# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1857_S155 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 155 seiner Section auf der Südseite von Adelaide, woselbst er früher fungirte und wo auch ein recht hübsches kirchliches Gebäude steht. Es war aber immer sehr leer und gehörten, selbst in der größten Blüthe, kaum 20 Lutheraner dazu. Denn obgleich in Adelaide wohl circa 3000 Deutsche sein mögen, so gehören dieselben dem größten Theile nach zu gar keiner Kirche und liegen entweder dem Rationalismus in den Armen, besonders die Vornehmen, oder sind Separatisten, oder bloße Wirthshausleute. Der bessere Theil hält sich zu einem Prediger Namens Burschel, welcher wohl gläubig, aber von aller theologischen Bildung ledig sein soll und sich hauptsächlich mit der Auslegung der Propheten und Offenbarung Johannis befaßt, so daß er vom Chiliasmus schwärmt. Er wohnt in Klemzig, woselbst er alle Sonntage früh predigt, und des Nachmittags in einer englischen Capelle zu Adelaide. Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. Amerika. Ein neues Geständniß der Methodisten. So schreibt im „Apologeten“ vom 26. Febr. d. J. ein Methodistenprediger: „Offen ausgesprochen, der Mangel an Pre⸗ digern hat vom ersten Anfang unseres Werkes an bis auf diese Stunde manchen Mann ins Predigtamt gebracht, der vielleicht sich selber wie der Mitwelt in jeder anderen Stellung nütz⸗ licher und segensreicher hätte werden können.. Der Methodistenprediger findet in unseren Tagen, so zu sagen, Concurrenten in seinem Geschäft. Früher, wenigstens im Westen, waren es die Methodistenprediger, die zuerst die Posaune des Evangeliums helle bliesen, laut schreiend: Thut Buße und glaubet an den HErrn JEsum! — Die Zeiten haben sich geändert. Jetzt erschallt die Predigt von der Buße und dem Glauben von den meisten deutschen Kanzeln her⸗ unter. Wir danken Gott dafür, glaubend, ja wissend, daß die Methodistenkirche und das Wirken der verachteten Methodistenprediger es waren, welche andere Kirchen und Prediger aus dem Schlafe aufweckten.“ — Zwar gönnen wir herzlich diesen Trost den armen Metho⸗ disten, allein sie sollten auch nicht vergessen, daß z. B. wir hier im Westen, ehe die Methodisten hieher kamen, laut Buße und Glauben durch Gottes Gnade mit Ernst gepredigt haben, daß aber einstmals die Herrn Methodisten jeden als einen unbekehrten, sichermachenden Mieth⸗ ling auszuschreien suchten, der nur die methodistischen Irrthümer nicht gut heißen wollte, mochte er immerhin Buße zu Gott und den Glauben an den HErrn JEsum in Selbstver⸗ leugnung, in Mangel und tiefster Schmach vor der Welt verkündigen. — — Neben obigem Geständniß nimmt es sich nun freilich sonderbar aus, daß der Herausgeber des Apologeten in derselben Nummer von einem eingesandten Artikel eines Methodistenpredigers über den Bann sagt, daß sich eines solchen Artikels „kein Professor der Theologie zu schämen brauchte“! In diesem Artikel heißt es u. A.: „Die Bannflüche der Päbste und der altlutherischen Pre⸗ diger, die sie über die sogenannten Ketzer aussprechen, sind nicht zu fürchten.“ Zugleich aber heißt es: „Bei uns (Methodisten) verfehlt der Kirchenbann oft seinen Zweck, und zwar weil das Ausschließen etwas zu allgemein ist in manchen (methodistischen) Gemeinden.“ Die armen Menschen bedenken nicht, daß sie, wenn sie die Kraft der Absolution leugnen, na- türlich auch den rechten Bann nicht haben können. — Wir können nicht unterlassen, hier das merkwürdige Urtheil mitzutheilen, welches ein Glied der sogenannten evangelischen Gemein⸗ schaft (der sogenannten Albrechtsleute) sowohl über diese Gemeinschaft selbst, als über die der Methodisten gefällt hat und welches der Herausgeber des christlichen Botschafters von Cleveland (Organs der ev. Gem.) in der Nummer vom 11. März d. J. beistimmend ver⸗ öffentlicht. Es ist dieses: „Die Methodistenkirche steht in Gefahr, durch den Hochmuth, und die evangelische Gemeinschaft durch den Geiz zum Falle zu kommen.“