# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 01 05_S56 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 6 Kindern, Pferden und Leuten fortgehen. Ja ich mochte es anfangen, wie ich wollte, ſo ſollte und konnte ich von dem Meinen nichts mehr haben. Mein Sohn, der dies alles wußte, ſagte zu mir: „Allerliebſte Frau Mutter, ich bitte Sie von Herzen, kehren Sie ſich an das nicht, ob Sie gleich ſo wenig Geld haben! Sie werden ſehen, Gott läßt uns nicht. Vielleicht verſucht Sie der liebe Gott, ob Sie auch ihm recht vertrauen, wenn Sie nichts haben. Laſ⸗ ſen Sie dieſe gute Gelegenheit vorbei, ſo wird Sie Gott ſtrafen, daß Sie gern werden gehen wollen und nicht können! Sie ſehen ja, daß Gott ſelbſt alles ſo wohl ordnet: wir wollen ihm nur folgen. Laſſen Sie ſich auf halten, ſo gehe ich allein fort. Gott läßt mich nicht, das weiß ich, es gehe dann, wie es wolle.“ (Schluß folgt.) Von dem göttlichen Worte, als dem Lichte, welches zum Frieden führt.) Von W. Löhe. Woher kommt es doch, daß bei ſo vielen kräf— tigen Predigern, welche Gott in den letzten Jah⸗ ren Seinem Volke geſchenkt hat, ſo wenige Menſchen gefunden werden, welche zum Frie— den der Rechtfertigung hindurch dringen? — St. Johannes in ſeinem erſten Briefe 3, 2. ſpricht mit großer Zuverſicht von ſich und den Seinigen: „Meine Lieben, wir ſind nun Gottes Kinder“ — v. 14.: „Wir wiſ⸗m ſen, daß wir aus dem Tod ins Leben gekom— men ſind“ —und 4, 4. redet er ſie an: „Kind⸗ lein, ihr ſeid von Gott!“ Es gibt alſo eine Gewißheit von der Kindſchaft Gottes und Menſchen, die von ſich ſagen können, ſie ſeien vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. Warum gibt es denn aber heut zu Tage ſo we— nig ſolche Menſchen? warum erſchrecken die meiſten Menſchen, wenn ihnen unausweichlich, auf Ja und Nein die Frage vorgelegt wird: „Biſt du wiedergeboren? biſt du ein Kind Got— tes? biſt du im Leben, das aus Gott iſt?“ Warum kommt ſo ſelten auf dergleichen Fra⸗ gen ein ſtilles, demüthiges, feſtes: „Ja, du ſagſt es!“? warum meiſtens ein erröthendes: „Nein!“ ein verlegenes: „Ich weiß nicht!“ ein ſtürmiſches, leidenſchaftliches: „Ja!“ dem man es gleich abmerkt, daß es, vom Augenblick geboren, ſchlechter iſt, als: „Nein!“ und „Ich weiß nicht!“? — Warum wachen in den Pre-⸗ digten evangeliſcher Lehrer ſo viele, namentlich junge Herzen auf, hören ſehnſuchtsvoll und fleißig, ringen und kämpfen, daß man für ihre Redlichkeit einſtehen zu können glauben ſollte; — und nach wenigen Jahren, bei Veränderung der Verhältniſſe, wenn ſie ſich verehelichen, *) Wir theilen dieſe in Deutſchland ſchon in der dritten Auflage erſchienene Schrift zum größten Theile mit, durch die Erfahrung belehrt, daß die meiſten hieſigen Prediger, die das Evangelium und das ſogenannte lebendige Chriſtenthum noch zu predigen Willens ſind und es zu predigen vermeinen, dabei eben die falſche Methode anwenden, die der theure Ver⸗ faſſer hier als ſchriftwidrig und unevangeliſch bezeichnet und ſtraft. Gott gebe den Lehrern und Zuhörern für die darin enthaltene Belehrung und Warnung offene Augen und Her⸗ zen, daß erſtere nicht bei dem beſten Willen, ihre Zuhörer zum Himmel zu weiſen, ſie verführen, und daß letztere nicht in der beſten Hoffnung, zum Himmel geleitet zu werden, ſich perführen laſſen, A. d. R. 56 oder überhaupt ihren eigenen Heerd bauen, verſchwindet das junge Chriſtenthum mit den rothen Wangen; und eben jene hoffnungsvol⸗ len Erweckten, die Freude und Krone ihrer Lehrer, werden erfunden als des Graſes Blume, die, nicht von jenſeits, ſondern aus der Erde entſproſſen, ihre Zeit hatte, wie alles Ding in der Welt? Was iſt's, daß maucher reifende Mann, manche nüchtern gewordene Frau auf die Erweckung ihrer Jugend ſchmerzlich lä— chelnd ſehen, und behaupten, dieſe Erweckung ſei ihre Jugendfreude geweſen, wie denn ein jeder ſeine Jugendfreude habe, — ſie ſei aber, wie andere Jugendfreuden, obſchon allerdings reiner und heiliger, doch nur Schwärmerei ge— weſen? Woher kommt's, daß ſo Mancher auf junge, in der erſten Erweckung glühende See— len mit einer Art von Geringſchätzung herab— ſieht, und ſpricht; „So bin ich auch einmal geweſen; es war aber nichts!“? Es können vielleicht von dieſen traurigen Erſcheinungen unſerer Tage mancherlei Urſa⸗ chen nachgewieſen werden. Ich möchte insbe⸗ ſondere Folgendes eurem Urtheile vorlegen. Bedenket, Brüder, ob, was ich ſage, wahr iſt? Wenn eine Seele erweckt iſt, und nun ernſt— lich fragt: „Was muß ich thun, daß ich ſelig werde?“ ſo heißt es ganz richtig: „Suche IE- ſum und ſein Licht! Alles andre hilft dir nicht!“ Aber wo man Chriſtum ſuchen ſolle, davon wird in der Regel eine ſchlechte Anweiſung ge— geben. Meiſtens weiſt man den Fragenden an, auf ſeinen Knieen den HErrn zu ſuchen, mit Sehnſucht und Verlangen des Geiſtes nach ihm zu rufen; ſo werde Er nicht ermangeln, zu erſcheinen — zu Seiner Zeit, zur beſchloſ— ſenen Stunde. Die armen Seelen verſuchen nun alles; ſie ſchreien: ſie laſſen den Allgegen⸗ wärtigen nicht, Er ſegne ſie denn; und der All⸗ gegenwärtige, welcher das Schreien der jungen Naben hört, ſegnet ſie auch mit freudigem Be— wußtſein Seiner Nähe. Wonnevoll ſteht der Erweckte auf von ſeinen Knieen, und glaubt, — glaubt, daß Er ſeinen Heiland nun gefun— den habe; ſein zitterndes Herz ſtürbe, wie Si— meon, gern; denn es hat Gottes Heil erfah— ren. — Aber ach, das iſt vorübergehend; dem Kinde, dem Jüngling in Chriſto werden ſolche Stunden oft gegeben; je älter man im Chri— ſtenthum wird, deſto ſeltener empfängt man ſolche Freudenregungen; und hat man nach ihnen ſein Chriſtenthum gemeſſen, ſo fällt's da— hin; man geräth in ein trübes Sehnen nach dem, was dahinten iſt, und wird eine traurige Salzſäule, wie Loths Weib, welche rückwärts ſah, und darüber das vor ihr liegende Zoar, den ſtillen Ort der Rettung, nicht erreichte. Liebe Brüder! Dieſer Weg führt nicht zum Frieden, nicht zu der gottergebenen Zuverſicht, daß uns von der Liebe Gottes nichts mehr ſcheiden könne. Dieſer Weg iſt offenbar nichts anders, als ein Weg des Gefühls und der Werke. . Wenn jemand erweckt iſt, ſollte es daher mit unſer erſtes Geſchäft ſein, ihm zu ſagen, daß die Anfregung ſeines Gemüths und ſeine etwa vorhandene Freude (denn nicht jede Erweckung geht durch ſtarke — ſei es ſüße oder bittere — Gefühle) nicht das Blei⸗ bende und Große bei der Sache ſei; er ſolle ſich freuen, als freue er ſich nicht, keinen ſo großen Werth auf dies Gefühl legen, daß er bei deſſen Ermangelung in den Grundſäulen ſeines Weſens wanken würde und beben; viel⸗ mehr ſolle er — und das iſt die Haupt⸗ ſache, welche wir rathen — vomAn⸗ fang bis ans Ende ſeines geiſtlichen Lebens nicht auf das Veränderliche in ihm ſelber ſehen, ſondern auf die un veränderlichen Verheißungen des Wortes Got⸗ tes, welche, Gott ſei Dank! außer uns, von unſern Gefühlen unangetaſtet ſtehen, eine gött⸗ liche Bürgſchaft und Gewißheit und eitel Si⸗ cherheits- und Freibriefe erlöster Seelen ſind. Ja, wir ſollten dieſe Verheißungen Gottes den neuerweckten Chriſten noch als größer und wich— tiger hinſtellen, denn ihren Glauben. Denn der Glaube iſt im Werke unſerer Erlöſung das, was im Menſchen und den Menſchen anver⸗ traut iſt, aber eben darum auch nicht immer ſich ſelber gleich, bald ſchwach, bald ſtark, während Gottes Wort ſchon Jahrtauſende lang ohne Wanken feſtſteht. So viel höher Gott iſt, als der Meuſch: ſo viel höher iſt Gottes Wort und Verheißung, als unſer Glaube. Der Glaube iſt klein und groß; Gottes Wort iſt einmal, wie das andremal. Gottes Wort iſt Gottes offenbarte Treue und Barmherzigkeit; Gottes Wort iſt Gottes Gnaden- oder Zornes— gegenwart, je nachdem man es will; — wo Gottes Wort und Verheißung, da auch Gottes Gnaden- und Lebenskräfte. Iſt darum eine Seele erweckt, ſo gebe man ihr allerdings den Rath: „Suche IEſum und ſein Licht! Alles andre hilft dir nicht!“ Aber man weiſe ſie in Gottes Wort und ſpreche: „Dies iſt's, was von ihm zeugt!“ Man heiße nicht erſt auf den Knieen Offenbarung Gottes erbitten, ſondern die vorhandene Offen⸗ barung und Erſcheinung Gottes in der Schrift auf den Knieen voll Dankes und Freuden an⸗ nehmen. Man zeige aus Gottes Wort mit einfachen, kräftigen Sprüchen, wer IEſus, was Sein Amt und Beruf ſei, wie groß Seine Treue: dann ſpreche man mit dem Anſehen. und der Zuverſicht eines erlöſeten Gotteskindes und eines Engels: „Nun kennſt du Ihn; Er iſt allgegenwärtig, namentlich wo Sein Wort, Seines Namens Gedächtniß iſt; Er liebt, die Ihn nicht ſuchen: warum nicht, die Ihn ſu— chen? — Was darfſt du ſeinen Verheißungen widerſprechen um deines trotzigen und verzag⸗ ten Herzens willen? Meinſt du, Sein Herz ſei wie deines? Nein, nein! Sein iſt Er⸗ barmung und Treue: du biſt unbarmherzig und Ihm untreu. Er weiß es, Er kennt dich. Trau Seinem Worte; werde nur an dem nicht irre; alles andere mag dir untergehen; mit allem andern mag es gehen, wie es will; Seine Verheißung fehlt dir nicht. In der Welt haſt du Angſt — was iſts? Bei Ihm, in Seinen Verheißungen haſt du Frie— den!“ — Hat man die Seelen alſo (Boos'ens Selbſtbiographie enthält gute Beiſpiele) in die Enge getrieben, daß ſie endlich ſich ergeben müſſen, auf's Wort hin ſelig zu werden: ſo vertraue man forthin nicht auf Anſtalten, nicht