# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1857_S188 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 188 Gegenwart und Aussicht der ev.⸗luth. Landeskirchen in Deutschland. chenschiff. Die aus der Ferne sahen nur die Wimpel des Evangeliums lustig auf den hohen Masten flaggen und die Segel glaubensfreudiger Predigt vom Gnadengeist Gottes getrieben, fröhlich dahinfahren; darum waren sie so höchlich verwundert, als unvermuthet durch die bayerischen Oberconsistorialgeneralien die Grundsuppe aufgerührt wurde, durch die starke Bewegung des Schiffes in Gährung gerieth und ihren Gestank weit umher verbreitete. Uns Schiffleuten war es nichts überraschendes, wir wußten wohl, was für Ballast wir im untern Schiffsraum mit uns führten und wie der Unrath auch hie und da noch auf das Verdeck heraufdrang, und wir wissen, daß es in allen andern Schiffen gleicher Flagge eben so aussieht; wir in unserm bayerischen sind nur wieder einmal berufen, den Vortanz zu halten. Wir haben bereits von einem Wiederhall unseres Rumors in Sachsen gehört; wir werden wohl noch von mehreren Seiten davon hören; vielleicht gibts alsbald ein Wiederhallen gleich dem des Donners in Bergschluchten. Das ist gewiß: die Kirchenfrage ist eine Hauptaufgabe dieses Jahres und wohl noch so manches andern hinter ihm. Wie sie gelöst werden wird, wer vermag das zu sagen? Nur eines glaube ich mit Bestimmtheit behaupten zu können: unsere nächste Generalsynode wird sie nicht lösen. Wenn aber auch niemand mit Bestimmtheit sagen kann, wie und wann sie gelöst werden wird, so kann doch jeder seine Gedanken darüber haben, und darf sie wohl auch jeder sagen. Ich, Freimund, will mir wenigstens das Recht nicht nehmen lassen, die meinigen etwas an den Tag zu geben; mag dann jeder urtheilen, was sie werth sein und gelten sollen. Entweder nun (meine ich) löst sich die fragliche Frage selbst oder sie wird gelöst, ungelöst kann sie nicht mehr lange bleiben. Muß sie sich selber lösen, so wird die Grundsuppe im Schiffsraum bleiben, wird natürlich immer mehr zunehmen und in Gährung oder Fäulniß gerathen, und so wird zuletzt auch der Schiffsboden verfaulen und einen gewaltigen Leck gewinnen. Da wird dann freilich die Grundsuppe ins Meer laufen, aber das Wasser wird auch ins Schiff dringen, und dann wirds heißen: sauve, qui peut! (d. h. rette sich, wer kann!) Oder man wird meinen, aus der Grundsuppe noch etwas machen zu können, und wird sie in Haufen aufs Verdeck legen; Guyano wird sie dadurch schwerlich werden. Sie wird sich vielleicht dann auch noch ans Steuerruder herandrängen, wird in die Mastkörbe und auf die Raen spritzen und da statt der Matrosen sitzen bleiben; dann werden vor pestilenzialischem Gestank alle andern Schiffe fernhin flüchten, und wem auf dem Schiffe noch ein menschlich Herz gegeben ist, daß er nicht selbst zu Grundsuppe geworden, der wird ins Rettungsboot steigen und betrübt davon rudern. Das verlassene Schiff aber wird umhertreiben, bis es an den Klippen zerschellt. Auf beiderlei Weise ist natürlich nichts geholfen. Darum seh ich nichts anderes als: soll das Schiff der Landeskirchen noch länger seetüchtig erhalten werden, so muß den Seeleuten freiere Bewegung gegeben werden nach innen und außen. Sonst bedurften die Landeskirchen das weniger, kann man sagen; denn ihre Stellung