# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1857_S151 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Bayern. 151 und beweist dies unter andern auch damit, daß sie mit Freuden einen Vorort der kirchlichen Bewegung unterstützte, der bis jetzt meist wenig Beachtung, hie und da aber Anfeindung gefunden hat, der aber annoch, wie es mir scheint, über den Horizont der meisten bisherigen Bewegungen hinaussieht. Dieser Vorort ist die Zionsgemeinde in Hamburg, die in ihrem bescheidenen, stillen, schönen innern und äußern Bau eine Fahne ausgesteckt hat, auf der eine Wahrheit steht, für deren Aeußerung sie und ich, ihr Advokat, noch eine Weile Schläge bekommen werden, die echt protestantische Wahrheit nämlich, daß in einer und derselbigen Stadt zwei rechtgläubige Gemeinden von ganz verschiedenem Regimente und Verfassung erblühen, stehen, bleiben und sich lieben können, ohne daß sie kirchenregimentlich in einander übergehen. — Es kann ja geschehen, daß alle lutherischen Gemeinden der Welt, wenn es ihre bischöflichen Behörden leiden, sich irgendwie zu einem kirchenregimentlichen Ganzen vereinen; aber es muß nicht sein, es liegt nicht sehr viel daran, es ist nicht noth zur Einigkeit. Weit mehr ist noth, die einzelnen Gemeinden zu heben und zu bauen, und sie durch die wunderbare Harmonie des gemeinsamen freien Bekenntnisses und der gemeinschaftlichen Sacramentsfeier zu vereinen. Aus dem bisher Gesagten erhellt der geehrten Versammlung, welches meine Ansicht von Staats- und Landeskirchen sei. Ich bin kein Lobredner derselben, ich sehe in ihren Gestaltungen nicht das Beste, was es geben könnte; ich verwerfe sie aber auch nicht; ich erkenne das conservirende und pädagogische Element in ihnen, gönne es den Gemeinden, so wie sie sind, und wünsche vor allem eins, daß sie von den Sonderkirchen den rechten Ausbau der einzelnen Gemeinde, deren Hebung und Förderung möchten lernen, und wenn es sein kann, hierin die Sonderkirchen übertreffen. Pfarrer Reuter sichert uns eine freundliche Aufnahme zu, wenn wir zum Centralverein zurückkehren wollen. Etliche von uns waren niemals Glieder des Centralvereins und müßten frisch hinzutreten; sie werden es aber mit Freuden thun, und die übrigen mit Freuden zurückkehren, nach dem der Centralverein confessionell mehr gesäubert und seinerseits zu den Grundsätzen der lutherischen Kirche zurückgekehrt ist. Sie werden auch gerne mit nach Leipzig gehen und für die ostindische Mission eifern. Aber werden sich auch unsere bisher sogenannten befreundeten Gegner mit uns zur innern Mission vereinigen? Werden sie sich, nachdem die Furcht vor dem Austritt weg ist, nicht scheuen, mit uns zusammenzugehen? *) Auch unsere Thätigkeit, wie die von Leipzig, ist nicht an ein einzig weltlich Territorium gebunden; nicht bloß in Ostindien, auch in Amerika stehen Kinder der bayerischen Landeskirche in Arbeit, und zwar in Amerika ungleich mehr als in *) Vergleiche von hier an die Reuter'sche Rede. Zwölfter Jahresbericht des evang.-luth. Missionsvereins in Bayern. p. 31 f.