# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 12 22_S51 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) wider den Luther, welcher doch auch ſollte ſchier tin Doctor ſein in dieſer Kunſt; er hat wohl ſo viel davon gepredigt, gedichtet, geredet, ge— ſchrieben, geſungen und geleſen, und muß den— noch ein Schüler darinnen bleiben, und zuwei— len wohl weder Schüler noch Meiſter iſt. Dar— um laß Dir rathen und ſprich nicht, Hui. Du ſteheſt; ſiehe aber zu, und falle nicht. Du kannſt es alles; ſiehe aber zu, daß Dir die Kunſt nicht fehle. Fürchte Dich, ſei demüthig und bete, daß Du in dieſer Kunſt mögeſt wach— ſen und behütet werdeſt vor dem kundigen Teufel, der da heißt Klügel oder Kündlin, der alles kann und im Flug lernet. Wenn Du nun willſt oder mußt von Sachen handeln, die das Geſetze, oder Werk, oder Sprüche und Exempel der Väter betreffen, ſo nimm vor allen Dingen das Hauptſtück für Dich und laß Dich ja nicht finden ohne dies Stücke, auf daß alſo die liebe Sonne, Chriſtus, Dir im Herzen ſcheine, ſo kannſt Du frei und ſicher durch und über alle Geſetze, Exempel, Sprüche und Werke urtheilen, und ſagen: Wohlan, iſt etwas Gutes und Rechtes darin— nen, ſo weiß ich das wohl, daß ſie nicht weiter gut noch recht ſind, denn zu dieſem Leben; denn zur Gnade und jenem Leben iſt allein Chriſtus gut und recht. Und wo Du ſolches nicht thuſt, ſo ſollſt Du das gewiß haben, daß Dich die Ge— ſetze, Sprüche, Exempel und Werke, mit ihrem hübſchen Schein, und mit dem großen Anſehen der Perſon werden irre machen, daß Du nicht weißt, wo Du bleibſt. Ich habe es in St. Bernhardo auch geſehen; wenn derſelbige Mann auch beginnt von Chriſto zu reden, ſo gehet es daher, daß Luſt iſt; wenn er aber außer dieſem Stücke iſt, und von Regeln oder Werken redet, ſo iſt es nicht mehr St. Bernhar— dus. Und alſo gehet es St. Auguſtino, Gre— gorio, und allen Andern auch, daß, wenn Chri⸗ ſtus nicht mit iſt, ſo ſind es eitel weltliche Leh⸗ rer, wie die Philoſophi oder Juriſten. Darum heißt auch Chriſtus in der Schrift ein Eckſtein, auf welchem muß alles gebaut und gegründet wer⸗ den, was vor Gott beſtehen ſoll. Was aber ohne ihn oder nicht auf ihn gegründet wird, das muß zu nichte werden und kann nicht beſte— hen. Und was mangelt jetzt denen tollen Hei— ligen und Rotten anders, denn daß ſie dieſen Eckſtein laſſen und ſind wieder in die Werke gerathen? Da können ſie nicht auskommen, ſondern müſſen fortfahren, und auch aus der Taufe und Sacrament, (welche doch Gottes Wort und Gebot ſind,) eitel eigen Menſchen⸗ werk machen. Als, die Wiedertäufer ſagen, die Taufe ſei nichts, wo der Menſch zuvor nicht fromm ſei; wollen nicht durch und von der Taufe fromm werden, ſondern durch ihre Frömmigkeit die Taufe heilig und gut machen. Das heißt ja (meine ich,) dieſen Eckſtein gründlich verloren, und nicht durch Chriſti Gnade, ſo die Taufe gibt, ſondern zuvor durch ſich ſelbſt heilig wer— den, daß die Taufe nichts gebe, nichts ſchaffe, nichts bringe, ſondern wir bringen und geben der Taufe alles zuvor, damit ſie nichts ſei, denn tin bloß unnöthig Zeichen, dabei man 51 ſolche heilige Leute kennen möge: ſo doch die Taufe auch nicht ſolch bleibend Zei— chen oder Merkmal ſein kann, dabei man Jemand möchte kennen, ſondern geſchieht ein— mal, darnach kann man es Niemand mehr an— ſehen. Alſo thun die Schwärmer auch mit ihrem Sacrament: das muß nicht fromm ma— chen noch Gnade geben, ſondern zeigen und zeugen, wie fromm und heilig ſie ohne ſolch Sacrament ſind. Und was hat im Pabſtthum ſolch Trennen, unzählige Secten, Rotten und Abgötterei aller— lei toller Heiligen, Pfaffen, Mönche und Non⸗ nen gemacht, denn daß ſie von Chriſto abgefal— len und zuvor durch Werke fromm worden ſind? Darum lehret St. Paulus die Epheſer und Coloſſer ſo fleißig, daß Chriſtus unſer Haupt ſei, und daß wir ja mit Fleiß uns ſollen an das Haupt halten, und alſo an einander blei— ben, als Glieder eines Leibes, und zunehmen. Denn der Teufel feiert und ſchläft nicht, er wollte uns gern von dieſem Haupte reißen: er weiß wohl, daß ihm dies Stück den Hals bricht, und ſeinen Schlangenkopf zertritt, wie 1 Moſ. 3, 15. verheißen iſt. ‚ Gott aber, unſer lieber, ewiger Vater, de uns durch ſeinen lieben Sohn und unſern HERRN und HEiland, IEſum CHriſtum, ſo reichlich erleuchtet, wolle uns auch durch ſeinen heiligen Geiſt mit völligem Glauben ſtärken, und Kraft geben, daß wir ſolchem Lichte treu— lich und fleißig folgen, und ihn ſammt allen Heiden preiſen und loben beide, mit Lehren und Leben. Dem ſei Dank und Ehre für alle ſeine unausſprechliche Gnade und Gaben in Ewig— keit. Amen. (Correſpondenz.) Und ſie kamen ſcharf an einander alſo, daß ſie von einander zogen, u. ſ. w. Apg. 15, 39. Zu dieſen Worten ſetzt ein ſchriſtlicher Predi— ger die Bemerkung: „Dies geſchah, indem wohl Paulus vorſtellte, was für ein Hinderniß ihnen das geben könnte, wenn ſie mit Marcus wieder ſo wie ehedem verſehen ſein würden, Barnabas aber einwendete, Marcus ſei indeſſen ſtärker geworden, habe ſeine Fehler der Weich— lichkeit bereuet, und dergl.“ Faſt ähnliche Umſtände walten gegenwärtig zwiſchen der Synode von Michigan und den von ihr ausgegangenen Brüdern ob. Leider handelt ſich's aber hier um etwas, was dort bei jenen Jüngern des HErrn nicht der Fall gewe— ſen zu ſein ſcheint. Beſonders auffallend ſind mir, nächſt Anderem, die in einem Aufſatze von Herrn A. C. in der letzten Nummer des „Luthe— raner“ angeführten Worte: „Und doch konn— ten ſich alle aufrichtigen Lutheraner herzinnig— lich der lautern ſchriftgemäßen Abendmahlspre— digt freuen, die H. bei der diesjährigen Syno⸗ dalverſammlung an einem Orte hielt, da man gleich darauf mit rein reformirten Abendmahls— ceremonien dem lutheriſchen Weſen öffentlich Hohn ſprach.“ Zwar hätte ich vieles zu ſagen über den gan⸗ zen Brief des Hrn. A. C., allein ich hoffe, daß das in vorletzter NRummer unterzeichnete unge— nannte Glied der Synode von Michigan, welches ich nicht namhaft zu machen weiß, ſich ſelbſt auf ſeinen Angriff noch beſonders ver— theidigen wird. Daher kürzlich nur dieſes: Ich nehme mir die Freiheit, dieſen ausgetre⸗ tenen lieben Amtsbrüdern zu ſagen, daß ſie — obgleich Herr A. C. in ſeinem Erwiderungs⸗ ſchreiben der Synode von Michigan die Worte vorhält: „Eben ſo wenig laſſen wir's gelten, wenn man ſich unſere Symbole nach ſubjectivem Wohlgefallen deutet“ — voch ſelbſt nicht unter⸗ einander über den richtigen Verſtand dieſer Symbole einig ſind. Dieſes beweiſen und be⸗ zeugen dieſe lieben Brüder ſelbſt in der Art und Weiſe, mit welcher ſie der Feierlichkeit des in Herrn A. C's. Aufſatze gedachten Abendmahls beiwohnten. Ich will der Kürze wegen nur vorläufig bemerken, daß gedachte Abendmahls— ceremonien nach der würtembergiſchen Agende vollzogen wurden, ſtatt Hoſtien wurde Brod gebraucht und der Leib und das Blut des HErrn unter Brod und Wein mit der Hand zum Munde genommen. Einer dieſer Brüder war ſelbſt Theilnehmer dieſes heil. Sacraments und drei derſelben blieben hinweg. Nun erkühnt ſich noch oben— drein Einer unter ihnen (Herr A. C.) zu ſagen, es ſei dadurch dem lutheriſchen Weſen Hohn geſprochen worden, während doch der von ihm gelobte Bruder H., welcher „die aufrichtigen Lutheraner herzinniglich durch die lautere ſchriftgemäße Abendmahlspredigt erfreute,“ ſelbſt mit gutem Gewiſſen communiciren konnte. — Ja, lieber Bruder, Du konnteſt mit gutem Gewiſſen gehen. Haben doch unſere Väter, wenn ſie ſchon bekannten, „daß zur Zeit der Verfolgung, wenn ein rundes Bekenntniß des Glaubens von uns gefordert wird, in ſolchen Mitteldingen den Feinden nicht zu weichen ſei, wie der Apoſtel geſchrieben Gal. 5, 1.: „So beſtehet nun in der Freiheit, damit euch Chri⸗ ſtus befreit hat u. ſ. w.“ — ſo haben ſie doch auch einträchtiglich gelehrt: „Denn dieſes iſt genug zu wahrer Einigkeit der chriſtlichen Kirche, daß einträchtig nach reinem Verſtand das Evangelium gepredigt und die Sacramente dem göttlichen Worte gemäß gerichtet werden; und iſt nicht noth zu wahrer Einigkeit der chriſtlichen Kirche, daß allenthalben gleichför— mige Ceremonien, von den Menſchen eingeſetzt, gehalten werden u. ſ. w.“ Und abermals: „Wir glauben, lehren und bekennen, daß die Gemeine Gottes jedes Ortes und jeder Zeit nach Gelegenheit derſelben Macht habe, ſolche Ceremonien zu ändern, wie es den Gemeinen Gottes am nützlichſten und erbanlichſten ſein mag.“ Auch haben ſie niemals bekannt noch gelehrt, daß nur feſtgeſetzte Ceremonien ein wahres Sacrament ausmachen, oder, wie Herr A. C. lehrt, daß durch gewiſſe Ceremonien (die doch nicht gegen Gottes Wort ſind), dem luthe— riſchen Weſen Hohn geſprochen werde, ſonſt hätten ſie gewißlich feſtgeſetzt, daß die damali— gen Ceremonien für immer beſtehen und nie abgethan werden ſollten.“) Aber Du haſt nach *) Herr Cronenwett mißverſteht hiernach offenbar, um was es ſich eigentlich handelt. Wir erlauben uns zur Verſtändi⸗ gung in der Sache auf unſern Aufſatz, „„Führt das alte Luth. nach Rom ?“ zu verweiſen. D. H.