# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1914_S30 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 30 Verhandlungen der 29. Allgemeinen oder zehn, ja vor zehn Jahren. Mit der beſſeren muſikaliſchen Bildung im Volk ſteht im engſten Zuſammenhang das Verlangen nach beſſeren Organiſten. Wir ſtimmen freilich nicht mit ſolchen Leuten, und derer ſind leider viele, die da glauben, ein Lehrerſeminar ſollte in bezug auf ſeine muſikaliſchen Leiſtungen auf gleichem Fuße mit einem Muſikkonſerva⸗ torium ſtehen. Das iſt ein unbilliges Verlangen und entſpringt aus der Unkenntnis deſſen, was überhaupt die Aufgabe eines Lehrerſemi⸗ nars iſt. Unſere Hauptaufgabe iſt, tüchtige Lehrer auszubilden, und in zweiter Linie kommt erſt die Aufgabe, auch ſolche Organiſten aus⸗ zubilden, die den muſikaliſchen Teil eines Gottesdienſtes ordentlich leiten können. Wir erkennen aber, daß unſer Seminar mehr für die muſikaliſche Ausbildung ſeiner Zöglinge tun könnte und ſollte. Dies iſt aber mit den jetzigen Anſtaltslehrern, weil ihrer zu wenig ſind, nicht möglich. Der Orgel⸗ und der für dieſen vorbereitende Klavierunterricht ſind und können nur Einzelunterricht ſein. Ein Klaſſenunterricht, bei wel⸗ chem etwas herauskäme, iſt undenkbar. Der größeren Bequemlichkeit wegen, und beſonders um Zeit zu ſparen, haben wir unſere Klavier⸗ und Orgelſchüler in Abteilungen eingeteilt; aber jeder Schüler erhält in der für ihn bemeſſenen Zeit Einzelunterricht. Nun mußte leider bei dem Mangel an Lehrkräften dieſe Zeit zu kurz bemeſſen werden. Es mußten zu viele Schüler in eine Abteilung getan werden, manch⸗ mal bis zu acht und neun. Dies heißt mit andern Worten, daß in einer Lektion acht bis neun Schüler je fünf bis ſechs Minuten Unter⸗ richt erhielten. Daß bei einem ſolchen Unterricht das Reſultat noch ein ſolches war, wie es war, iſt zu verwundern. Einzelne Schüler erreichten allerdings, weil ſie beſonders begabt waren und beſonderes Intereſſe für Muſik bewieſen, eine ſchöne Fertig⸗ keit; aber ſelbſt dieſen und vor allem der größeren Zahl der mittel⸗ mäßig Begabten ſollte mehr Unterricht geboten werden. Wir Lehrer empfanden ſtets, daß ein ſolcher Unterricht nicht nur nicht gründlich ſein konnte, ſondern daß er zu einer Haſt und Oberflächlichkeit erziehen mußte, die bei manchen Schülern nicht ohne nachteilige Folgen blieb. Unſerer überzeugung nach ſollten höchſtens vier Schüler eine Ab⸗ teilung bilden, das heißt, jeder Schüler ſollte in der Lektion zehn bis zwölf Minuten Unterricht erhalten. Daß dies noch wenig genug iſt, weiß jeder, der etwas Verſtändnis für die Sache hat. Denn einmal muß jeder Schüler Gelegenheit haben, die von ihm eingeübten Sachen dem Lehrer vorzuſpielen; zum andern muß der Lehrer ſeine Korrekturen und Erklärungen anbringen und wiederum dem Schüler die Stücke vor⸗ ſpielen, und zum dritten muß die neue Lektion vorbereitet werden können. Das Regulativ für unſer Lehrerſeminar fordert für die Muſik Unterricht in Geſang und Harmonie, im Klavier⸗, Orgel⸗ und Violin⸗