# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1857_S103 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Rumor über die neuesten Oberconsistorialgeneralien in Bayern. 103 in Gebrauch nehmen können; und welche Rechtsungleichheit bestände hier, wenn bürgerliche Gerichte Strafen nur durch unabhängige Richter und Geschworene, nach reiflicher Erwägung aller Nebenumstände und zudem nur vorübergehend (temporär) verhängen, Geistliche aber Strafe und Entehrung für eine ganze Lebensdauer. Wir nennen uns Christen. Folgen wir unserm großen Meister nach den Worten: „Werfe nur der den Stein nach seinem Nächsten, der sich in seinem ganzen Leben vollkommen frei von jedem Fehltritt weiß!“ — Der Leser wird mirs zu gut halten, daß ich ihm diesen Unsinn seiner ganzen Länge und Breite nach hersetzte; aber er gehört mit zur Charakteristik der Bewegung. Da tritt ein angeblicher Freund dieser eifrigen „Protestanten“ auf, die in Schrecken und Zorn über die „Hierarchie des Oberconsistoriums“ gerathen sind und derselben sich mit aller Macht erwehren wollen; und dieser angebliche Freund nun macht ihnen alles Ernstes den Vorschlag, da sei es besser, „zur katholischen Kirche zurückzukehren,“ weil dort die Geistlichkeit — bei weitem mehr Macht habe, tüchtige Kirchenzucht zu üben, als die protestantische! Gerade wie wenn einer einem, der dem Regen entrinnen will, den guten Rath gäbe, er sollte sich lieber unter die Traufe stellen! Und wenn einem nun der Rath alles Beifalls werth schiene, welchen Begriff bekämen wir wohl von seinen Geisteskräften? — Nun, das „Augsburger Tagesblatt“ befindet sich in diesem Fall; denn es hat den guten Rath mit allen Freuden aufgenommen und seinen Lesern zur Beherzigung, dem Oberconsistorium aber zu Graus und Schrecken mitgetheilt. Und die Mittheilung that so gute Wirkung, daß man nicht nur in Nürnberg und Augsburg, sondern auch in den mitten inne und umher liegenden nachäffenden Orten allenthalben von den eifrigen „Protestanten“ das Geschrei auch auf den Gassen hören konnte: Da werden wir lieber katholisch! Wer dagegen in dem allgemeinen Sturm und Wirbel noch einiges Denkvermögen sich bewahrt hatte, merkte sogleich, daß hinter dem Artikel ein verkappter Katholik stecke, der diese Gelegenheit benützen wolle, im Trüben zu fischen. Aber damit der Humor doch volle Sättigung finde, so nahm auch ein ultramontanes (d. h. papistisches) Blatt in München den Artikel für baare Münze, triumphirte, daß hier ein Protestant zu gründlicher Erkenntniß gekommen sei, und ein anderer verkündigte bereits als nah bevorstehend — einen massenhaften Uebertritt der Nürnberger Protestanten zur katholischen Kirche; bis sichs herausstellte, daß beide Theile mystificirt, d. h. auf gut deutsch: am Narrenseil herumgeführt waren. Es ist ein Verhängniß, dem die Menschenkinder häufig unterliegen, daß sie unter Umständen sehr leicht und schnell ihren gesunden Verstand verlieren, aber nicht so leicht und schnell wieder zur Vernunft gelangen, wenn sie ihnen einmal abhanden gekommen ist. Daher fruchtete es nichts, daß ein wohlmeinender Mann von München aus unterm 24. Oct. in der Allgemeinen Zeitung neben anderm darauf aufmerksam machte, „was im Besondern die Privatbeichte und die Kirchenzucht anbelange, so solle die erstere, wie es in der Natur der