# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1857_S178 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 178 Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet und erzogen? Und daneben kann und wird es nicht fehlen, daß bei obigem Verfahren, das gegenseitige Verhältniß zwischen dem Lehrer und den Hörern, zwischen dem Hirten und der Heerde gleichfalls das rechte, gesunde, evangelische und gerade das entgegengesetzte von dem sein werde, das eben von der entgegengesetzten Handlungsweise nothwendig erzeugt wird. Denn wenn, wie oben bereits nachgewiesen ist, auch hier der Stecken des Treibers regiert und das Joch der Schulter aufgelegt wird d. i. wenn die lutherischen Kirchendiener auch den Theil der kirchlichen Ceremonien, der nicht unmittelbar Ausdruck des Bekenntnisses ist und die Stücke der Gemeinde⸗Ordnung, die gleichfalls nicht vom Bekenntniß handeln, sondern, wie solcher Theil des Rituals, in das Gebiet der Mitteldinge fallen, mithin der christlichen Freiheit in Bezug auf ihre Form und Weise unterworfen sind, entweder durch Verstrickung der Gewissen in die falsche romanisirende Lehre von der Kirche und vom Predigtamte oder durch gesetzestreiberisches Handthieren und pfarrherrliches Gebahren unter fleißigem Bedräuen mit dem Bannstrahl (dabei jedoch das heuchlerische Beschmeicheln und Beloben der gehorsamen Söhne der Kirche nicht zu fehlen pflegt) als wesentlich und nothwendig zur confessionellen und kirchlichen Gestalt der Gemeinde durchtreiben: so kann es nicht fehlen, daß der für diese Form enthusiasmirte, ja fanatisirte Theil der Gemeinde sich fleischlich an die Person des Pfarrers hängt und eine Art Abgötterei mit ihm treibt, indeß der andere ihn — und zwar eben leider nicht ohne seine Schuld — mit Argwohn und Mißtrauen betrachtet, einen heimlichen Widerwillen gegen ihn trägt und sich nur knechtisch, als vor dem Schleuderer des Bannstrahles, vor ihm fürchtet, mit Freuden aber die Gelegenheit ergreift, unter Anführung eines entschlossenen Partheihauptes eine Spaltung in der Gemeinde herbeizuführen. Wo dagegen evangelische Weisheit und christliche Liebe den Diener der Kirche, wie oben dargethan, leitet, so wird gewiß diese seine herrschende Gesinnung auch bei dem Handeln jener zwei Stücke durchschnittlich in der Gemeinde offenbar werden, und das Band gegenseitigen Vertrauens und herzlicher Liebe wird auch hiedurch fester werden. Seine Kirchkinder werden auch in diesem seinem Verfahren erkennen, daß er in Christo ein väterlich Herz gegen sie trage und sie mit Treue meine und nicht seine eigene, sondern allein Gottes Ehre an ihnen suche; sie werden auch hierin deß inne werden, daß sein erstes und letztes Absehen bei all seinem Weiden und Leiten, Zucht und Pflege der Schafe Christi dahin ausstehe, daß gründliche evangelische Erkenntniß, der gerecht und seligmachende Glaube an Christum und daraus rechtschaffene Gottseligkeit in allerlei Frucht des Geistes, guten Werken und christlichen Tugenden in ihnen Wurzel fasse, wachse und zunehme und daß ohne solchen herrschenden Sinn und Geist in der Gemeinde, die mehr von außen ihr aufgedrängte und angeredete, an sich noch so treffliche und erbauliche Gemeinde⸗ und Gottesdienst⸗Ordnung ein todtes Gesetzeswerk und äußerlich Ding sei, das schwerlich Gott gefallen könne. Es wird ihnen auch nicht verborgen bleiben, wie gerade auch im Handeln dieser Stücke ihr Pastor sie als seine