# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1857_S161 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang III. Juni 1857. No. 6. Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zu⸗ sammenhängenden Materien. (Von Past. O. Fürbringer.) (Fortsetzung.) Satz VII. Es ist in der christlichen Lehre ein so großer, erhabener Zusammenhang und von so tiefer Bedeutung, daß, wo die Erkenntniß hiervon mangelt, gar Vieles mißverstanden und gemißdeutet werden muß. Es ist uns noch Eins übrig, worauf wir als auf den Schlußstein unsrer bisherigen Ergebnisse ge⸗ führt werden, das Verhältniß der menschlichen geistigen Kräfte zu den göttlichen Gnadenwirkungen. Nur in einem Wesen war der Sündenfall möglich, wo die Liebe, deren es fähig ist, gleichermaßen mit Unvollkommenheit und Bedürfniß in irgend einer Beziehung auf sein Selbst sich mischte. Wo dieses keine Statt hat, wo aus absolutem Sichgenügen lauter Mittheilung und herablassende Hingebung erwächst, ist ursprüngliche Freiheit zum Guten, das sie setzt, so wahr und zuverlässig, wie die unfehlbarste Noth⸗ wendigkeit. Zur Liebe aber bleibt der Mensch geschaffen, und alle Affecte seiner Seele, (auch diejenigen, welche erst mit der Sünde zur Wirklichkeit ge⸗ kommen sind, obschon sie an sich rein gedacht werden können, als Haß, Mit⸗ leiden, Zorn, Trauer, Reue, Scham, Furcht,) sind nur möglich, weil der Mensch auf gottähnliche Weise die Liebe sein sollte. So ist es denn die Liebe seines Erlösers, die ihn aus den Banden befreit, darein ihn der, welcher alle Liebe da, wo er's könnte, morden würde, geschlagen, auf daß wir werden verkläret in dasselbe Bild von einer Klarheit zu der andern als vom Herrn, welcher Geist ist. Den Eintritt und die Aneignung dieser Gemeinschaft mit Christo, welcher darum der Weg zum Vater ist, weil Er, selbst in dem Worte der Wahr⸗ heit und durch dieses uns gegenwärtig, das Ihm eigne Leben von Sich aus durch den heil. Geist gibt, haben wir in Seinem Lichte zu erkennen. Wenn Gefühl im weitern Sinne Innewerden des Lebens überhaupt ist, in Lust oder Unlust: so ist es bei dem Menschen Bewußtsein — als unmittel⸗ bares noch unterschieden von dem gegenständlichen d. i. durch Reflexion ver⸗ mittelten. Durch die Thätigkeit des letztern vergeistigt es sich zum Gemüth,