# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1857_S140 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 140 (Aus dem „Freimund.“) Der Rumor über die neuesten Oberconsistorialgeneralien in Bayern. (Fortsetzung.) Wenn man einer Glocke gegenüber den Ton anschlägt oder pfeift, der in ihr verborgen liegt, so hallt sie ihn von selbst wieder, während sie sonst bei allen andern Tönen sich laut⸗ und regungslos verhält. Dies Naturgesetz bewährte sich auch, als die Nürnberger Adresse ihren grellen Pfiff in die Welt hinaus that. Von allen Seiten hallte es wieder, allenthalben stimmte der große Haufe bei, allenthalben bereitete man ähnliche Adressen vor oder schloß sich geradezu an die Nürnberger an; denn der rechte Ton war laut angeschla⸗ gen, der Ton der Glaubenslosigkeit; die Worte aber, in die man diesen Ton einkleidete, waren die Schlagworte: Glaubensfreiheit und Protestantismus. Darum fiel den Wortführern „ihr Pöbel zu und lief ihnen zu mit Haufen wie Wasser“ (Ps. 73, 10), und obwohl nirgends in ihren Protestationen und Erklärungen auch nur eine Spur von Gründung auf und Begründung aus Gottes Wort zu finden war, sondern im Gegentheil überall eine eben so gründliche Verachtung des Wortes Gottes und des Bekenntnisses der Kirche als grund⸗ und bodenlose Unwissenheit in beiden aus ihrem Wortkram her⸗ ausschaute; so ging und geht es doch noch, wie in demselben 73. Psalm ge⸗ schrieben steht: „Was sie reden, das muß vom Himmel herab geredt sein, und was sie sagen, das muß gelten auf Erden“ (V. 9); denn: „Sie vernichten alles und reden übel davon, sie reden und lästern hoch her“ (V. 8): und das ist der rechte Ton! Mag es darum mehr oder weniger, mag es ganz oder gar nicht wahr sein, was man sich von der Art und Weise, wie die Unterschriften zu diesen Adressen gesammelt wurden, erzählt, daß man z. B. den Leuten weiß machte, sie müßten katholisch werden, wenn sie nicht unterschrieben, daß man Gymnasiasten, Gewerbsschüler, Eisenbahnarbeiter dazu herbeizog, daß viele der Unterzeichner so wenig wußten was? und wie? daß sie da, wo zwei entgegengesetzte Adressen zur Unterschrift auflagen, die Meinung aussprachen, es sei wohl gleich, wo man unterzeichne, es meinten ja beide Schriften doch dasselbe, und man ginge darum eben dorthin, wo die meisten unterschrieben: — mag das nun alles wirklich vorgekommen sein oder nicht, der angeschlagene Ton: es soll keine kirchliche Zucht sein, weder in Bezug auf Lehre noch auf Leben! der klang doch in allen Herzen wieder und das war es, was sie zur Unterschrift zog und trieb. Während daher in einer ziemlichen Anzahl von Städten, als Regensburg, Schweinfurt, Neustadt, Nördlingen, Kempten, Lindau, Dinkelsbühl ꝛc. Adressen im Sinne der Nürnberger aufgelegt und unterschrieben wurden; so kamen doch nur an drei Orten, nämlich in Nürn⸗ berg, Nördlingen und Erlangen, Adressen im gerade entgegengesetzten Sinne zu Stande, die verhältnißmäßig wenige Unterschriften erhielten. Darum war auch die „Ansprache,“ die das Oberconsistorium an die Pfarrer ergehen