# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1857_S158 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 158 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. der alte Freund und Genosse des Freigemeindlers Rupp und Uhlich und des rothen De⸗ mokraten Dulon, hat von der theologischen Facultät der Universität Gießen die höchste theologische Würde empfangen: er ist zum Doctor der Theologie ernannt worden! Das konnte nur einer Facultät möglich werden, die selbst einen Professor Credner hat. Gleiche Brüder gleiche Kappen.“ Paris. Folgendes berichtet der Pilger: „Prediger Maß aus Paris, für die Mission unter den dortigen Deutschen angestellt, berichtete jüngst, daß im Ganzen wohl 100,000 evangelische Deutsche in Paris seien, von denen etwa 10,000 lutherische Deutsche mit der Kirche noch in einem gewissen Zusammenhange stehen; es fehlen aber alle Mittel, um für dieselben zu sorgen. Die unter denselben thätigen Geistlichen haben so viel zu thun, daß sie es nie lange aushalten; besonders mangelt es noch an einer ordentlichen Kirche, welche allein den rechten Mittelpunct für die Sammlung der Zerstreuten abgibt. Die meiste Unter⸗ stützung haben bis jetzt die Franzosen gewährt, der König von Preußen hat auch ein Gnaden⸗ geschenk verliehen, sonst aber ist so gut als nichts geschehen, um so viele unserer deutschen Brüder der gänzlichen Verwilderung zu entreißen. Mangel an Theologie Studirenden. Auf dem Kirchentag in Lübeck ward unter anderm auch davon gehandelt, wie immer fühlbarer der Mangel werde an nachwach⸗ senden theologischen Kräften, d. h. an Jünglingen, welche sich dem geistlichen Amte widmen, wie namentlich auch so äußerst selten junge Männer aus den höheren Ständen dem Studium der Theologie und dem Dienst der Kirche sich zuwenden, wie Theo⸗ logie gegenwärtig häufig nur von solchen studirt werde, die mit geringen Mitteln gern etwas aus sich machen und wohlfeil zu Brod kommen wollten. Wie darum die Kirchenregimente Fürsorge treffen möchten, daß besonders Berufene auch in reiferem Alter noch in's kirchliche Amt eintreten könnten, für welche als Ausnahme ein besonderes Examen einzurichten wäre. Und Dr. Stahl bemerkt, daß christliche Familien die Pflicht hätten, unter mehreren Söhnen wenigstens einen auf das kirchliche Amt hinzuleiten. Viel komme auch auf die Gymnasien an; wo der Geist derselben ein christlicher sei, wende sich die Liebe der Jünglinge vorzugs⸗ weise dem theologischen Studium zu, wie z. B. in Gütersloh. (Pilger.) Die kirchlichen Katechisationen mit der erwachsenen Jugend sollen laut einer Generalverfügung des Königsberger (unirt-evangelischen) Consistoriums dort wieder einge⸗ führt werden. Nördlingen. Von dieser Stadt, in welcher längere Zeit schon ein so vortrefflicher Prediger, wie ein Wucherer, das Wort der Wahrheit verkündigt hat, berichtet der „Frei⸗ mund“: Der neugewählte Kirchenvorstand zu Nördlingen hat dem Vernehmen nach gleich in seiner ersten Sitzung folgende Beschlüsse gefaßt und sie zur Genehmigung an die Kirchenbe⸗ hörden eingesandt: 1) Der Altargottesdienst soll in der Hauptkirche wieder abgethan werden. (NB. da ist nicht die neue Gottesdienstordnung gemeint, die dort noch nicht eingeführt worden, son⸗ dern das Verlesen eines Gebets, einer sonntäglichen Pericope und das Sprechen des Glaubensbekenntnisses; auch das ist ihnen zu viel!) 2) Das neue Gesangbuch soll wieder beseitigt und das alte von 1811 beibehalten werden. 3) Desgleichen soll auch das neue Choralbuch wieder außer Brauch gesetzt und sollen nur die frühern 12 rhythmisch rectificirten Choräle neben dem alten Choralbuch beibehalten werden. 4) Es soll keine Kirchenzucht eingeführt werden. 5) Es sollen zur nächsten Generalsynode eben so viele weltliche als geistliche Mitglieder ge⸗ wählt werden. Frankfurt. Hier ist vor Kurzem eine neue Kirchenordnung der „evangelisch-luthe⸗ rischen“ Gemeinde zu Frankfurt erschienen, nach welcher diese Gemeinde bekenntnißlos und die Prediger derselben als armselige Menschenknechte dastehen. Nicht genug, daß darin das „evangelisch-lutherische“ und das „evangelisch-reformirte“ Consistorium zusammengejocht ist, so spricht aus dieser Kirchenordnung, wie der „Freimund“ bemerkt, selbst allenthalben der