# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1857_S184 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 184 Der Rumor über die neuesten Oberconsistorialgeneralien in Bayern. bleiben, und gerade dieser Rumor, bei dem der Herzen Gedanken so frei offenbar werden, muß dazu beitragen, daß die Nothwendigkeit einer Kirchenzucht von jedem, der noch sehen will, um so deutlicher erkannt, und die Verpflichtung dazu von jedem redlichen Christenherzen um so tiefer gefühlt wird, daß mancher darüber aus dem Schlafe aufgeweckt, ja mancher sonst Gleichgültige mit heiliger Entrüstung, und mancher Verzagte mit heiligem Muth erfüllt wird. Darum wird die Frage über Kirchenzucht weder auf kurz noch lang „vertagt“ sein, wenn es gleich die Neue Münchener Zeitung sagt und aus der Antwort des Königs auf die Petition der Nürnberger ꝛc. herauslesen will, obwohl darin keine Andeutung der Art zu finden ist; sie kann nicht vertagt sein noch vertagt werden, denn sie steht in Gottes Wort schon klar entschieden und findet in jedem gläubigen Herzen ein entschiedenes Amen, und der schreiende Jammerstand der Kirche ruft sie immer wach. Darum kann die Landeskirche wohl darüber in Trümmer gehen, aber die lutherische Kirche wird bleiben und, wenn auch in armer Gestalt, im Schmucke rechtschaffener Zucht verklärt daraus hervorgehen. Zwar was die lichtscheuen Bauchpfaffen — die „hochehrwürdigen“ Geistlichen aus dem Ries (wollt ich sagen) bei ihrem obgemeldeten Gewinsel um Gnade und Verschonung von Seiten des Kirchenpöbels nebenbei als ihres Herzens Wunsch aussprechen, daß die altlutherischei Partei (wozu sie jetzt das Oberconsistorium auch rechnen) lieber aus der Kirche austreten und andere Leute im Frieden leben lassen sollten, — das wird vor der Hand nicht geschehen, denn das ist eben nicht der Lutheraner Weise, vor dem Teufel davonzulaufen, sondern ihm vielmehr die Stirne zu bieten und mit fröhlichem Muthe zu kämpfen und zu stehen bis auf den letzten Mann. Daß aber der Haufe, so wie er jetzt ist, mit dieser innerlichen Zerrissenheit und bis auf den tiefsten Grund gehenden Spaltung nicht bei einander bleiben kann, daß der Riß über kurz oder lang doch erfolgen muß, und daß er um so schmerzlicher und blutiger werden wird, je mehr man ihn mit äußerlichen Zwangsmitteln aufzuhalten sucht, ist offenbar und gewiß. Daß es in politischer Hinsicht ein Fehler, in kirchlicher eine Sünde war, die Deutschkatholiken und Freigemeindler wieder in die Confessionskirchen zurückzuzwängen und zu drängen, zeigt sich jetzt schon deutlich genug. Sie sinds ja und ihre Gesinnungsgenossen, von denen dieser Rumor ausgeht. Hätte man sie bestehen und gewähren lassen, so hätte man den ganzen Haufen abgesondert bei einander gehabt, politisch um so leichter überwachen können und kirchlich ziemlich unschädlich gemacht; so hat man sie mit Gewalt unter die Decke und in die Ducke getrieben, da haben sie nun fleißig gewühlt und wühlen fort, und die Frucht davon kommt immer besser zu Tage. Wer will, darf und kann nun aber die Kirche zwingen, Menschen, die alle positiven Lehren des Christenthums offen verwerfen, nur von Gott, Tugend und Unsterblichkeit gepredigt haben wollen und jede Strafe aus Gottes Wort von wegen ihres Wandels in fleischlichen Lüsten sich von vorne herein als unberechtigt verbitten — wie die „Protestanten“ im