# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1857_S145 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 145 (Aus dem „Freimund.“) Etwas von der lutherischen Kirche zu Frankfurt a. M. (Schluß.) Fragt man nun nach diesem allem, woran ist denn die Frankfurter Kirche als eine lutherische zu erkennen? so wird es schwer, eine tröstliche Antwort zu geben, denn die Kirche muß doch nach ihrem Bekenntniß aus ihren im Gebrauch befindlichen Büchern erkannt werden. Was hilft es, daß ehedem eine gute lutherische Agende da war? jetzt ist keine mehr da! Denn man wird doch nicht die alte, unter dem Staub der Acten des Ministeriums liegende, die ganz außer Gebrauch ist, zum Beweismittel nehmen können — ebenso wenig als man einen abgesetzten und in die Verbannung geschickten König noch einen regierenden heißen kann. So hat man auch kein lutherisches Gesangbuch mehr und der bekenntnißmäßige Katechismus ist durch die That abgeschafft, denn auch in den Schulen ist er nicht mehr vorhanden. Darnach müßte man also der Frankfurter Kirche den Character einer lutherischen gänzlich absprechen. Doch es ist noch ein wesentliches Stück übrig, nämlich die Ordination, welche noch, so viel mir bekannt geworden ist, mit Verpflichtung auf die Bekenntnißschriften der lutherischen Kirche vorgenommen wird, nach Anleitung der alten Agende. Das könnte noch ein Zaun sein gegen das Verderben, und als in einem Schiffbruch sieht man sich darnach wie nach einem rettenden Balken um voller Hoffnung. Doch ach, es ist nur ein falscher Schein! Was hilft alle Verpflichtung auf die Bekenntnisse, wenn nicht dabei geblieben wird von den Predigern, und wenn niemand da ist, der treulose Prediger an ihre Pflicht und entsetzliche Verantwortung an jenem Tage erinnert, sie nicht ermahnt und endlich, wo sie beharren, absetzt als Kirchen- und Seelenverderber. So ist es aber in der That in Frankfurt. Fast alle Prediger huldigen dem Rationalismus, der eine gröber, der andere versteckter und unter den letzteren meine ich besonders die, welche es für eine Schande achten, noch Rationalisten zu sein, ihre Reden daher mit dem JEsusnamen schmücken, aber überall, an allen Ecken und Enden, unter dem umgehängten fremden Mantel die alte Natur herausgucken lassen, Leute, wie sie Röm. 16, 18. von dem heil. Paulus beschrieben sind. Ist doch keiner da, welcher nicht von der in dieser letztbetrübten Zeit herrschenden Unionspest angesteckt wäre. Und das ist auch der zu Frankfurt herrschende Geist in der Kirche, was ich, da Exempel am besten beweisen, mit etlichen Exempeln belegen will, aus denen der Leser selbst urtheilen mag, wie es steht. — Anno 1817 am Reformationsfeste feierten die Lutheraner und Reformirten das Abendmahl gemeinschaftlich, wozu der damalige Senior Dr. Hufnagel ein besonderes gedrucktes Formular entwarf. Ob schon vor dieser Zeit oder erst seitdem, das ist dem Schreiber dieses unbekannt, aber jetzt findet sich in Bezug auf die Verwaltung des heil. Abendmahls ein in der Kirche so un⸗