# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 01 05_S58 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Scholz (aus Zittau in der ſächſiſchen Ober⸗ lauſitz). Dieſer kam im Mai vor. J. von dem in dieſem Blatte ſchon öfters erwähnten, durch Herrn Paſtor Löhe geleiteten deutſchen Vereine geſendet, in America an und bedient gegenwärtig eine lutheriſche Gemeinde bei Naſhville in Illinois (40 Meilen von hier), die ihn ebenfalls zu ihrem Seelſorger berufen hat und vor welcher er durch den hieſigen lu— theriſchen Paſtor Bünger ordinirt worden iſt. Der dritte, von welchem wir berichten, iſt der vormalige Candidat des Predigtamtes Herr Wolf (aus dem Hannoveriſchen), der in Ge— meinſchaft mit dem letztgenannten hier ankam und gegenwärtig als Paſtor der deutſchen ev.⸗ luth. Gemeinde in Perryville, Perry Co., Mo., fungirt, nachdem er die Ordination dazu durch den lutheriſchen Paſtor Gruber in Perry Co. erhalten hat. Der letzte, der vormalige Candidat der Theo— logie, Hr. A. G. G. Francke, aus Meiner⸗ ſen im Hannoveriſchen, iſt ebenfalls durch den oben bezeichneten deutſchen Verein nach Ame⸗ rica geſendet worden und im December des jüngſt verfloſſenen Jahres hier angekommen. Selbiger hat einen Beruf an das Paſtorat der luth. Gemeinde in und um Dover, Lafayette Co., Mo., angenommen, iſt am letzten 29. December in der Dreieinigkeitskirche der hieſi⸗ gen lutheriſchen Gemeinde zu dieſem Amte öffentlich und feierlich ordinirt worden und be⸗ findet ſich der Zeit auf der Reiſe nach dem Orte ſeiner Beſtimmung. Wir berichten dies mit um ſo größerer Freude, je weniger der treuen Arbeiter gerade hier in der großen Ernte des weiten Weſtens ſich fin⸗ den. Mit tiefer Betrübniß müſſen wir ſehen, wie hier, weil der Mangel an lutheriſchen Pre⸗ digern ſo groß iſt, täglich mehr unſerer lutheri⸗ ſchen Glaubensgenoſſen theils von den ſchwär— meriſchen Methodiſtenſendlingen, theils von den indifferentiſtiſchen unirt evangeliſchen Miſſio— naren, theils von den rationaliſtiſchen Bauch— prieſtern verführt und der Kirche für immer entfremdet und entriſſen werden. Möge der HErr der großen Ernte die neuen Arbeiter ſtärken, und ſegnen, daß auch durch ſie hier ſein Name geheiliget, ſein Reich gefördert und ſein Wille vollbracht werde. Amen. Gericht Gottes über jeſuitiſche Ver⸗ meſſenheit. — Ein Jeſuit in Frankreich hielt im Jahre 1678 eine Predigt, in welcher er Jako b Pielton, Prediger der Hugenotten im Fürſtenthume Oranien, aufforderte, er ſolle die Beweisgründe doch widerlegen, die dafür ſprä— chen, daß die Hoſtie in den wahren Leib Chri— ſti verwandelt werde, und daß dieſelbe daher angebetet werden müſſe. Pielton that es vor einer großen Menge auf eine gründliche und überzeugende Weiſe. Der Jeſuit war ſelbſt in der Kirche und fühlte ſich geſchlagen. Er hü— tete ſich daher, Pielton ferner mit Gründen aus der Schrift und den Kirchenvätern anzu— greifen, ſondern trat auf, und ſuchte ſich auf 58 eine Gott herausfordernde Weiſe aus der Ver⸗ legenheit zu ziehen. „Großer Gott!“ ſprach er in der folgenden Predigt—„wie kannſt du leiden, daß dein Dienſt (durch die Meſſe), der allerherrlichſte und hei⸗ ligſte Dienſt, für abgöttiſch gehalten werde? Iſt es wahr, daß wir Abgötter und die Prieſter Betrüger ſind — wo ſind denn Deine Blitze, Deine Donnerkeile, uns Betrüger und Abgöt— ter zu zerſchmettern?“ Hierauf wandte er ſich zu dem Altar, auf dem die conſeerirte Hoſtie ſtand, und fuhr fort: „Ja, mein Heiland, ich wende mich zu Dir, und bitte Dich, Du wolleſt in unſerer Sache durch ein Wunderwerk das Urtheil ſprechen! Sind wir Abgötter, wenn wir Dein heiliges Sacrament anbeten, ſo laß Feuer vom Himmel auf uns herabfallen, wie Elias über die Prieſter Baals gethan hat. Schlage mit Deinem Donner in unſere Altäre, ſo wirſt Du uns durch ein ſolch' Gericht aus dem Irrthum bringen, und gänzlich überzeu— gen, daß wir Abgötter ſind.“ Mit dieſen vermeſſenen Worten forderte der Jeſuit am 19. Juni 1678 Gott zu einem be— weiſenden Wunderzeichen auf. Es ward ihm gegeben; denn Gott läßt ſich nicht ſpotten. Zehn Tage darauf, Mittwoch den 29. Juni, am Feſte Petri und Pauli, zog ein furchtbares Gewitter am Himmel herauf, ein Donnerſchlag ſchlug in die Kirche ein neben dem großen Al— tar, und zwar gerade während das Meßopfer verrichtet wurde. Der Donnerſchlag warf den Meßprieſter zu Boden auf den Rücken. Auch fuhr der Blitz in die nächſte Kapelle zur Linken des Chors, und verbrannte die Altartücher zu Pulver, denn auch hier wurde gerade Meſſe geleſen. Mehrere Perſonen wurden beſchä— digt, und am Kirchthurme mußte man bis zum Abende das Feuer löſchen. (Siehe Wölblings chriſtl. Geſchichten S. 41.) Anmerkun g.—Es ſoll uns doch ver⸗ langen zu ſehen, wie der „Wahrheits⸗ freund“ obige Geſchichte ſeinen Leſern refe⸗ riren wird, um ſeine lieben Jeſuiten wieder weiß zu brennen. In No. 8 des „Luthera⸗ ner“ erzählten wir, wie die Jeſuiten einem re⸗ formirten Prediger verſprachen, ihm, wenn er widerriefe, „das Leben zu erhalten,“ den⸗ ſelben aber nach geſchehenem Widerruf, da er ſich an das von ihnen gegebene Wort halten wollte, noch verſpotteten und ſprachen: Sie hätten das vom ewigen Leben verſtanden. Dies weiß der „Wahrheitsfreund“ zum Lobel) der Jeſuiten anzuwenden. Er citirt nehmlich unſere Mittheilung in No. 487 folgenderma⸗ ßen: „Auch der Lutheraner macht in ſeiner letzten Nummer den Jeſuiten den bittern Vor⸗ wurf, einen reformirten Prediger wieder zum Papismus zurückgebracht und ewiges Heil (5 ſtatt zeitlichem geboten zu haben.“ Hier hat der geliebte Leſer ein Beiſpiel der neueſten Zeit zu einer Darſtellung der „Jeſuiten⸗ moral.“ Man ſieht hieraus, daß der Her⸗ ausgeber des Wahrheitsfreundes ſelbſt bei de⸗ nen in die Schule gegangen iſt, die er verthei⸗ diget, und daher ſeinen Lehrern Ehre macht. Er hat offenbar den Grundſatz der jeſuitiſchen Moral wohl begriffen, daß der Zweck die Mit⸗ tel heilige und „daß man ſein Wort nicht zu halten brauche, wenn man die Abſicht nicht hatte, es zu halten.“ „Ich bin ein Wurm und kein Menſch/ ein Spott der Leute und Verachtung des volkes.“ Pſ. 22, 7. Von dieſem Spruch macht Luther folgende Anwendung: Die h. Schrift iſt Gottes Wort, geſchrie⸗ ben, und (daß ich alſo rede) gebuchſtabet und in Buchſtaben gebildet, gleichwie Chri— ſtus iſt das ewige Gottes-Wort in die Menſchheit verhüllet. Und gleichwie Chri⸗ ſtus in der Welt gehalten und gehandelt iſt, ſo geht's dem ſchriftlichen Wort auch. Es iſt ein Wurm und kein Buch, gegen andern Bü⸗ chern gerechnet. Denn ſolche Ehre mit Stu⸗ diren, Leſen, Betrachten, Behalten, und Brau⸗ chen geſchieht ihm nicht, wie andern Menſchen⸗ ſchriften: wirds ihm gut, ſo liegts unter der Bank ꝛc. Die andern zerreiſſens, kreuzigens, und legen ihm alle Marter an, bis ſie es auf ihre Ketzerei, Sinn, Muthwillen deuten und dehnen, zuletzt gar verderben, tödten und be— graben, daß es aus der Welt geſtoßen und ver⸗ geſſen wird; an ſeiner Statt aber ſitzet die Hure mit dem güldenen Kelche, Drecketen und Dre⸗ cketalen und andern Rottenbüchern. Aber es muß doch bleiben und wieder aufkommen, da hilft kein Hüten noch Wehren. Darum iſt es doch ein gut Zeichen, wem dit theure Gabe geſchenkt iſt, daß er Liebe und Luſt zur Schrift hat, ſie gerne leſet, hoch und werth hält. Den ehret Gott gewißlich wiederum, daß er das rechte Siegel hat der berufenen und er— wählten Heiligen, und unter der Apoſtel und anderer Heiligen Haufen gehöret, die mit der verdammten Welt nicht halten, daß Chriſtus ein Wurm, ein Spott der Leute und Verach— tung des Volkes ſei. Sondern mit St. Peter bekennen, er ſei des lebendigen Got⸗ tes Sohn, Matth. 16, 16. und die Schrift ſei von dem heiligen Geiſt geſchrieben. (L. W. IX, 1358.) —— Das eilfte Gebot. Ein Prediger beſuchte ſeinen kranken Schul⸗ meiſter, den er fragte, womit er ſich denn rö⸗ ſtete? Dieſer antwortete: Mit dem eilften Ge— bote. Wie? ſprach der Prediger, mit dem eilften Gebote? Wie lautet denn das? Der Kranke ſagte hierauf den letzten Vers aus dem Liede Luthers: „Dies ſind die heiligen zehn Gebot,“ her: Das helf uns der HErr JEſus Chriſt, Der unſer Mittler worden iſt! Es iſt mit unſerm Thun verlor'n, Verdienen nur eitel Zorn. Kyrieleis. War das nicht gut getröſtet? (S. Schwed⸗ ler im luth. Hausbuch.) Bezahlt: 1. Hälfte des 3. Jahrg. Hr. G. Hr Brockſchmidt ſen. 3. Jahrg. Hr. W. Flittner. Erh. für das luth. Seminar in Altenburg, Mo., von Lutheranern bei Celumbia, Ill. 81,50. Für die luth. Heidenmiſſion am Fluſſe Cass, Mich., von Or. Bünger 8 1,75., von Hrn. Peterſeim 50 cts., von einem Ungenannten 81,00., von A. Gräber 81,00., von M. Ste⸗ phan $5,00. Gedruckt bei Weber und Olshauſen.