# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1914_S18 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 18 Verhandlungen der 29. Allgemeinen oder ſich zu ihr zu bekennen, wie ein Knecht ſeines Herrn Farbe und Wappen trägt, zeigt und bekennt. Zweitens ſagt Luther, daß die Kirche auf dem Gebiete der Mitteldinge allerlei Ordnungen treffen darf, jedoch mit der Einſchränkung, daß ſolche Einrichtungen niemandem gegen ſeinen Willen aufgelegt werden dürfen, noch dem Glauben und der Liebe irgendwie gefährlich ſind; auch dürfen ſolche kirchliche Sitten und Gebräuche die Gewiſſen nicht beſchweren und ſollen mit dem Verſtändnis geübt werden, daß ſie nötigenfalls zu irgendeiner Zeit ohne viel Schwierigkeit abgeſchafft und verändert werden können. Die Kirchengeſchichte lehrt nun, daß gerade dadurch unſagbares Unheil von Konzilien und Synoden angerichtet iſt, daß man obige Sätze umgekehrt hat. Man hat aus dieſem und jenem Grunde zu dieſem und jenem Artikel des Glaubens nicht ja ſagen wollen, die Farbe und Wappen des HErrn der Kirche nicht getragen und gezeigt, ja ſeine eigenen Meinungen und Gedanken als Gottes Wort ausgegeben. Und auf der andern Seite hat man mit großem Eifer und heftiger Erbitterung für kirchliche Sitten, Weiſen und Anordnungen gekämpft, darüber ſich geſpalten und die Kirche Gottes auf Erden zerriſſen. Am greulichſten hat ſich in dieſem Stück das Papſttum verſündigt. So wurden auf dem Konzil zu Trient klare Lehren der Heiligen Schrift verworfen und verflucht, und römiſche Satzungen unter Androhung der ewigen Verdammnis den Menſchen aufs Gewiſſen gelegt. Aber auch proteſtantiſche Kirchenverſammlungen, ſelbſt lutheriſch ſich nennende Synoden, haben je und je in gröberer und feinerer Weiſe es darin verſehen, daß ſie auf der einen Seite in dieſem und jenem Stücke die Farbe und Wappen des HErrn der Kirche nicht getragen, ſondern ihre eigenen Wappen ſich gemacht haben, und auf der andern Seite mit kirchlichen Ordnungen und Gebräuchen die Gewiſſen beſchwert. Wollen wir daher, meine Brüder, in den kommenden Tagen eine gottgefällige Verſammlung abhalten und als Glieder der Kirche unſers Amtes und Berufes warten, ſo müſſen obige Artikel des großen Reformators unſer Leitſtern ſein bei allem, was wir reden und beſchließen. Erlauben Sie mir, hier auf einen Punkt beſonders hinzuweiſen. Wir alle beklagen tief die Zerriſſenheit der lutheriſchen Kirche hieſigen Landes und ſeufzen zu Gott, daß er den Schaden Josephs heilen wolle. Wir freuen uns auch aufrichtig, daß gegenwärtig durch alle lutheriſchen Synoden ein ſtarkes Verlangen geht, einander näher zu kommen und ſich untereinander zu verſtändigen. Wir wollen auch an unſerm Teile mithelfen, daß Einigung erzielt werde; doch darf dieſes nun nicht in der Weiſe geſchehen, daß man die vorhandenen Lehrunterſchiede überſieht und Stücke des göttlichen Wortes preisgibt. Dann würden wir die Farben unſers Heilandes verwiſchen und ſein Wappen nicht zeigen und bekennen. Da die Kirche nicht Herrin der Lehre iſt, darf ſie keine Politik treiben, noch aus Nützlichkeitsrückſichten Artikel des Glaubens