# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1857_S156 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 156 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. Worin der Unterschied zwischen der lutherischen und reformirten Kirche bestehen soll, sagt der in Tiffin, O., herauskommende „Evangelist“, Organ der Deutsch⸗Reformirten, in der Nummer vom 1. März d. J. Die Darstellung soll wahr⸗ scheinlich geistreich sein, ist aber so beschaffen, daß sie nur etwa als ein Curiosum interessiren kann. Als ein solches Curiosum theilen wir denn den Artikel mit. Es heißt darin: „1. Der Eckstein der reformirten Kirche ist der Grundsatz“ (also nicht Christus, sondern ein Grundsatz?) „daß Gottes Wort die alleinige Richtschnur des Lebens ist“ (Also nicht auch des Glaubens?) „Der Eckstein der lutherischen Kirche ist der Grundsatz (?), daß wir nur durch den Glauben an Jesum gerechtfertigt werden. Die Augsburgsche Confession über⸗ geht die alleinige Autorität der Schrift mit Stillschweigen.“ (Sollte heißen: setzt dieselbe voraus.) „Alle Bekenntnisse der reformirten Kirche aber stellen dieselbe an die Spitze.“ (Leider steht sie aber eben nur an der „Spitze“, nicht drinnen.) „2. Die reformirte Kirche sagt: Wo der Geist Christi ist, da ist auch die Kirche. Die lutherische Kirche umgekehrt: Wo die Kirche ist, da ist auch der Geist Christi.“ (Unwahr! — So wie hier der Gegensatz gestellt ist, trifft die Beschuldigung nicht die lutherische Kirche selbst, sondern Halbpapisten in⸗ nerhalb derselben.) „Die Reformirten legen deshalb mehr Nachdruck auf Bekehrung, Wie⸗ dergeburt und den Glauben des Einzelnen an einen persönlichen (!?) Heiland. Die Luthe⸗ raner aber legen mehr Nachdruck auf die Gnadenmittel, Sacramente, auf die Kirche als Weg zur Seligkeit“ (oho!) „und auf das Amt des Kirchendieners oder Predigers.“ (Recht ver⸗ standen, ist der Punct von den „Gnadenmitteln“ richtig; nur darf man nicht vergessen, daß, wo man nicht den größten Nachdruck auf die Gnadenmittel legt, man auch nicht den rechten Nachdruck auf Bekehrung, Glauben ꝛc. legen kann, denn das sind gewissermaßen Correlate.) „3. Die reformirte Kirche ist für die Union, die lutherische für Sonderung.“ (Das ist wahr — recht verstanden.) „4. Die reformirte Kirche dringt auf Kirchenzucht und christliches Leben als Frucht des Glaubens, die lutherische Kirche mehr auf Rechtgläubigkeit.“ (Siehe Anmerkung zu No. 2.) „5. Die reformirte Kirche will alle Gebräuche abschaffen, die nicht ausdrücklich in Gottes Wort vorgeschrieben sind.“ (Sie thuts aber natürlich nicht, weils nicht möglich ist, da in Gottes Wort nur das vorgeschrieben ist, was zur Selig⸗ keit nöthig, die Wahl der sonst nöthigen Ordnungen und Gebräuche aber der Freiheit der Kirche überlassen ist.) „Die lutherische Kirche will alles behalten, was nicht aus Gottes Wort widerlegt werden kann.“ (Sonderbar ausgedrückt, doch scheint das Richtige gemeint zu sein, daß nehmlich unsere Kirche nicht so toll ist, etwas deswegen zu verwerfen, weil der Pabst es auch hat.) „Die Reformirten sind also (!) in ihrem Kampf gegen die römische Kirche entschieden und verfahren angriffsweise, während sich die Lutheraner nur vertheidigungs⸗ weise gegen dieselbe halten.“ (Verwirrung!) „6. Die reformirte Kirche will Volkskirche, die lutherische — Staatskirche sein.“ (Nennt man in der Logik einen Elenchus accidentis.) Zwar schließt diese Characteristik mit der Nachbemerkung: „Hiermit soll nun nicht gesagt sein, daß alle, die sich lutherisch nennen, wirklich so lehren, wie in diesen 6 Puncten angegeben ist, auch nicht daß alle, die sich reformirt nennen, dieselben Unterschiede festhalten. Dies ist nur der Unterschied im Allgemeinen,“ — allein auch hiermit ist dieser wunderlichen Characteristik nicht geholfen, sie bleibt — eine, wir glauben, nicht bös gemeinte, Curiosität, und zwar eine in sich um so harmlosere, da sie nicht des „Evangelisten“ eigenes Product, sondern, wie er selbst sagt, „meist nach Merle d'Aubigne bearbeitet“ ist! Nichts desto weniger sind jedoch dergleichen vage schiefe Characteristiken für manche irreleitend, und darum schäd⸗ lich. Daher unsere sine studio et ira abgefaßte Critik. Die Alleghany Synode, versammelt im October v. J., erklärte bei dieser Gele⸗ genheit, ihre fortdauernde Anhänglichkeit an die Lehrbasis der Generalsynode und verwarf zugleich feierlich die oft genannten angeblichen Irrthümer der Augsburgschen Confession, sagte sich somit feierlich von der lutherischen Kirche los, jedoch mit Beibehaltung des lutherischen Namens. Spiritualismus oder Geisterklopferei. Welche Verbreitung dieser gottlose Aberglaube, der mehr und mehr darauf ausgeht, eine neue besondere Religion zu con⸗