward gleich den andern Tag bettlägerig; ich ließ zwar an köſtlichen Medicamenten nichts er— mangeln, es ſchien aber bald, daß auch die kräftigſten Stärkungen ihre Kraft bei ihm ver— loren hätten, und, was mir ſehr hart war, ſo ſchien Gefahr des Lebens da zu ſein. So war nun meine meiſte Sorge für ſeine Seele; ich ſeufzte daher mit den Kindern herzlich zu Gott, weil er auch dieſe Seele ſo theuer erlö ſet habe, ſo wolle er ſie auch retten. Gott erhörte mich; er regierte den Herrn M. Edelmann, daß er ihn beſuchte und allen Fleiß anwendete, ihn von dem vielen Aberglauben und den irri— gen Meinungen (der katholiſchen Kirche) abzu— bringen, und zeigte ihm die einige Lebensquelle, das blutige vollgültige Verdienſt meines IEſu, was denn auch der liebe Mann durch die beſon⸗ dere Gnade Gottes gläubig ergriff. Er that zwar kein öffentliches Bekenntniß ſeines Ueber⸗ tritts, iſt aber als ein wahrer evaͤngeliſch-luthe⸗ riſcher Chriſt einzig und allein auf das theure Verdienſt ſeines Heilandes den 26. Octbr. ſanft und ſelig entſchlafen. Ach, gelobet ſei Gott in Ewigkeit, der mich hieher geſendet hat, um auch meines lieben Mannes Seele zu retten! Ach d wie hat der HErr die Menſchen ſo lieb! Alles, was Odem hat, lobe den HErrn 17) 1) So weiß der wunderbare, weiſe und allmächtige Gott auch die größte Noth zum beſten zu wenden, daß wohl nochoft geſchicht, wie wir ſingen: „Du biſt der weiſe Gott, und kannſt zum Beſten lenken, worüber wir uns oft am allermeiſten kränken.“ Alſo braucht unſer Gott oft ſelbſt die Wuth Den 27. Febr. 1704 beſchenkte mich Gott mit einem geſunden Söhnlein. Auch dieſes Liebespfand hatte ich alſo mit aus Schleſien genommen, und zwar die letzte Woche, ſo daß dieſes Kind ſchon ein Exulant geweſen war, noch ehe es das Licht der Welt erblickt hatte. Ach wie groß iſt die Güte des HErrn über mir. liebe Gott gnädig, und wirft mir und meinen armen Waiſelein durch fromme Chriſten nah und fern unſer Manna je mehr und mehr väter⸗ lich zu; er ſtärkt uns auch, um ſeines Namens willen Mangel zu leiden. Da wir in den Ge— danken aus Schleſien gegangen ſind, daß wir unſer Brod mit ungewohnter Arbeit würden verdienen müſſen, ſo überſchüttet uns das treue Vaterherz mit reichem Segen. Wie treu er— füllet Gott ſeine Verheißung an denen, die ihm vertrauen! Ach, Gott ſtärke unſeren Glauben, Liebe und Hoffnung, ſo kann uns nichts man⸗ geln. Ihm ſei Ehre in Ewigkeit. Führt das alte Lutherthum nach Rom? (Fortſetzung.) Um unſeren Leſern deutlich zu machen, daß die Ceremonien, welche die alte lutheriſche Kirche beibehalten hat, keine Hinneigung der— ſelben zur römiſchen Kirche beurkunden, ſind wir, wie ſich der geneigte Leſer erinnern wird, von der hoffentlich unangefochtenen Vorausſetzung ausgegangen, daß das alte Lutherthum nur dann nach Rom führen könnte: 1. Wenn un⸗ ſere Kirche mit den kirchlichen Ceremonien auch die falſche Lehre der Römiſchen von denſelben angenommen hätte; und 2. wenn ſie auch die wider Gottes Wort ſtreitenden Gebräuche der römiſchen Kirche, oder doch gerade die beibe⸗ halten hätte, welche etwas der römiſchen Kirche Eigenthümliches enthalten, zum eigentlichen Weſen des Pabſtthums gehören und zu deſſen Begünſtigung und Stützung eingeführt wor⸗ den ſind. Wir haben nun bewieſen, daß die alte luth. Kirche erſtlich eine ganz andere Lehre vonden Ceremonien habe, als die römiſche; wir haben gezeigt, während die römiſche Kirche lehrt, daß ihre menſchlichen Gebräuche die Gewiſſen wit göttliche Ordnungen verbinden und ein Theil des Gottesdienſtes ſeien, ſo lehrt hingegen dit alte lutheriſche Kirche, daß alle menſchliche Ce— remonien in der Kirche, die von Gott weder verboten noch geboten ſind, Stücke der chriſtli— chen Freiheit ſeien, die je nach Umſtänden an⸗ genommen oder abgewieſen, beibehalten oder abgeſchafft werden können. Wir haben ferner gezeigt, daß die alte lutheriſche Kirche gegen die von ihr aufgeſtellte Lehre von der Freiheit und Verfolgung der Feinde zu unſerm Beſten. Hätten die armen Papiſten nicht die Töchter der Frau von Reibnitz mit Gewalt wegnehmen wollen, ſo hätten ſie wohl ihren Mann und die Söhne in dem Schooße ihrer irrigen Kirche behalten; da aber ihr Verfolgungsgeiſt ſo weit geht, und auch nach den Töchtern greift, ſo verlieren ſie darüber auch die Söhne ſammt dem Vater, und treiben ſie ſelbſt in unſere evangeliſche (luthe · riſche) Kirche. So muß der Feind ſich ſelbſt ſchaden; darum ſagt Luther an einem Orte: „Wenn der Satan ſo klug wärt als er toll und raſend iſt, er würde die Kinder Gottes unver⸗ ſolgt laſſen.“ Er treibt uns durch ſeine Anfechtung ins Wort und Gebet, und das ſind die Waffen, womit er überwunden und uns herrlich geholfen wird. Dem Leibe nach verſorgt uns auch der