# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1857_S173 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet und erzogen? 173 Annahme solcher Formgerechtigkeit, als zur Annahme der Glaubensgerechtigkeit in Christo bringen läßt), so wäre dieß für die also Fanatisirten selber der größte Schaden; denn sie ständen dann eben in großer Gefahr, sich um ihres Eifers für die Kirchen⸗Ordnung willen, nicht nur für ausgezeichnete Christen, sondern auch für ausbündig kirchliche Lutheraner zu halten, indeß vor Gott dieser Eifer doch leichtlich nichts wäre, als das kirchliche Aushängeschild über einem hochmüthigen und unbelehrten Herzen und ein todtes Gesetzeswerk wider die Gerechtigkeit des Glaubens an Christum. Ein anderer und voraussichtlich größerer Theil der Gemeinde aber würde gerade von diesem Eifer eher abgestoßen, als angezogen werden, und deßhalb um so mehr die Kirchen⸗Ordnung nur mit Unwillen und Zwang als ein Joch tragen, theils aus einem richtigen Gefühl, daß solche Kirchen⸗Ordnung dermalen nicht Noth sei, theils aus fleischlichem Widerstreben wider allerlei heilsame Zucht und Beschränkung, theils weil es gemeiniglich der Fall ist, daß gerade die größten Eiferer und Kämpfer für die Herrlichkeit der Kirchen⸗Ordnung nicht eben im Wandel in der Demuth, dem stillen Berufsfleiß, in der Einfalt und Lauterkeit die größten Christen sind. Ein dritter und vielleicht auch nicht kleiner Theil würde sich gegen die Kirchen⸗Ordnung so ziemlich fremd und kalt, stumpf und gleichgültig verhalten, sonderlich wenn diese wider ihre materiellen Interessen nicht zu heftig anliefe und sich vorherrschend etwa mit den kirchlichen Ceremonien zu schaffen machte. Käme es nun auch nicht alsbald zwischen dem ersten und zweiten Theile zu einem offenbaren feindlichen Zusammenstoß und einer Spaltung der Gemeinde, so wäre sie leider innerlich doch bereits vorhanden und der Ausbruch derselben vorbereitet und zwar nicht aus Ursache des böswilligen Unglaubens wider Christum und sein Evangelium — denn solche Spaltung könnte man sich wohl gefallen lassen —, sondern aus Schuld des Pastors und seiner voreiligen Einführung seiner Kirchen⸗Ordnung; ja er selber könnte, nach seinem dermaligen unevangelischen und gesetzlichen Standpuncte, unter solchen Umständen kaum anders, als die Eiferer für die Kirchen⸗Ordnung für die wahren Christen, die Widersprecher aber für offenbare Unchristen und Feinde des göttlichen Wortes halten und wider letztere fleißig den Bannstrahl schleudern; und während er durch seinen Eifer mit Unverstand eigentlich die Ursache und Schuld solches Bruchs und Elendes wäre, darin manche Seele unwiederbringlichen Schaden leiden könnte, möchte es ihm leichtlich begegnen, daß er sich gerade hierin für einen echten Märtyrer der lutherischen Kirche hielte. Evangelisch und weislich also und dem Geiste der lutherischen Kirche gemäß, wird unter obigen Umständen, d. i. nach Uebernahme einer neu entstandenen lutherischen Gemeinde, ihr Diener dann handeln, wenn er bei jedem neu vorkommenden, in das Gebiet der Mitteldinge einschlagenden Falle, in mittelbarer Anwendung göttlichen Wortes Fleiß thut, die rechte evangelische Erkenntniß von der Beschaffenheit dieses Falles durch die Lehre zu erzeugen und darnach in gemeinsamer Berathung mit seiner Gemeinde die angemessene Erledigung dieses Falles in's Werk zu richten.