# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1857_S186 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 186 Gegenwart und Aussicht der ev.⸗luth. Landeskirchen in Deutschland. und von der Pflicht ihres Amts und Berufs; das andere lassen wir Ihn walten. „Hie Schwert des HErrn und Gideon!“ — Gegenwart und Aussicht der ev.⸗luth. Landeskirchen in Deutschland. Hierüber spricht sich Herr Pfarrer Wucherer in seinem „Freimund“ vom 15. Januar d. J. folgendermaßen aus: Es ist jedenfalls ein auffallendes und merkwürdiges Zeichen unserer Zeit, wie in den politischen Zeitungen auch das kirchliche Interesse hervortritt und kirchliche Artikel und Mittheilungen fast eine stehende Rubrik in ihnen zu bilden anfangen. Woher kommt aber jene Erscheinung? Offenbar daher, daß einestheils christlicher Glaube, oder wenigstens christliche Gedanken und Anschauungen in den gebildeten Kreisen und höhern Ständen unserer Tage immer mehr Eingang gewinnen, anderntheils aber und vornehmlich daher, daß kirchlicher Geist und Sinn sich allenthalben zu regen und zu mehren begonnen hat, also daß man wohl spürt, er sei bereits wieder eine Macht geworden, über die man nicht mehr geringschätzig wegsehen dürfe, sondern der man, gern oder ungern, Achtung und Beachtung zollen müsse. Seitens der römischen Kirche thut sich dieser Sinn ihrer Natur nach hauptsächlich in den gesteigerten Ansprüchen auf volle Selbstständigkeit und Unabhängigkeit dem Staate gegenüber kund und dabei durch immer engeres und gläubigeres Anschließen der höhern und niedern Geistlichkeit an das sichtbare Oberhaupt zu Rom; seitens der Protestanten durch immer entschiedeneres Anschließen an ihre Bekenntnisse, durch unablässiges Ringen nach Einigung und innigere Verbindung durch alle Lande, nur daß man bisher dies Ziel auf verschiedenen Wegen zu erreichen gesucht hat. Die Einigung, welche die unirt Gesinnten anstreben, ist nicht eine innere und innige, sondern eine äußerliche und laxe, eine Einigung unter Ein Kirchenregiment, Eine Verfassung und Ordnung, während man die Uneinigkeit der Bekenntnisse stehen läßt, geflissentlich drüber hinwegsieht und sich wissentlich selbst belügt, man sei einig und geeinigt, während doch die Uneinigkeit wie ein unterirdisch Feuer bald da, bald dort in Wort und Werk, in Form und Norm hervorbricht, daß die Köhler nur zu laufen und zu dämmen haben, damit nicht der ganze Haufe in lichterlohen Flammen aufgehe. Davon ist schon viel gesagt und geklagt, und ist nicht noth, des weitern davon zu reden. Die lutherisch Gesinnten aber wollen und wissen keine andere Einigkeit, als die im Bekenntniß ihrer Kirche, dringen mit Macht darauf, daß dies Bekenntniß auch immer mehr eine Wahrheit im Leben (in der Praxis) werde; dabei sehnen sie sich nach immer engerer und innigerer Verbindung mit allen ihren Brüdern durch alle Lande hin und her, die eben in Bekenntniß und Leben immer mehr offenbar werden, ihre Kirche stärken und den Gliedern derselben zu immer reicherm Segen werden soll. Aus die⸗