# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1857_S147 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Etwas von der lutherischen Kirche zu Frankfurt a. M. 147 welche abwechselnd von dem französisch⸗reformirten Pfarrer, einem lutherischen Frankfurts und drei unirten aus dem benachbarten Churhessen, sowie von einem pensionirten Director des Gymnasiums gehalten wird. Diese Zusammenstellung gibt schon ein Bild der confessionellen oder vielmehr nicht confessionellen Richtung des Vereins, obwohl bei weitem die meisten Glieder sich äußerlich zur lutherischen Kirche bekennen. So gehen auch die Sammlungen des Missionsvereins nach Basel, und die Baseler Sendlinge zur Belebung des Missionseifers sinden hier bereitwilliges Entgegenkommen, während ein Antrag eines Mitgliedes, doch auch der lutherischen Mission zu gedenken, kalt zurückgewiesen wurde. Nicht anders stehts mit dem Jünglingsverein, wo ein jedes der wenigen Mitglieder seinen eigenen Glauben hat und eher eine jede Ketzerei geduldet wird, als die entschieden auftretende reine Lehre des Wortes Gottes. Wie hier die Leute ganz desselben Geistes sind, der zum Theil unter den Pfarrern Frankfurts herrscht, mögen folgende zwei Vorfälle beweisen. Als 1855 ein Pfarrer der nassauischen Lutheraner, der in Nassau um der seiner Kirche feindlichen Obrigkeit willen nirgends einen Wohnort finden kann, von dem aus er seine Gemeinlein bedienen könnte, nach Frankfurt ziehen wollte — bloß als Privatmann — so gab ihm die Obrigkeit willig auf ein Jahr die Erlaubniß, d. h. unter der Voraussetzung, daß sie nach einem Jahr wieder verlängert werden könne. Ehe aber noch die Aufenthaltskarte in seinen Händen war, erfuhr von seiner Anwesenheit ein lutherischer Pfarrer Frankfurts und schnell mehrere, und das soll die Ursache gewesen sein, daß man ihm nur auf drei Monate Erlaubniß gab, und Gott der HErr, deß Rechte allezeit den Sieg behält, war es allein, der die Verhältnisse so regierte, daß die Erlaubniß nach Ablauf verlängert wurde. Aber es gab doch das Erscheinen dieses „Altlutheraners“ eine große Bewegung in allen Kreisen, gleich als ob das böse Gewissen dieser neumodischen Lutheraner anfing zu schlagen, und dieser stille Mann, der froh ist und Gott dankt, nach zwei Jahren des unstät und flüchtig Seins wieder mit seiner Familie zusammen leben zu können, ist ein Gegenstand der Furcht worden, von dem selbst alle Gläubige sich zurückziehen, daß er mitten in der Stadt voll Volks einsam als ein völliger Fremdling lebt. Derselbe besuchte nämlich auch, um mit den christlichen Leuten bekannt zu werden, etliche male den Jünglingsverein. Bei den ersten Besuchen kannte ihn niemand und man hörte seine Auslegung der gerade vorgehabten Stelle gerne mit an und war dankbar, also daß man ihn bat, doch recht oft zu kommen. Beim nächsten male aber bemerkte er schon beim Eintreten eine allgemeine Verstimmung. Die Glieder wollten sich in dieser Stunde über das Abendmahl unterhalten, durch sein Erscheinen aber glaubten sie sich darin gestört und nahmen etwas anderes vor. Nachmals aber erfuhr derselbe, daß der Vorstand dieses Vereins bei dem evangelischen Verein, dessen Zweigverein jener nur ist, angefragt habe, ob er nicht einem altlutherischen Pfarrer den