# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1857_S102 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 102 Der Rumor über die neuesten Oberconsistorialgeneralien in Bayern. Oberconsistoriums, entzündeten. Darum las man denn auch im „Augsburger Tagesblatt“ am 23. October folgende Mittheilung: „Seit dem dreißigjährigen Krieg hat in Augsburg unter der protestantischen Bevölkerung wohl kein Begebniß eine so große Sensation gemacht, als das Bekanntwerden, daß nach einem oberconsistorialräthlichen Rescript nicht nur die Privatbeichte, sondern auch ein Theil der schon lange Zeit verpönten (!!) Kirchenzucht wieder eingeführt werden soll. — Wohl spricht sich das bereits an alle Decanate gesendete Generale dahin aus, daß man „unter wohlbemessener Berücksichtigung der Verhältnisse zu Werke gehen solle,“ allein nach der Auslegung dieses Passus läßt sich annehmen, daß, wo dieser hochwichtige Gegenstand gewisser Verhältnisse wegen augenblicklich sich noch nicht durchführen läßt, man nur vor der Hand noch keine Zwangsmaßregeln anwenden wolle. — Bereits wurde durch öffentliche Blätter bekannt, daß in München die protestantische Kirchenvorstandschaft im Namen der dortigen Gemeinde dagegen entschieden auftrat und die desfallsige Berathung mit der dortigen protestantischen Geistlichkeit ablehnte. Wie dermalen hier unter einem großen Theil der protestantischen Bevölkerung sich kundgibt, so dürfte von den hiesigen Kirchenvorständen dasselbe Verfahren in Aussicht stehen. Wäre jedoch dieses der Fall nicht, und sollten die bedeutenden Aenderungen in dem protestantischen Cultus Platz greifen, so könnten wohl viele Uebertritte zur reformirten Kirche vorkommen.“ Das letztere sollte natürlich ein gewaltiger Schreckschuß sein, das Oberconsistorium in seinen tiefsten Tiefen zu erschüttern; aber der zweite, den das „Augsburger Tagesblatt“ gleich darauf losbrannte, sollte die oberste Kirchenbehörde wohl ganz aus aller Fassung und Haltung bringen. Denn unmittelbar nach obiger Mittheilung läßt es diese folgen: „Der „Fränkische Curier“ erhielt von geehrter Hand nachstehendes Schreiben zugestellt: Nürnberg, 20. Oct. Herr Redacteur! In Bezug auf Ihre Mittheilungen über eine beabsichtigte Kirchenzucht glaube ich Ihnen anzeigen zu müssen, daß sich, im Falle sie begründet sind, hier, einem der ersten Sitze des Protestantismus, eine Protestation vorbereitet. Der evangelische Glaube ist auf Freiheit der Meinung und auf Unabhängigkeit des Individuums gegenüber der Geistlichkeit gegründet. Weicht er von diesem seinem Grundprincipe ab, duldet er irgend eine Inquisition, so thun seine Mitglieder besser, in den Schoß der katholischen Kirche zurückzukehren, welche doch den Vorzug hat, eine unabhängige Geistlichkeit zu besitzen. Die protestantische ist ganz von den verschiedenen Landesregierungen abhängig, und wir können daher möglicher Weise in Deutschland 32 Kirchenzuchten und 32 verschiedene Auffassungen unserer Religion erhalten. Die katholische Geistlichkeit, deren Oberhaupt unabhängig, heilig und unfehlbar ist, kann ihre Zucht selbst gegen Kaiser und Könige anwenden und hat sie zuweilen angewandt. Unsere, deren Existenz und Beförderung von den jedesmaligen Landesregierungen und ihren Beamten abhängt, würde sie nur gegen das Voll