# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1857_S169 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. 169 Einflüsse ermuthigt durch die beständige Anschauung und Hinweisung auf die höchste mitgetheilte Gabe, welcher Nichts zu schwer ist. Sowie der helle Schein des Evangeliums mit seiner auf's Gewissen gerichteten Gotteskraft in das Bewußtsein fällt und es bewegt, durchdringet und erfüllt: so wirkt auch jegliche innere Empfindung solcher Kraft zu der Zeit, da ich das Wort im Hören oder Lesen äußerlich erkenne, zurück auf die Gedanken und den Willen, so daß die Grundbegierden des menschlichen Geistes auf das Wesen ihrer Objecte durch die Erkenntniß und den Beifall des Glaubens geleitet werden. Die falsche fehlerhafte Neigung derselben, den Schein, die Lüge an die Stelle der Wahrheit zu setzen, und von der einzigen Heilquelle in abscheulichem Unglauben sich abzuwenden, hatte eine Menge verirrter und verkehrter Begierden erzeugt, in welchen bald hier bald da fort und fort das Untergeordnete, Unwesentliche, Nebenumstände ꝛc. zum Hauptzweck gemacht werden. Nur unter ihnen konnte die menschliche Freiheit wählen und sogar hier nicht allemal, wenn gleich sie nicht bloß gegen die einen sich ruhig verhielt, sondern der Wirksamkeit der Motive anderer nachgeben mochte, indem wir oft den Vorsatz haben, Etwas nicht zu thun, hingegen aber die zu der That antreibenden Ursachen das Vermögen der Freiheit also überwiegen, daß sie ihres Widerstandes ungeachtet in die That ausbrechen. Ueberhaupt wenn es vor der Hand noch zu keiner Entschließung kommt, kann doch der Mensch niemals gedacht werden ohne Triebe, welche von selbst dann in ihm agiren, wenn nur die Beweggründe eines oder des andern stark genug sind; und dies nannten wir eben im Gegensatz der zur Ueberwindung dargebotenen und auf die Triebe gleicherweise mächtig einwirkenden göttlichen Gnade das natürliche Widerstreben. Schlägt sich zur Stunde der Heimsuchung derselben das Wahlvermögen von neuem auf die Seite der Unwahrheit, die verderbte Richtung fest⸗ und beizubehalten, sich nicht bekehren zu wollen: so ist das eben der deutlichste Nachweis, daß der Sünder nicht sei ein Stein oder Block oder eine bloße Maschine (Concordienform. S. 928 fg., lat. S. 572 fg.), noch durch den Sündenfall zum Thier herabgesunken, sonst bedürfte es zu seiner Belehrung auch keines Worts; es hat sein vernünftiger freier Wille die Fähigkeit behalten, auch dem größten Maß der geistlichen Gabe zu widerstehen. Zu solcher ihm ganz und gar eignen Activität des gefallenen Menschen ist das durch die übernatürliche Inclination des Willens zum Guten hervorgerufene anfängliche receptive und leidentliche Verhalten des zum Glauben Kommenden für dasselbe, bereits mehr, als das ruhige gleichgültige Schweben in der Mitte, in einem wirklichen Gegensatz begriffen; und die libertas sese convertendi ist ebenso, wie dieses, ganz und gar nicht von dem Geschöpf selbst als solchem, sondern rein und ausschließlich von der Kraft der göttlichen Beweggründe im Evangelio abhängig, welche das wahre Object der menschlichen Grundverlangen lebendig, kräftig und gewiß im Bewußtsein vorstellen durch übernatürliche Wirkung. Niemals läßt sich nun in uns die schmerzliche Empfindung unsrer bisherigen Gottlosigkeit von dem Gedanken trennen, daß wir