# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1911_S202 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 202 Verhandlungen der 28. Allgemeinen oder reien entgegen mit ſeinem herrlichen Zeugnis von dem Unterſchied zwi⸗ ſchen Geſetz und Evangelium und von der Rechtfertigungslehre, nach welcher der Glaube ſich gründet nicht auf das eigene Herz mit ſeinen trügeriſchen Gefühlen, ſondern auf Gottes Wort und Sakrament, das jedem armen Sünder die volle Vergebung umſonſt darbietet, ſchenkt und verſiegelt, und nach der die Hoffnung ſich richtet nicht auf eine irdiſche Herrlichkeit der Kirche im tauſendjährigen Reich, ſondern auf die Vollendung des Heils in der zukünftigen Welt mit der Wieder⸗ kunft Chriſti zum Gericht. Als Walther durch Gottes Gnade zur rechten Erkenntnis kam, herrſchte in Deutſchland noch der Vernunftglaube. Und ganz frei davon ſind dort auch ſpäter ſelbſt die meiſten gläubigen Theologen nicht ge⸗ worden. Prunkvoll hielt vielmehr der Rationalismus einen neuen Ein⸗ zug, verſchleiert als „theologiſche Wiſſenſchaft“, die nicht der Schrift allein folgen will und ſie auch nicht hält für Gottes untrügliches Wort. Auch in Amerika fing dieſer Sauerteig an zu gären, als Theologen ſich unterfingen, das Geheimnis von der Bekehrung und Gnadenwahl zu erklären. In ſchweren, aber erfolgreichen Kämpfen trat Walther dieſem Rationalismus entgegen und hat uns ſo, Gott Lob! die großen Wahrheiten erhalten: Die Schrift iſt untrüglich; ſie allein iſt Quelle der Theologie, und alle ihre Lehren ſind zu glauben, auch wenn wir ſie nicht zu reimen vermögen. Geiſtesmächtig iſt ferner Walther eingetreten für die freie, pur⸗ lautere Gnade in der Bekehrung und Seligmachung. Melanchthon hatte als Erſter an dieſer Grundwahrheit gerüttelt. Und gefolgt ſind ihm faſt ſämtliche neueren Theologen. Auch hier in Amerika erſcholl bald der Ruf: Die Seligkeit hängt im letzten Grunde ab von der freien, eigenen Entſcheidung des Menſchen! In gewiſſer Hinſicht iſt Bekehrung und Seligkeit abhängig nicht allein von der Gnade, ſondern auch vom menſchlichen Verhalten. Walther aber blieb auch hier der Schriftlehre Luthers und des lutheriſchen Symbols treu und legte in langen, ge⸗ waltigen Kämpfen ſieghaft Zeugnis ab für das „allein aus Gnaden“ und „Gott allein die Ehre“. Und mit den genannten, wie mit andern lutheriſchen Wahrheiten hat Walther auch ganzen, großen, vollen Ernſt gemacht. Als Gott ihn auf den Plan rief, herrſchte allgemein eine erſchreckliche Gleichgültigkeit in Lehre und Praxis. Ohne Scham pflegten in Amerika lutheriſche Prediger, Gemeinden und Synoden brüderliche, kirchliche Gemeinſchaft mit allen möglichen Sekten und verleugneten ſo den letzten kümmerlichen Reſt ihres Luthertums und ſteuerten mit vollen Segeln der Union zu. Dieſer Selbſtpreisgabe der lutheriſchen Kirche trat Walther mit Ernſt entgegen. Die lauteren Wahrheiten des Luthertums förderte er ans Tageslicht und mit heiligem Ernſt beſtand er auf ihrer Unverletzlichkeit in Lehre und Praxis, ſowie auch auf ihrer unbedingten und alleinigen Geltung in der lutheriſchen Kirche. Lutherſcher Ernſt mit lutheriſchen