# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 01 05_S57 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) auf unſer Beten und Wachen, überhaupt nicht auf unſer Rennen und Laufen; ſondern daſ⸗ ſelbe Mittel, welches die Seelen mit IEſu be— kannt gemacht hat, behalte ſie auch in Seinem Namen, nämlich unbedingter Glaube an Got— tes Wort und Verheißung. Es komme einer in Anfechtungen, in Verwirrungen, in Gefühle, welche es ſein mögen: ſo bleibe man immer bei dem ſtrengen Unterſchiede zwiſchen Gott und Menſchen, Gottes Wort und Ge— fühl, Gottes Treue und Menſchenglaͤube ſte— hen, —und dränge auf dieſe Weiſe wieder auf den unbedingten, fühlloſen Glauben, der alte Weg Thomä, nicht zu ſehen und doch zu glau⸗ ben, zurück; man lobe und preiſe den Hüter Iſraels, der nicht ſchläft, noch ſchlummert, der alle bekümmerten Seelen und ihr Wehe kennt, und ihnen darum ſo herrliche herzergreifende Worte von Seinem unumſtößlichen Friedensbund geoffenbart hat, damit ſie, rings umgeben von Hunden und wilden Ungeheuern, über ſich unantaſtbar ihrer Fußes Leuchte hätten, Seine Zuſagen, die wie Sonnen auf-, aber ſamt dem Heile unter ihren Flügeln nimmermehr unter— gehen. Auf dieſe Weiſe gibt man den Seelen einen Punkt außerhalb der Welt, von wo aus dieſe aus den Angeln gehoben, und ihr Leid in eitel Gedanken des Friedens verkehrt wird; ſo macht man ſtille, feſte Herzen, welche geduldig ausharren im Krieg des Lebens! Wer ſich in dieſem blinden (aber auch wie lichten!) Vertrauen aufs Wort übt, der lernt den Kampf des Glaubens verſtehen; er ſchlägt ſeine Arme nicht bloß um das Wort, ſondern im Worte um den HErrn ſelber, der ein Fels heißt, und nimmt ſo nach und nach des Felſens Natur ſel— ber an, der keinem Unfall zu Gefallen von ſei— nen Wurzeln und Grundfeſten weicht. Man zeige angefochtenen Seelen überall und in al— len Fällen, daß aller Mangel verſchwinde, alle Sünde vergeben ſei, ſo wie man ſich nur wie— der mit unbedingtem Vertrauen zum Worte vom Kreuze wende, ja, daß aller ihr Jammer nur daher komme, ſammt allen Sünden, daß man immer wieder von dem reinen, fühlloſen Glauben und Vertrauen auf Gottes Verhei— ßungen weiche. Man ſuche zu ſolchem Zweck für die verſchiedenen Krankheiten des geiſtli— chen Lebens einige wenige, helle, deutliche Sprüche der Schrift, und wende ſie betend zum Troſte der geängſteten Seelen an in aller Einfalt. Prächtige Reden menſchlicher Weisheit, oder Gottes Wahrheit, in menſchliche Gewänder eingehüllt, helfen hie nicht: Gottes Worte zu Gottes Meinung, dieſe, den Herzen vorgeſagt und gelehrt, wie man ſie üben ſolle (denn ohne Uebung geht es nicht in rechter Glorie!) thun viel mehr, als aller Welt Beweiſe. Ein angefochtenes Herz hört oft kaum da, und muß durch der Seelſorger Engelanſehen aufgerafft werden, das ſchwache Auge des Glaubens vom Staube weg, Gottes Wort zuzukehren; es verſteht kaum Gottes nach der Unmündigen Verſtänd⸗ niß abgefaßte Rede, geſchweige mühſame menſch⸗— liche Schlüſſe und Demonſtrationen von der Gewißheit des ewigen Heils. „Ich glaube al— 57 les ganz einfach“ ſpricht das getröſtete Herz eines im HErrn Sterbenden, und ſtößt mit Recht den Menſchentroſt von dannen. Man fürchte nicht, daß es unrecht ſei, auf wenige, einzelne Sprüche das Heil der Menſchheit zu ſetzen: es iſt ja doch vergeblich, daß man die Leute heiße allen Gottestroſt und alles Got— tes Wort austrinken: das können Gelehrte eben ſo wenig, als ungelehrte Laien. Man fürchte auch nicht, daß der Geiſt der Anfech— tung die armen Leute lehre, ſich auf andere, ge⸗ gentheilige Sprüche zu berufen; man theile nur nach des Apoſtels Gebot Gottes Wort rich— lein am Worte hängt, — auf den ſchmalen“ tig, ſo muß offenbar werden, daß jeder Spruch ganz wahr und ein Himmel voll Seligkeit iſt. Man bleibe getroſt bei wenigen Sprüchen, und wiederhole ſie; man verſichere dabei oft und mit treuem Fleiße, daß dieſe Sprüche Got— tes Worte von ewiger Gewißheit, alle Menſchen aber Lügner ſind. Man vergebe der Schrift nichts, und gebe neben ihr keinem Men— ſchen Recht, auch wenn er richtig redet, damit das Volk von Menſchen abſebe, welche unzu— verläſſig ſind und nicht bleiben, und allein an ſeinen Gott ſich zu wenden, aus Seinem Worte allen Troſt zu nehmen ſich gewöhne. Iſt einer von Zweifeln angefochten, ſo bringe man nicht zur Widerlegung des Zweifels Vernunftbe⸗ weiſe; denn der Angefochtene ſieht nicht ein, daß Zweifel nicht aus der Vernunft, ſondern aus Unvernunft und Unverſtand kommen: er glaubt eben recht vernünftig zu ſein, wenn er zweifelt. Man halte dem Zweifler ein Gottes-— wort vor, und bleibe feſt dabei, daß es über alle Zweifel erhaben iſt: ſolche Glaubenszu— verſicht eines Seelſorgers ſchlägt den Zweifel nieder, und weckt Vertrauen auf, wo es ent— ſchlafen iſt; freie, auf Gottes Wort trotzende Verachtung der Vernunft, welche ſich wi⸗ der Gott auflehnt, treibt ſie von dem Plan. — Iſt einer in tiefer Buße, ſo ſpreche man die Abſolution des HErrn mit göttlicher Gewalt, und predige, daß die Abſolution größer und mächtiger ſei, als alle Sünden der Welt. Wird einem bange im Tode, ſo ſtimme man ein Dank— gebet zu Dem an, in deſſen heil. Schrift bei je— dem dritten Worte vom ewigen Leben geredet wird, und preiſe dem Sterbenden die große Sicherheit der göttlichen Verheißung, gegen welche auch der Tod mit all ſeinem Grau— ſen ein ſchändlicher Lügner ſei. Wird einer von Satans Liſt und Gewalt angefochten: wir wiſſen, welch ein Schwert wir in ſeine Hände zu geben haben. Will einer ſich ſelbſt reinſpre— chen und rechtfertigen: man zeige ihm Gottes Urtheil über alle Menſchen in Seinem Worte, und wie Gottes Urtheil aller Menſchen Wahn zernichte. Will einer ſündigen, man zeige ihm in Gottes Sprüchen Gottes Liebe und War— nung, Zorn und Fluch—was kann man mehr? So bekämpfte Chriſtus ſeine Feinde — die Schlange und den Schlangenſamen, und über— wand ſie allemal — bis zum: „Es iſt voll⸗ bracht!“ So erſchlug Luther im Namen Got— tes des Pabſtes Herrlichkeit und alle ſeine Lü— gen. So kann ein jeder für ſich den Sieg er⸗ ringen. Man bekenne ſich in Wort und Leben allezeit, in allen Fällen zu Gottes Wort: das iſt der beſte, ſchärfſte, ruhigſte, gewiſſenhafteſte Proteſtautismus. Denn ohne die Grundlage des göttlichen Wortes ſchwebt der Glaube in den Lüften und im Nebel, iſt Traum und Ein⸗ bildung. Dieſer Weg ſchafft Frieden: er ſcheint leicht; aber es iſt nichts ſchwerer, als ihn — gehen und gehen lehren. Man ſchaue die Pre— digten der meiſten Prediger an, was ſind ſie? Schöne Worte, wohlgeordnete Sätze, prächtige Tiraden, Aufwand, Qual und Qualm der Worte; aber die Methode des Glaubens, die Seelen auf Gottes Wort zu gründen, verſtehen ſie nicht. Von unſern Predigern und Seelſor⸗ gern ſind hundert myſtiſch und Werkprediger, bis Einer in ſelbſtverleugnender Liebe zu Got— tes Wort nichts zu ſagen begehrt mit allem, was er ſagt, als was Gott ſagt, bis Einer ſich ſeine größte Ehre daraus macht, Gottes Wort triumphiren zu laſſen über ſich und ſeine Gabe, anſtatt mit ſeiner Gabe über Gottes Wort und Text zu ſchreiten, und an ihnen zum Ritter werden zu wollen. Hätten mehr Prediger ih— ren Frieden in Gottes Worte gefunden, ſo gäbe es weniger gelehrte Schwätzer auf den Kanzeln, unter denſelben mehr befriedigte Ge— müther, die da wüßten in Gewißheit, an wel— chen ſie glauben, die in Noth und Tod ruhig behaupten köunten: „Mein Freund iſt mein, und ich bin Sein!“ Ueberlegt es, liebſte Seelen; — und iſt es falſch, ſo redet beſſer, denn es iſt der Mühe werth, über den Weg zum Frieden zu reden! Friede mit euch! Amen· Kirchliche Nachricht aus dem Weſten. Wir können nicht unterlaſſen, unſeren Brü— dern im Oſten hierdurch die Nachricht mitzu⸗ theilen, daß das lutheriſche Zion hier im fer— nen Weſten ſeit Kurzem wieder einen Zuwachs von vier tüchtigen Arbeitern erhalten hat. Zwei derſelben haben ihr Arbeitsfeld in Illi⸗ nois, und zwei in Miſſouri gefunden. Der erſte iſt der vormalige Paſtor in Toledo (Ohio), Herr F. Lochner. Derſelbe war von ſei— ner Gemeinde (die er nur unter der Bedin⸗ gung, daß ſie eine lutherische ſein wolle, angenommen hatte) genöthigt worden, ſeinen Wanderſtab weiter fortzuſetzen, weil ihn die große Mehrheit hatte zwingen wollen, auch ſolche Reformirte in die Gemeinde aufzuneh⸗ men, welche keine Glieder der luth. Kirche ſein und ſich nicht allein zu dieſer Kirche und ihrer Lehre bekennen wollten. Der Anmu-— thung einer ſolchen falſchen Union und Kirchen⸗ mengerei konnte ſich Herr Paſtor Lochner, der der lutheriſchen Kirche von Herzen zuge⸗ than iſt, natürlich nicht fügen, er folgte daher einer Aufforderung, ſich hieher zu wenden, und hat nun den Beruf zweier deutſch-lutheri⸗ ſcher Gemeinden in Illinois, der einen in der Nähe von Collinsville (12 Meilen von hier) und der anderen von Edwardsville, angenom⸗ men und ſein Amt in denſelben bereits ange⸗ treten. Der zweite unter den Ankömmlingen iſt der vormalige Candidat des Predigtamtes Herr