# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1857_S179 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet und erzogen? 179 Brüder in Christo erkenne und ihre evangelischen Gerechtsame achte, auf daß auch in Anordnung der Theile derselben, die in das Bereich der Mitteldinge fallen und mithin der christlichen Freiheit der Gemeinde unterliegen, „Alles ehrlich und ordentlich zugehe“ d. i. nach vorausgegangenem Unterrichte und dadurch gewirkter Erkenntniß und Willigkeit die Einführung des Neuen und Verbesserung des Alten im einträchtigen Zusammenwirken des Lehramtes und der Hörerschaft geschehe. Schließlich wollte ich mir noch erlauben, die Herrn Amtsbrüder der Ohio-Synode, östlichen und nördlichen Districts, freundlich und herzlich zu bitten, dem in diesem Abschnitte Gehegten ihre geneigte Aufmerksamkeit und Beachtung zu schenken, und sich weder durch persönliche, noch anderweitige Antipathien daran verhindern zu lassen;*) denn, wie wenigstens der letzte Synodalbericht des nördlichen Districts ausweiset, so stehet derselbe in Gefahr, theils aus unzulänglicher und zum Theil auch irriger Auffassung der lutherischen Lehre von Kirche und Amt, theils aus wohlmeinendem, aber mißverstandenem und sich überstürzendem Eifer für kirchliche Gestaltung einen gewaltsamen Sprung zu thun aus bisheriger kirchlicher Formlosigkeit in stricten kirchlichen Formalismus, als wenn durch die Anrichtung desselben — dazu übrigens ihre Gemeinden durchschnittlich ein ziemlich träger oder spröder Stoff sein möchten — wahre lutherische d. i. evangelisch und kirchlich gesinnte Gemeinden entstünden. Es würde ihnen damit gelingen, wie dem Kaiser Joseph II. im Politischen, von dessen Verfahren Friedrich II. sagte: Der Kaiser Joseph thue gewöhnlich den zweiten Schritt, bevor er den ersten gethan habe. Möchten sie mit allem Ernste bedenken, daß eben der erste Schritt für sie wäre, durch ernstes und fleißiges Studium der symbolischen Bücher zu einer gründlichen Erkenntniß des lutherischen Lehrbegriffs in seinem Zusammenhange zu gelangen, da sie ja, wie durchschnittlich wir Alle, nicht im Schoße und unter der Pflege der rechtgläubigen, bekennenden und lehrenden Kirche herangewachsen sind, sondern näher oder ferner dem feuchtigen, unionistischen Pietismus oder dem kirchlichen Indifferentismus, wo nicht gar dem Rationalismus entstammen und daher früher mit loser oder verderblicher Speise genährt sind. Möchte denn der zweite Schritt dieser sein, daß sie mit Beweisung des Geistes und der Kraft und mit freudigem Aufthun ihres Mundes diese Lehre der symbolischen Bücher, und sonderlich deren Kern und Stern, die Lehre von der Rechtfertigung, ihren Gemeinden unablässig bezeugten und eingeprägten und zugleich treue, weise und geschickte Seelsorger für ihre einzelnen Kirchkinder wären. Thäten sie also, so würden, nach der Verheißung des Herrn in Jes. 55., dadurch allmählig Gemeinden heranwachsen, die mit Willigkeit *) Wir zweifeln nicht, daß die hier angeredeten Brüder unseres Einsenders freundliche Erinnerung so wenig Übel vermerken werden, so wenig wir von der Missouri-Synode deren an uns gerichtete Ermahnung mit Vorurtheil von uns gewiesen haben. L. u. W.