# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1857_S159 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 159 Geist der Deutschkatholiken und freien Gemeinden aus den Jahren 1848 und 1849, aus welchen sie ja selbst ihrem eigenen Zeugnisse nach stammt. In Schwarzburg⸗Sondershausen, so schreibt der „Freimund“, in dessen Kirche es im Ganzen noch sehr trübe aussieht, ist ein unerwarteter Schritt zum Bessern ge⸗ schehen. An der Spitze des Kirchenregiments stand in diesem Ländchen seit langen Jahren Superintendent Schneemann in Sondershausen, ein Rationalist alter Schule, der keinen Begriff hatte von der Kirche und ihrem Leben und noch in den vierziger Jahren eine Schrift gegen die lutherische Versöhnungslehre herausgegeben hat. An dessen Stelle nun hat noch zum Schlusse des Jahres der Fürst (den Gott dafür segnen möge) den Pfarrer Zahn aus Wasserthalleben (bei Sondershausen) berufen, einen eifrigen und kräftigen Zeugen für die Herrlichkeit der lutherischen Kirche. Derselbe ist Mitglied der thüringischen lutherischen Con⸗ ferenz in Erfurt, und dadurch allen treuen lutherischen Christen Thüringens bekannt und wegen seiner Gaben und seines Eifers lieb und werth. Hamburg im October. Der unirte Probst Krause, so schreibt die Dorfkirchenzei⸗ tung, aus Breslau ist nun hier und schon mitten in Thätigkeit. Gegen seine Anstellung war von etlichen Predigern, die man zu den „Gläubigen“ zählt, zweimal protestirt; da dies aber nichts fruchtete, gaben sie sich auch so zufrieden. An dem colloquium orthodoxiae (Ge⸗ spräch über die Rechtgläubigkeit), durch welches man seinen Unglauben hätte ans Licht brin⸗ gen und in Folge dessen seine Anstellung verhindern können, nahmen die beiden Pastoren, welche dazu besonders fähig gewesen, keinen Antheil; und so ward Herr Krause, der sich nicht scheute, die symbolischen Bücher zu unterschreiben, evangelisch⸗lutherischer Pastor. Ob die Fruchtlosigkeit des gegen Krause's, wie das Jahr zuvor gegen Gra⸗ pengießer's Anstellung erhobenen Protestes daran Schuld ist, oder etwas anderes, weiß ich nicht — genug, es sind seit etwa 1½ Jahren noch mehrere Rationalisten hier angestellt, ohne daß Protest dagegen erhoben wurde. Eine gewisse Scheidung zwischen den gläubigen und ungläubigen Pastoren findet nun allerdings Statt, indem sie keinen vertraulichen Um⸗ gang mit einander pflegen; aber in Einer Kirche, in Einem Amte stehen die Bekenner mit den Leugnern der Gottheit Christi doch, von Einem Brode essen, von Einem Kelche trinken sie beide. In GOttes Hause Freund, im eigenen Hause fremd! Damit hat man seinem Ge⸗ wissen genug gethan; aber auch dem Worte GOttes und dem lutherischen Bekenntniß? St. Johannes sagt im zweiten Briefe V. 10—11.: So Jemand zu euch kommt und bringt diese Lehre nicht, den nehmet nicht zu Hause und grüßet ihn auch nicht, denn wer ihn grüßet, der macht sich theilhaftig seiner bösen Werke. Dazu bemerkt Einer: „Ja man kehrt Johannis Sinn um und schämt sich vielleicht, mit offenbaren Lästerern und Schändern der göttlichen Wahrheit Privatumgang zu haben, etwa Kaffee mit ihnen zu trinken, aber — ach! unser Tisch ist uns heiliger ge⸗ worden, als GOttes Tisch!“ — Die Zionsgemeinde ist somit in ihrer nothge⸗ drungenen Separation von der Landeskirche, die offenbare Irrlehre hegt und duldet, abermals gerechtfertigt. Nicht mit ihr zu verwechseln ist eine, früher von einem Herrn Stammann und Huschmann geleitete Rotte von etwa 20 Personen, die längst nicht mehr zur Ge⸗ meinde gehören, weil sie nicht von ihr waren. Der Senat wirft uns freilich mit diesem Haufen zusammen, wogegen Einspruch vergeblich ist. Weiter ist von der Obrigkeit bisher nichts zu erlangen gewesen, als Gestattung eigenen Gottesdienstes nach alter rechtgläubiger Weise unter Leitung des Pastor Meinel (wohnhaft kleine Rosenstraße 11), der in Bayern heimathsangehörig ist und hier von Zeit zu Zeit eine neue Aufenthaltskarte lösen muß. Auch haben wir eine Schule von etwa 30 Kindern, welche von unserm Pastor confirmirt werden. Dagegen ist ihm das Taufen und Trauen gänzlich untersagt unter Androhung sofor⸗ tiger Ausweisung. Das müssen wir nun bei den hamburgischen Predigern nachsuchen. Diese Lage ist traurig. Doch rathen einstimmig alle rechtschaffenen Lutheraner auswärts, wir sollen dies als Noth tragen und ausharren, doch so, daß wir bei jedem einzelnen Falle sowohl gegen das Verderben der hiesigen Kirche, als gegen die Meinung protestiren, als wollten wir, indem wir von landeskirchlichen Pastoren unsere Kinder taufen lassen, in die Gemeinschaft der