# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1911_S288 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 74 — Bericht der Kommiſſion für Judenmiſſion. An die Ehrw. Delegatenſynode der Deutſchen Ev.⸗Luth. Synode von Miſſouri, Ohio u. a. St., verſammelt zu St. Louis vom 10. bis zum 20. Mai 1911. Hochwürdige Herren! Geliebte Väter und Brüder! Indem Ihre Kommiſſion für Judenmiſſion den Bericht über die drei letzten Jahre einreicht, erlaubt ſie ſich, folgende Bemerkungen im Intereſſe Ihrer Miſſion unter den Juden vorauszuſetzen: Daß die Judenmiſſion ebenſowohl eine Chriſtenpflicht iſt wie die Heidenmiſſion, hat unſere Synode gläubig erkannt und mit der Tat be⸗ zeugt. Der Weltbefehl Chriſti: „Lehret alle Völker und taufet ſie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geiſtes!“ (Matth. 28, 19) erſtreckt ſich auch auf die Juden. Die Apoſtel wurden von dem HErrn der Kirche ausdrücklich angewieſen, „mit dem Evangelium an⸗ zuheben in Jeruſalem“, Luk. 24, 47. Paulus und Barnabas bekannten daher öffentlich den Juden zu Antiochia im Lande Piſidien: „Euch mußte zuerſt das Wort Gottes geſagt werden“, Apoſt. 13, 46. Wenn der HErr Chriſtus ſpricht: „Und wird eine Herde und ein Hirte werden“, Joh. 10, 16, und wenn der Apoſtel Paulus ſchreibt: „Denn er iſt unſer Friede, der aus beiden eins hat gemacht und hat abgebrochen den Zaun, der dazwiſchen war, in dem, daß er durch ſein Fleiſch weg⸗ nahm die Feindſchaft“, Eph. 2, 14, ſo hat das keinen andern Sinn, als daß aus Juden und Heiden eine Kirche geſammelt werden ſoll. Das Heil iſt von den Juden auf uns gekommen, Joh. 4, 22; ja, aus ihrem Fall iſt den Heiden das Heil widerfahren, Röm. 11, 11. Darum ſollen wir uns nicht wider die Zweige rühmen, Röm. 11, 18, ſondern ihnen mit dem Evangelium dienen, „daß ſie uns nacheifern ſollten“, Röm. 11, 11. Nun iſt es ja wahr, daß unſere Gemeinden durch ihr Predigtamt und durch das Bekenntnis ihrer Glieder auf die in ihrem Gebiete woh⸗ nenden Juden einwirken, und daß die Zahl der Juden, die durch ſolchen Miſſionsdienſt unſerer Gemeinden für Chriſtum gewonnen und getauft werden, bedeutend größer iſt als die Zahl derer, die durch unſere be⸗ ſondere Judenmiſſion in New York gewonnen werden. Dieſer Um⸗ ſtand macht aber hierzulande eine beſondere Judenmiſſion ebenſowenig überflüſſig, wie z. B. beſondere Innere Miſſionen und fremdſprachige Miſſionen durch die Miſſionstätigkeit, die einzelne Gemeinden in ihrem Gebiete erweiſen, überflüſſig werden. Die ganze Erziehung und Denk⸗ weiſe, die religiöſen Begriffe und Anſchauungen, ſelbſt die Sprache der großen Judenmenge ſind ſo eigenartig und ganz anders als die der Chriſten, daß die öffentliche Predigt der Chriſtengemeinden und das Zeugnis ihrer Glieder nicht auf die Maſſe der Juden wirken, ſondern nur einzelne Seelen unter ihnen erreichen kann. Für die große Juden⸗ menge müſſen wir beſonders dazu herangebildete und ausgerüſtete Ar⸗