# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1857_S183 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Rumor über die neuesten Oberconsistorialgeneralien in Bayern. 183 und kirchlicher Zucht so allgemein sei, wie sich nun herausstellte, da man — nicht die Zucht selbst, sondern nur die Zuchtfrage mit einem Finger berührte; das wußte man nicht, das glaubte man nicht, das wußten nur die, die sich längst, von Gottes Wort und Befehl gedrungen, darin versucht und die bittersten Erfahrungen ihres Amtes dabei gemacht hatten. Die haben darum auch die neuesten Vorgänge weder überrascht noch erschüttert. Nicht überrascht, weil sie den Sinn der jetzigen Gemeinden längst aus Erfahrung kannten, und der Sinn ist kein anderer als der entschiedene Wille: Es soll bei uns keine christliche Zucht sein! Und erschüttert wurden sie nicht durch diese neuesten Vorgänge, weil sie längst entschieden waren, ihr Amt nur dem Worte Gottes gemäß zu führen, falle es nun, wie es falle. Denn das soll wissen, wer es wissen will, daß christliche Zucht üben nicht der Menschen, sondern Gottes Sache ist. Daß es nicht in eines Consistoriums oder Pfarrers oder Christen Willkür liegt, ob sie Zucht üben wollen oder nicht; es ist ihnen Matth. 18, 15—18. allen, einem jeglichen an seinem Theil geboten, und wo sie es unterlassen, so versündigen sie sich und habens zu verantworten, ein jeglicher an seinem Theil. Neben der angeführten Hauptstelle sind Aussprüche wie 1 Tim. 6, 3—5., 2 Tim. 2, 24—26., 4, 1—5., Tit. 3, 10. 11., 2 Cor. 6, 14—18., 2 Joh. V. 9—11., 1 Thess. 5, 14., 2 Thess. 3, 14. 15., 1 Cor. 5, 11—13., die der Leser doch ja nachschlagen und wohl bedenken wolle, zu deutlich und zu gewaltig, als daß sich ihnen ein redliches Christenherz entziehen könnte. Sie sind auch nicht bloß den Pfarrern und Seelsorgern (obwohl diesen, eben um ihres sonderlichen Berufs willen besonders), sondern auch jedem einzelnen Christen wie ganzen Gemeinden gegeben, was ihr Inhalt und der Zusammenhang, in dem sie in der Schrift stehen, deutlich genug erkennen läßt. Und wo darum Kirchenzucht geübt werden soll, muß die ganze Gemeinde, oder wenigstens der größte Theil ihrer Glieder, sie als eine Liebespflicht gegen den Nächsten üben. Aber deswegen ists nicht an dem, was Dr. Fabri in den Aufsätzen zu verstehen gibt, die er jüngst der Allgemeinen Zeitung über diesen Gegenstand geliefert, und die so viel schönes und wahres enthalten, — es ist nicht an dem, daß man deswegen kirchliche Zucht müsse liegen lassen, weil unsere Gemeinden nicht der Art sind, daß sie nach Matth. 18. Zucht unter sich handhaben, und daß man damit warten müsse, bis eine Gemeinde durch Predigt und Seelsorge so weit erweckt und gefördert sei, bis sie, wie die Hermannsburger, selbst auf Einführung der Kirchenzucht antrage; denn die Zuchtlosigkeit und der Zuchthaß einer Gemeinde, an oder in der ich stehe, spricht mich nicht los von dem Gehorsam gegen Gottes Wort, von der Verpflichtung, demselben an meinem Theil, und so viel mir unter so traurigen Zuständen möglich ist, nachzuleben. Oder wo stände geschrieben, daß man ein gutes, nothwendiges, von Gott gebotenes Werk lieber gar nicht angreifen solle, weil man es nicht gleich in Vollkommenheit auszuführen vermag? Da dürfte man das ganze Werk der Heiligung, wie an der Kirche, so an sich selbst, gleich von vorne herein fallen lassen. Aber es wird nicht fallen noch liegen