# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1857_S150 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 150 Bayern. Bei diesen mir gewordenen Ueberzeugungen erkenne ich es weitaus für den wichtigsten Fortschritt, den die lutherische Kirche in der neuen Zeit gemacht hat, daß in Amerika und Deutschland selbstständige lutherische Gemeinden entstehen mußten, die bei ihrer Bildung und Verfassung auf den Staat und seine Unterstützung nicht rechnen dursten. Da kamen die lutherischen Gemeinden nach 300 Jahren in die Nothwendigkeit, welcher sie vor 300 Jahren überhoben wurden, nämlich sich zu besinnen, welches die richtige Verfassung der Gemeinden, das richtige Verhältniß der Gemeinden zum Amte, der Gemeinden zu einander und der Gemeinden zum Staate sei. Allenthalben machen nun diese Gemeinden zum Besten und zur Orientirung der ganzen lutherischen Kirche, auch der Landeskirchen, wichtige, nicht bloß theoretische, sondern auch practische Studien über die für das Leben und die Führung der Gemeinden und ihrer Glieder hochwichtigen Fragen des irdisch kirchlichen Lebens. Und ich erachte es für ein großes Glück, insonderheit der Landeskirchen, sich im Werden selbstständiger Gemeinden spiegeln zu können. Es hat eine jede Lage ihre besondern von Gott gewollten Vortheile. So haben die Landeskirchen bei ihrer Gebundenheit den Vortheil, die Fehler der ihnen voranschreitenden selbstständigen Gemeinden vermeiden, dagegen aber auch all dem Guten nacheifern zu können, was sich unverkennbar bei den sämmtlich lebendigeren lutherischen Einzelkirchen findet. Werden die rechtgläubig lutherischen Landeskirchen mit den selbstständigen Gemeinden desselben Bekenntnisses, zufrieden mit der edelsten Gemeinschaft, der Kirchengemeinschaft, ohne Begier, sich gegenseitig aufzulösen oder zu verschlingen, redlich ihre Wege gehen, so werden sie sein wie zwei Hände, deren eine die andere wäscht und die so beide rein werden und sich zu gemeinsamer Arbeit stärken können. Werden aber die Landeskirchen den echt papistischen Grundsatz verfolgen, als sei eine wahre Einigung der Gemeinden nicht durch den Schwur auf die gleichen Symbole, nicht durch den gemeinsamen Genuß des Sacraments, sondern erst durch die Rückkehr unter Ein landeskirchliches Regiment vollzogen; werden sie und am Ende auch die Führer der selbstständigen Gemeinden auf diese gewaltige und gewaltsame Weise dem lutherischen Grundsatz widersprechen, daß Gleichheit der Kirchenverfassung wie der Ceremonien nicht nothwendig zur Einigkeit seien; so werden sie damit sich selbst eine Ursache werden des Verderbens, sie werden die Brücke zu einem Pabstthum bauen und schuld daran werden, wenn etwa in kommenden Tagen eine von Gott vorbehaltene schönere Blüthe des kirchlichen Wesens nicht in und aus, sondern neben der lutherischen Kirche erwächst. Die Gesellschaft für innere Mission hat nachweisbar die Ehre gehabt, fast alle während der Zeit ihrer Wirksamkeit in Deutschland und Amerika neu entstehenden lutherisch⸗kirchlichen Gestaltungen irgendwie zu unterstützen, und wenn sie es Jahre lang mit Fleiß und Eifer gethan hat, so lag Grund und Ursache ihrer Treue und Beständigkeit in den so eben (p. 44 a. b.) ausgesprochenen Ueberzeugungen ihrer Leiter. Sie ist auf dem Wege ihrer Erfahrungen an ihren Ueberzeugungen auch nicht irre geworden. Sie bewies