# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1857_S146 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 146 Etwas von der lutherischen Kirche zu Frankfurt a. M. erhörter greulicher Wirrwarr, daß es manchem der Leser fast unglaublich vorkommen mag, wenn er hört, daß in Frankfurt Reformirte zum Abendmahl in lutherische Kirchen und Lutheraner hinüber laufen und niemand da ist, der solchem Unfug steure, daß in den lutherischen Kirchen fast meistens die unirte Austheilungsformel gebraucht wird: Unser HErr Christus spricht u. s. w., ja was noch ärger zu hören ist, daß ein Altar in lutherischer Kirche da ist, wo der eine dem lutherischen Glauben theilweise zugethane Pfarrer das Brod mit lutherischer, der andere rationalistische aber den Kelch mit unirter Austheilungsformel darreicht. Das ist freilich jenem kein Anstoß, denn er selbst steht in der Abendmahlslehre so, daß er unumwunden einem jeden, der es hören will, erklärt, er sei zwar lutherisch, aber kein Altlutheraner und könne ganz gut mit einem gläubigen Reformirten das Sacrament genießen. — Wie da von Handhabung irgend welcher kirchlicher und Sacramentszucht gar keine Rede sein kann, leuchtet klar ein. Das geht sogar so weit, daß im vorigen Jahr Männer, die jedem irgend christlich Gesinnten ein Aergerniß sind, offenbare Lästerer, und Deutschkatholiken zu Mitgliedern eines Presbyteriums — sogar auf Vorschlag der Pfarrer — gewählt wurden unter dem Vorwande, sie so zum Kirchenbesuch und in die kirchlichen Interessen hereinzuziehen. Dazu entbehrt auch die Stadt aller Eintheilung in Kirchsprengel; kein Pfarrer weiß, wen er als sein Gemeindeglied anzusehen hat, und je nachdem einem die Ohren jucken, laufen die Gemeindeglieder bald zu diesem, bald zu jenem Pfarrer zur Predigt, bald in eine lutherische, bald in die reformirte Kirche. Da ist ein völlig unirter Geist; das Bewußtsein vom Glauben der Väter ist ganz geschwunden; und kein Wunder, daß es bei dem Volke fast durchgängig also ist, kam es doch vor, als jüngstens der reiche Jude Rothschild starb, daß die Prediger einen aus ihrer Mitte, den Consistorialrath Dr. Friederich erwählten, dem Begräbniß desselben beizuwohnen, welcher denn auch keinen Anstand nahm, bei der Leiche im Hause eine Ansprache zu halten. Wir haben diese Ansprache nicht gehört, glauben aber nicht, daß er gepredigt hat, was Joh. 3, 18. geschrieben stehet: „Wer aber nicht glaubet, der ist schon gerichtet, denn er glaubet nicht an den Namen des eingebornen Sohnes Gottes.“ Dieser Heergang ist um so ärger, wenn man bedenkt, was im Munde des Volks geht, daß dieser Rothschild etlichen Juden, welche gedachten sich taufen zu lassen, auf Lebenszeit eine jährliche Summe ausgesetzt hat, die sie so lange beziehen, als weder sie selbst noch jemand der Ihrigen ein Christ wird. Wie wird da mit Gewalt aller Glaube darniedergerissen und vollends völlig alles confessionelle Bewußtsein ausgerottet. So ists aber auch in der That, wenn man in religiöser Beziehung die Lichtseite Frankfurts betrachtet. Diese ruht auf ihren vielen Vereinen und Stiftungen. Von erstern wollen wir nur einmal reden. Da hat man einen evangelischen Verein, Bücherverein, Volksbibliothek, Jünglingsverein, Missionsverein, Gesellenasyl, drei Judenmissionare u. s. w.; doch der evangelische Verein vereinigt alle christlichen Kräfte in sich. Er sammelt sich alle Donnerstag zu einer Bibelstunde,